Neuenhagener Kirche vom Ruß befreit

Neuenhagen (MOZ) Die direkten Spuren des großen Brandes, der vergangenen März die Neuenhagener Kirche schwer beschädigt hat, sind beseitigt. Sechs Wochen lang haben sechs Mitarbeiter Sanierungsfirma aus Niedersachsen per Hand den Ruß entfernt und Balken abgeschliffen.

Eingerüstet: Das Neuenhagener Gotteshaus ist von den Spuren des Brandes gereinigt worden. Die verkohlten Bretter der Winterkirche (im Bild rechts), in der das Feuer ausbrach, wurden herausgenommen.
© Sören Tetzlaff

"Wir haben alle Gebäudeoberflächen abgesaugt", berichtet Enrico Schadack, Vorarbeiter der Firma Artus Sanierungs GmbH aus Langenhagen bei Hannover. Der dichte Qualm, der bei der Brand entstand, hatte sich in Form von Ruß an Wänden und Mobiliar abgesetzt. Weil das Einatmen gesundheitsschädlich ist, konnte die Kirche nicht betreten werden. "Zur Minimierung der Schadstoffe mussten alle Flächen abgesaugt werden", sagt Enrico Schadack. "Wände und Boden haben wir im Handwischverfahren gereinigt", fügt er hinzu. Dies bedeutet nichts anderes, als dass die Mitarbeiter der Firma mit Putzlappen per Hand alles Stück für Stück säubern mussten. Die Arbeiten an den Wänden wurden immer wieder unterbrochen, damit die von der Denkmalschutzbehörde beauftragte Gutachterin Marlies Genßler Proben nehmen konnte.

Noch sei nicht klar, welche Farbfassung später die Wände erhalten, ergänzt Barbara Anders. Die Diplom-Ingenieurin für Architektur aus Croustillier betreut den Wiederaufbau der Kirche. Durch den Brand waren erst die früheren Verzierungen entdeckt worden, die vermutlich in den siebziger Jahren mit weißer Farbe übermalt worden waren. "Die alten Leute erinnern sich noch an eine Taube über dem Altar", berichtet Barbara Anders.

Auch die verkohlten Balken der Winterkirche wie auch die Deckenbalken der Kirche wurden von den Mitarbeitern der Langenhagener Firma abgeschliffen. "Den Staub haben wir immer wieder aufgesaugt", berichtet Enrico Schadack. Die Decke war mit Schellack gestrichen", so Barbara Anders. Die Decke soll ihre altes Aussehen wieder erhalten.

Der Lack war durch die Hitze auf die Kirchenbänke getropft und hatte sie beschädigt. Die Bänke wurden ausgebaut und stehen jetzt bei einem Zimmerer, der sie aufarbeiten soll. Die Denkmalschutzbehörde lege Wert darauf, dass nur die Teile der Bänke erneuert werden, die überhaupt nicht mehr zu retten sind, sagt Barbara Anders. Das Holz sei weniger durch den Brand als vielmehr durch Löschwasser und Schellack beschädigt. Jetzt sei aber ein Verfahren gefunden worden, um den Lack entfernen zu können.

Die verrußten Bretter aus der Winterkirche, in der das Feuer ausgebrochen war, seien inzwischen entfernt worden, berichtet die Diplom-Ingenieurin. Sie müssen von einem Zimmerer ersetzt werden. Lediglich tragende Balken blieben drin. Sie müssen dann direkt den Handwerkern Zimmerern ausgetauscht oder repariert werden. Die Orgel von Paul Bütow aus dem Jahr 1902, die 2011 nach fünf Jahren Bauzeit erstmals wieder bespielt wurde, ist durch den Brand schwer beschädigt worden. Metallene Pfeifen waren durch die große Hitzewirkung abgeknickt. Das Instrument wurde herausgenommen. Das Gehäuse müsse jedoch stehenbleiben, da es aus verleimten Hölzern besteht, sagt Barbara Anders.

Jetzt sei die Baugenehmigung für das Dach beantragt worden, berichtet die Baubetreuerin. Doch das Bauordnungsamt des Landkreises habe bereits signalisiert, dass aus personellen Gründen nicht von März 2014 mit einer Entscheidung zu rechnen sei. Sämtliche Arbeiten in dem Gotteshaus müssen mit dem Denkmalschutz Schritt für Schritt angestimmt worden.

In der Winterkirche war im März 2014 aus ungeklärter Ursache ein Feuer ausgebrochen, das sich bis ins Dach der Kirche durchgefressen hatte. Um Glutnester zu löschen, musste die Feuerwehr von oben das Dach öffnen. Die Löcher sind nun mit Planen abgedichtet. Wie lange die Sanierungsarbeiten laufen, steht noch nicht fest.

Märkische Oderzeitung vom 20. Dezember 2013

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