"Unsere kleine Kirche"

Wiesenau (MOZ) Die Wiesenauer Kirchengemeinde lädt an diesem Wochenende zum Fest "60 Jahre Adventskirche" ein. Den Festgottesdienst leitet Generalsuperintendent Martin Herche aus Görlitz.

An der Ostseite: Erwin Meier (r.) zeigte Regina und Helmut Großmann, Willi Hopke, Hans-Joachim Schulz, Volkmar Lehmann, Krimhild Schulze, Jutta Berfelde und Irmgard Thierbach das Kreuz an Kirche, das er als junger Lehrling mitgemauert hat.
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Erinnerungen: Mädchen und Frauen der Gemeinde servierten im Dezember 1953 Kaffee und Kuchen.
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Willi Hopke, Jahrgang 1940, erinnert sich noch heute genau an den 13. Dezember 1953. "Das war der Tag der Einweihung unserer Kirche. Mir fiel die Aufgabe zu, den Schlüssel für das neue Gotteshaus zu tragen", erzählte der 73-Jährige. Die zu Kriegsende zerstörte Kirche war von den Wiesenauern 1952 und 1953 mit großem Einsatz wiederaufgebaut worden. Willi Hopke war damals Konfirmand, das Los entschied, welcher Schüler diese ehrenvolle Aufgabe übernehmen durfte. Mutter Irma Hopke hatte extra ein Kissen genäht, auf welcher der Schlüssel lag. Am 13. Dezember traf sich die Gemeinde an der alten Schule, um von dort zur Kirche zu gehen. Allen voran schritt der junge Wille Hopke, der auf dem Kissen den Schlüssel trug. Das Aufschließen übernahm der Bauunternehmer Pernack. "Als wir die Tür öffneten, da stellten wir zu unserer Überraschung fest: Da saßen ja schon viele auf den Bänken", erzählte Willi Hopke schmunzelnd.

60 Jahre später: In dem Gotteshaus trafen sich am Dienstag Regina und Helmut Großmann, Hans-Joachim Schulz, Willi Hopke, Volkmar Lehmann, Erwin Meier, Irmgard Thierbach, Krimhild Schulze und Jutta Berfelde. "Ich war damals ein junger Lehrling und habe die Mauern der Kirche mit hochgezogen", erinnerte sich Erwin Meier, Jahrgang 1934. Es war alles sehr anstrengend, es gab wenig Hilfsmittel, Wasser musste man mit Eimern aus einer etwa 100 Meter entfernten Stelle heranschleppen. Aber dennoch: "Die Stimmung bei uns auf dem Bau war gut." Noch heute ist er stolz darauf, dass er das Kreuz an der Ostseite mitgestaltet hat. Die Klinkersteine stammten vom Kraftwerk Fürstenberg, dieses war damals noch im Bau, aber da es dort nicht weiter voranging, wurden die Steine anderswo eingesetzt. Die Steine aus Fürstenberg hat unter anderem Hans-Joachim Schulz und sein Vater mit einem Pferdefuhrwerk aus Fürstenberg geholt.

Doch bevor überhaupt die Maurer loslegen konnten, musste erst einmal der Schutt der Ruine beseitigt werden. "Wir haben damals als junge Lehrlinge nach Feierabend die alten Steine geputzt", erinnerte sich Helmut Großmann. Seine Frau Regina brachte oft frischen Kuchen und frisches Brot zu den Helfern. "Mein Vater Karl Fischer besaß die Bäckerei in dem Haus, in dem sich heute die Bayernstuben befinden", sagte sie.

Irmgard Thierbach kann sich an Kirchenbaumeister Johannes Tuchenhagen aus Frankfurt erinnern. "Ich war damals in einem Tante-Emma-Laden in Stellung. Dorthin kam der Baumeister, wenn er sich in Wiesenau über den Fortgang informierte", erzählte Irmgard Thierbach.

Krimhild Schulze hat 1953 mit anderen Jugendlichen Geld gesammelt für den ersten Teppich der Kirche. "Für 500 Mark haben wir einen in Frankfurt (Oder) gekauft", erzählte sie, damals erhielt ein Lehrling 45 Mark monatlich. Trotz aller Strapazen freue sie sich noch heute: "Es ist unsere kleine Kirche." Auch nach der Einweihung waren weitere Arbeiten notwendig. "Wir Schüler haben 1954 unter Anleitung von Otto Liebenau die Hecke gepflanzt", erzählte Jutta Berfelde.

Der Wiederaufbau der Kirche sei ein Gemeinschaftswerk des ganzen Dorfes, an dem sich alle beteiligt haben, betonte Volkmar Lehmann vom Gemeindekirchenrat. Finanzielle Unterstützung erhielt die Kirchengemeinde vom Gustav-Adolf-Werk. "Dafür sind wir auch heute noch dankbar", sagte er.

Märkische Oderzeitung vom 11. Dezember 2013

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