Die restaurierte "Mondsichelmadonna" wieder in der Propsteikirche St. Peter und Paul

Maria trägt wieder Farbe

Der Mantel herrlich Himmelsblau, golden glänzen Saum und Bordüre: Am Donnerstag kehrte die restaurierte "Mondsichelmadonna" an ihren angestammten Platz in die katholische Kirche St. Peter und Paul am Bassinplatz zurück. "Nun ist die Marienseite wieder komplett", freut sich Propst Klaus-Günter Müller.

Die Mondsichelmadonna.
Quelle: Bernd Gartenschläger

Innenstadt. Das in leuchtenden Farben gefasste Marienbildnis mit beschwingtem Faltenwurf, Schlange und rotem Apfel wird Blickfang und geistlicher Mittelpunkt beim Gottesdienst an diesem Sonntag, dem vierten Advent sein. "Seit 14 Jahren träume ich davon, dass die Maria fertig wird, doch immer waren andere Dinge wichtiger: der Turm, das Dach. Doch nun ist es soweit", sagt Propst Müller sichtlich bewegt. 1999 hat er den Dienst in der Gemeinde angetreten. "Im neuen Jahr wollen wir dann die Herz-Jesu-Figur restaurieren lassen", sagt der Gottesmann. Sie steht rechts vom Altarraum, noch Grau in Grau, als Pendant zur "Mondsichelmadonna".

Mehr als ein Jahr lang dauerte die wundersame Verwandlung der Gottesmutter mit dem Jesuskind auf dem Arm. Schritt für Schritt und Partie für Partie haben die Potsdamer Restauratoren Grit Jehmlich und Oliver Max Wenske der Madonna die dicke graue Farbschicht abgenommen, die sie wie eine steinerne Skulptur erscheinen ließ. Neben der alten Farbe waren auch Schmutz und Wachsreste zu entfernen und Fehlstellen auszubessern. Das Fazit der Fachleute: Es handelt sich um eine künstlerisch wertvolle Holzskulptur. "Mit Polimentvergoldung am Mantelsaum. Das ist die edelste, handwerklich aufwändigste Technik der Blattvergoldung", erklärt Wenske. "Die Mondsichel, die unter dem Mantel hervorlugt, ist aber versilbert", ergänzt Jehmlich. Für die beiden erfahrenen Gemälderestauratoren, deren Atelier seit zwei Jahrzehnten besteht, sei das ein "großartiger Auftrag" zum Firmenjubiläum gewesen.

Die laut Gemeindearchiv um 1880 bei dem schlesischen Künstler Franz Thamm in Auftrag gegebene Figur ist vermutlich aus Lindenholz gefertigt. Der gelernte Schuster soll sich autodidaktisch zum Bildhauer qualifiziert und später mit seinen Söhnen in Landeck eine eigene Werkstatt betrieben haben, berichtet Kirchenchronist Michael Kindler. Die Madonna von St. Peter und Paul sei schon etwas Besonderes: "In Potsdam gibt es nicht so viele Mariendarstellungen. Die in der Kapelle des St. Josefs-Krankenhauses stammt aus den 30er Jahren und ist etwas ganz Anderes", sagt Kindler.

Auch für Gemeindemitglied Edeltraut Just wird dieser Sonntag ein Freudentag. "Was für schöne Farben! Schöner als ich sie in Erinnerung hatte", erzählt die Seniorin, die gestern Vormittag beim Aufstellen der Plastik dabei war. 1946 hatte die heute 74-Jährige als Kriegsflüchtling in Potsdam ein neues Zuhause und in St. Peter und Paul eine Glaubensheimat gefunden. "Damals war die Madonna noch farbig. Dann erhielt sie plötzlich über Nacht diesen grauen Anstrich", erinnert sich Edeltraut Just. Das geschah nach dem zweiten Vatikanischen Konzil in den 60er Jahren, bei dem es um die Anpassung der Kirche an die moderne Welt ging. "Man wollte hier wohl besonders progressiv sein", vermutet Propst Müller.

Fast fünfzig Jahre später sind die Spuren der Bilderstürmerei beseitigt und Details des Kunstwerks treten farblich wieder hervor wie die Mondsichel, auf der Maria steht, die Schlange mit dem Apfel im Maul. Sie weist auf das Protoevangelium, das vom "Marienleben" erzählt, sagt Propst Müller. Besonders interessant sei, dass die Schlange am Schwanz einen "Stachel" habe: "Wie ein Skorpion". Wenn heute unter der Maria die Krippe aufgebaut ist, sind diese Feinheiten am besten per Fern- oder Opernglass zu erkennen.

Märkische Allgemeine vom 19. Dezember 2013

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