Kirche überwintert unter der Folie

Birkholz (MOZ) Die Sanierung der Dorfkirche Birkholz gestaltet sich schwieriger als erwartet. Grund ist der (inzwischen behobene) schlechte Zustand des Fachwerks. Freude bereiten der Kirchengemeinde indes die finanziellen Hilfen aus verschiedenen Quellen.

Baubesprechung auf dem Gerüst: Die Birkholzer Dorfkirche ist komplett eingerüstet. Das Gotteshaus aus dem 18. Jahrhundert wird derzeit umfassend saniert. Nach Abschluss der Arbeiten können die beiden Glocken im Turm elektrisch geläutet werden.
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Finanzspritze: Marion Begbie von der Volks- und Raiffeisenbank Oder-Spree übergibt Pfarrer Gerd Linden (l.) und dem Kirchenältesten Tom Fischer einen Scheck.
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In und an der Dorfkirche Birkholz kann man dieser Tage alte Handwerkstechniken besichtigen. Zimmerleute wechseln Balken des Dachstuhls aus. Der Turm musste beinahe komplett wiederaufgebaut werden - ebenfalls in uralter Zimmermanns-Technik. Für den Einbau des Läutwerk ist eine von nur sechs in Deutschland tätigen Spezialfirmen beauftragt worden.

Die Kirche war in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts erbaut worden. Zu DDR-Zeiten wurden die alten Dachziegel durch Betonziegel ersetzt. Diese waren über die Jahre jedoch undicht geworden. Dadurch wurde das Fachwerk des Dachstuhl feucht und morsch. "Der Turm begann sich bereits zu neigen und drohte in das Kirchenschiff zu fallen", erläutert Pfarrer Gerd Linden, der bereits über reichlich Sanierungserfahrung verfügt. In seinem Pfarrsprengel wurden unter anderem an den Kirchen von Glienicke, Herzberg, Lindenberg und Buckow Sanierungsarbeiten durchgeführt. Im Zuge der Sanierung mussten die meisten Balkenköpfe ausgetauscht und die Deckenbalken an der Auflagekante des Dachstuhls angeschuht werden. Mit den Bauarbeiten ist das Ingenieurbüro für Baustatik und Sanierungsplanung (IBS) aus Hoppegarten beauftragt worden.

Für die Sanierung der Dorfkirche hat die Kirchengemeinde 230 000 Euro organisiert. Unterstützung gibt es vom Land Brandenburg, das über den Staatskirchenvertrag 85 000 Euro beisteuert. Die Stiftung KiBa hat 10 000 Euro zugesichert. Weitere finanzielle Hilfen gibt es von der Landeskirche und vom Kirchenkreis, der Landkreis hat 4500 Euro beigesteuert. Die Gemeinde selbst hat alle ihre Rücklagen für die Sanierung der Dorfkirche verwendet, insgesamt 60 000 Euro. "Die Birkholzer Bürger haben 15 000 Euro gespendet", freut sich der Kirchenälteste Tom Fischer, einer der Motoren der Sanierung vor Ort. Auch Pfarrer Linden freut sich, dass so viele verschiede Finanzquellen erschlossen werden konnten: "Das macht richtig optimistisch für künftige Aufgaben." Als ein künftiges Sanierungsobjekt nannte er die Herzberger Kirche.

Am Dienstag haben die VR-Stiftung der Volksbanken und Raiffeisenbanken Norddeutschland und die Volks- und Raiffeisenbank Oder-Spree einen Scheck über 7460 Euro übergeben. Mit dem Geld soll der Einbau eines elektrifizierten Läutwerks unterstützt werden. Bisher mussten die Kirchenglocken in Birkholz per Hand zum Schwingen gebracht werden. Den Einbau der Läutanlage erledigt die Firma Walter Glockenläuteanlagen und Turmbau in Luckau-Uckro.

Wegen der Bauarbeiten wird der Gottesdienst an Heiligabend in der Bornower Kirche durchgeführt. Über den Winter wird das Dach des Gotteshauses mit einer Folie gegen Witterungseinflüsse geschützt. "Man kann jetzt im Winter keinen Dachdecker da hinauf schicken", nimmt Linden auf die Gesundheit der Bauleute Rücksicht. Im Frühjahr werden nach der bisherigen Planung die Giebelgefache aufgemauert, das Dach mit denkmalgerechten Biberschwänzen eingedeckt und Malerarbeiten erledigt. Während bisher die Fachwerkbalken im Innenraum der Kirche unter dem Putz verborgen waren, werden sie künftig sichtbar sein: "Es ist gelungen, die Isolierung auf der Oberseite der Balken anzubringen", berichtet Bauleiter Ronny Behrend von der Firma IBS. Pfarrer Linden hofft, das Gotteshaus zu Ostern, spätestens jedoch an Pfingsten wiederzueröffnen.

Märkische Oderzeitung vom 21. Dezember 2013

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