Kirche ist Winterbaustelle

Görlsdorf (MOZ) Es bewegt sich was in der alten Feldsteinkirche: Das Dorf hat genug Spenden gesammelt, um mit dem Kirchenkreis Oderbruch und dem Förderverein Alte Kirchen die notwendigen Reparaturen zu finanzieren. Nächstes Jahr könnte wieder Leben einziehen.

Die Glocken des Görlsdorfer Gotteshauses sollen sogar noch in diesem Jahr wieder klingen. Derzeit ist der engagierte Dorfbewohner Urs Wilde noch auf der Suche nach jemandem mit dem richtigen Taktgefühl. "Neben Kraft braucht es auch ein gewisses Gespür", sagte er im Ortsbeirat am Montagabend. An diesem Wochenende könnten die Strippen schon probehalber gezogen werden und so das Geläut im Ort wieder zu hören sein.

Zu lange war es den Menschen im Dorf zu still um die Kirche geworden, die seit zwei Jahren aufgrund baulicher Gefahrenquellen gesperrt ist. Der Weihnachtsstern am Turm wurde dennoch aufgehängt und seit etwas mehr als einer Woche steht am Giebel des Kirchenschiffs ein Gerüst. Die Dachbaufirma Bresch und Lenz hat hier ihre Winterbaustelle eingerichtet, hieß es im Ortsbeirat. Wenn es zu kalt und gefährlich ist, auf die anderen Dächer der Region zu steigen, sollen die Fachmänner den Schutt von der Zwischendecke des Gotteshauses räumen. Nach Abschluss der Arbeiten muss ein unabhängiges Ingenieurbüro prüfen, welche zimmermannstechnischen Leistungen eventuell noch erbracht werden müssen.

12 000 Euro stehen für die Reparaturarbeiten zur Verfügung. 2000 Euro davon kommen vom Förderverein Alte Kirchen, 4000 Euro vom Kirchenkreis Oderbruch. Den größten Anteil - 6000 Euro - haben die Dorfbewohner selbst gesammelt. Ein Spendenkonto wurde eingerichtet, bei Dorffesten und beim Benefizkonzert des Alt Rosenthaler Folklore-Chores "Kariolle"in der Diedersdorfer Kirche Geld eingetrieben.

Die gelungenen Aktionen haben im Dorf für Optimismus gesorgt. Ostern, so wird im Stillen gehofft, könnten sich Gläubige und auch Atheisten wieder in der Kirche versammeln. "Es wäre schön, wenn wieder Andachten im Haus stattfinden könnten", hieß es am Montag im Ortsbeirat. Dabei hatten die Görlsdorfer nie einen Hehl daraus gemacht, dass die Mehrheit von ihnen nicht unbedingt zu frommen Christen und Kirchgängern zählt.

Die Kirche war vor allem für die Durchführung von Trauerfeiern wichtig, die derzeit in der nahgelegenen Trauerhalle - eine hergerichtete Garage -stattfinden. Auch Konzerte belebten in der Vergangenheit das Gotteshaus - von Chorgesängen bis zu Rockgitarren drang vielerlei durch die dicken Mauern. Geht es nach den Dorfbewohnern im Ortsbeirat soll das auch in Zukunft wieder der Fall sein. Selbst Punk-Musik können sich einige vorstellen. Zu diesen Anlässen müsste dann das Gemeindehaus zur Toilettennutzung geöffnet werden und eine Aufsichtsperson aus dem Dorf dabei sein, hieß es. In der Vergangenheit hatte es nach dem "Rock in der Kirche" Beschwerden darüber gegeben, dass sich Konzertbesucher an der Mauer um den Komplex Kirche und Friedhof erleichterten.

Nun ist man optimistisch, auch das in den Griff zu bekommen. Und die Ideen der Görlsdorfer gehen noch weiter. Urs Wilde, der künftig als Mittler zwischen Dorf und Gemeindekirchenrat fungiert, hatte am Montag eine ganze Liste mit Vorschlägen im Gepäck. "Die Kirche hat eine tolle Akustik", sagt er. Doch neben Konzerten wären aus seiner Sicht auch Ausstellungen und Theateraufführungen denkbar. Eine Idee ist es, die Woriner Schule am Wald zu bitten, ihr Schultheater-Programm, das sie am Donnerstag und Freitag wieder im Seelower Kreiskulturhaus präsentieren, auch in Görlsdorf aufzuführen. Wilde selbst habe Kontakt zu einer weiteren Theatergruppe, die im Haus auftreten könnte. Generell solle die Kirche demnächst wieder Plattform für Kulturschaffende sein. Denkbar wären aus Görsdorfer Sicht auch kleine Handwerkermärkte mit Korbmachern und Keramikern.

Margit Hampel vom Ortsverein notierte am Montagabend fleißig. Sie ist diejenige, die die Ideen zur Kirchennutzung bündeln will und ein Konzept für die künftige Nutzung der Kirche erstellt. Ein wichtiger Fakt ist für die Görlsdorfer, alle Veranstaltungen des Dorfes an die Kirche koppeln wollen. Für eine umfangreiche Sanierung wird nach Fördertöpfen Ausschau gehalten. Bisher wurden hierfür Kosten von mehr als 50000Euro geschätzt. Pfarrerin Rahel-Charlotte Mielke spracht von "fruchtbarer Zusammenarbeit" mit dem Dorf, hieß es im Ortsbeirat. Diese gelte es fortzusetzen.

Märkische Oderzeitung vom 27. November 2013

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