Alte Kirche mit neuem Dach

Brandenburg (MZV) Architekten, Planer, Bauleute, BUGA-Vertreter und zahlreiche Gäste - sie alle waren am Donnerstag gekommen, um gemeinsam mit Oberbürgermeisterin Dr. Dietlind Tiemann und dem Presbyter der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde der Stadt, Stefan Freitag, das Richtfest für die Sankt Johanniskirche am Salzhofufer zu feiern.

47 Tonnen Stahl und 60 Kubikmeter Holz sollen das neue Kupferdach der Kirche künftig tragen.
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Die wird seit 2012 umfangreich saniert und wird zur Bundesgartenschau 2015 mit einer Hallenschau glänzen. Durch die Sanierung bekommt die Kirchenruine einen modernen Westgiebel, Fenster und einen Fußboden sowie ein neues Dach, das der historischen Dachform entspricht. Um diese rekonstruieren und die Schiefstellung des Gemäuers ausgleichen zu können, werden 47 Tonnen Stahl und 60 Kubikmeter Holz verbaut, die künftig das Kupferdach tragen sollen, das im kommenden Jahr aufgedeckt wird. Wie Oberbürgermeisterin Dr. Dietlind Tiemann in ihrem Grußwort hervorhob, handelt es sich bei der Sanierung der Sankt Johanniskirche um ein wichtiges städtebauliches Projekt: "Die Entscheidung für die BUGA 2015 und die Idee, die St. Johanniskirche für die Blumenschau zu nutzen, eröffnete früher als erhofft, die Chance zur weitergehenden Sanierung, die 2011 geplant und 2012 begonnen wurde." Zudem sei es schön zu sehen, wie die Kirche mit der Sanierung ihre städtebauliche Bedeutung zurückerlange. Diese wurde etwa Mitte des 13. Jahrhunderts von Franziskanern als Saalkirche aus Backstein am Salzhofufer errichtet. Bis heute ist davon noch das Kirchenschiff erhalten, das bei Umbauarbeiten Anfang des 14. Jahrhunderts in der Höhe fast verdoppelt wurde. Im 14. und 15. Jahrhundert wurden die Sakristei, Kapellen und eine Bibliothek im Norden angefügt sowie der Laternenchor und der Glockenturm erbaut. Die einst an die Kirche im Süden angrenzende zweihöfige Klosteranlage wurde 1865 abgebrochen und auf dem Areal die Saldria errichtet. Auf morastigem Untergrund errichtet, hatte der Sakralbau schon bald mit Stabilitätsproblemen zu kämpfen. Die gemauerten Gewölbe mussten durch Holzgewölbe ersetzt werden, Verstärkungen der Strebepfeiler waren notwendig. Zahlreiche Sanierungs- und Restaurierungsphasen der letzten acht Jahrhunderte haben das Erscheinungsbild des Gebäudes geprägt. In der Karwoche des Jahres 1945 wurde die Kirche bei einem Bombenangriff stark beschädigt. Die Westwand und Teile des Daches stürzten in das Kirchenschiff. Notdürftig instandgesetzt, stürzte das beschädigte Kirchendach der Sankt Johanniskirche wegen unterlassener Reparaturmaßnahmen 1985 schließlich ein und das Kirchenschiff stand jahrelang ohne Schutz vor Wind und Wetter. 1992, drei Jahre nach der politischen Wende, wurde als eine der ersten wichtigen Sicherungsmaßnahmen in der historischen Innenstadt ein aus Fördermitteln finanziertes Notdach aufgebracht und so der weitere Verfall verhindert. 2007/2008 folgte eine aufwändige Gründungssanierung, um die Standsicherheit der Kirchenruine zu gewährleisten. Seit 2012 wird die ehemalige Franziskanerkirche aufwändig saniert. Insgesamt schlägt die Instandsetzung der Sankt Johanniskirche mit 3,7 Millionen Euro zu Buche, die zu 80 Prozent aus dem Bund-Land-Förderprogramm "Städtebaulicher Denkmalschutz" finanziert werden.

Märkische Oderzeitung vom 13. Dezember 2013

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