Döbberins Orgel ist wieder spielbar

Döbberin (MOZ) Heiligabend kann sie erstmals nach Jahrzehnten wieder erklingen - die alte Sauer-Orgel in der Döbberiner Kirche. Orgelbauer Gunnar Schmid hat in den vergangenen Tagen drei Register eingebaut und das Instrument damit spielbar gemacht. Ermöglicht haben das auch viele private Spender.

Eine Pfeife aus dem Subbass: Orgelbaumeister Gunnar Schmid (l.) zeigt Ralf Tomczik aus der Initiativgruppe Orgel des Döbberiner Heimat- und Kulturvereins eine der Pfeifen aus Kiefernholz im hinteren Teil der Sauer-Orgel in der Döbberiner Dorfkirche.
© Johann Müller

"Ich hab' sie spielen gehört. Bei der Stimmprobe. Es klingt wunderbar", sagt Ralf Tomczik. Seine Augen strahlen. Für den Döbberiner und seine Mitstreiter in der Initiativgruppe "Orgel" des örtlichen Heimat- und Kulturvereins geht ein Traum in Erfüllung: Am Heiligabend wird die alte Sauer-Orgel in der Dorfkirche wieder erklingen. Es ist Jahrzehnte her, als sie letztmals gespielt wurde.

Die 22 000 Euro, die die Döbberiner Orgel-Retter bislang zusammentragen konnten, ermöglichen vorerst einen Etappensieg: Sie haben für die Restaurierung von drei der acht Register der besonderen Sauer-Orgel gereicht: Sie gilt als das älteste fast original erhaltene Instrument des Gründers der berühmten Frankfurter Orgelwerkstatt, Wilhelm Sauer. Die Orgel Opus 235 ist vermutlich 1875 gebaut worden.

Seit dem 9. Dezember hat Orgelbaumeister Gunnar Schmid die Register und das Pedal mit insgesamt 135 Pfeifen sowie das neue elektrische Gebläse eingebaut. Komplett wäre die Orgel mit 438 Pfeifen. Die ersten 135 Pfeifen sind in der Sieversdorfer Orgelwerkstatt von Christian Scheffler, deren Mitarbeiter Meister Schmid ist, in den vergangenen Monaten gesäubert und restauriert worden.

Waren das die ursprünglichen Pfeifen der alten Sauer-Orgel? "Zumindest nicht alle", sagt Gunnar Schmid und weist auf die großen Prospektpfeifen. "Die originalen Pfeifen waren aus Zinn. Diesen Pfeifen ist dasselbe Schicksal zuteil geworden wie in vielen anderen Dorfkirchen der Region: Sie sind im Ersten Weltkrieg eingeschmolzen und später durch Zink-Pfeifen ersetzt worden", erklärt der Orgelbaumeister. Drei der 32 Prospektpfeifen seien sogar noch jünger, hat Schmid festgestellt. Ihnen fehlt der aufgelötete Aufsatz, den die Experten "Labium" nennen. "Vielleicht ist da zum Kriegsende ein Geschoss durchgeflogen?", vermutet der Orgelbauer. Die drei Pfeifen seien wohl nach dem Zweiten Weltkrieg eingesetzt worden, denkt er.

Die Pfeifen des hinteren Registers, des Subbass, sind aus Holz. Und waren, wie auch das Gehäuse, die Windlade, Kanäle und andere Holzelemente "stark vom Holzwurm geschädigt", wie Schmid berichtet. Einige Teile mussten die Orgelbauer ersetzen.

Ralf Tomczik ist optimistisch, dass die Restaurierung des gesamten königlichen Instrumentes, die noch einmal 22 000 Euro kosten soll, Stück für Stück gelingen wird. "Wir haben schon sechs Orgelpaten gefunden, die insgesamt 3880 Euro gespendet haben", so der Döbberiner. Darunter sei eine in London lebende Kinderärztin, die in Döbberin aufgewachsen ist. 2000 Euro haben die Döbberiner von der Stiftung "Orgelklang" erhalten, die sich für die Restaurierung von Orgeln in Dorfkirchen engagiert. Das Benefizkonzert am vorigen Sonnabend in der Kirche erbrachte 418 Euro.

Am Heiligabend spielt Kreiskantorin Anja Liske-Moritz die Döbberiner Orgel im 15.30 Uhr beginnenden Gottesdienst.

Märkische Oderzeitung vom 20. Dezember 2013

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