Spenden für vergessene Kunstwerke

PRENZLAU Auf dem Arm hält die Marienstatue das Christuskind. Doch der weihnachtliche Anblick in der Dorfkirche von Dedelow bei Prenzlau hat einige Schönheitsfehler: Im Heiligenschein der Madonna sind Risse, von der Skulptur blättert die Farbe ab.

Die Marienstatue braucht eine Schönheitskur.

Restaurierungsarbeiten wären dringend nötig. So wie auch der Deckel des Taufbeckens oder die Kanzel dringend die helfenden Hände der Fachleute benötigten.

Denn auch wenn die meisten der rund 1400 Brandenburger Kirchen nicht mehr vom Verfall bedroht sind: In den Gotteshäusern sieht es häufig noch sehr trist aus. "Vergessene Kunstwerke" heißt die Aktion, die das ändern soll.

Zum zweiten Mal sammeln der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg, die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (Ekbo), das Landesdenkmalamt und die Stiftung kirchliches Kulturerbe unter diesem Motto Spenden für bedrohte Kunstschätze in märkischen Kirchen. Im vergangenen Jahr kamen dabei rund 6000 Euro für die Dorfkirche in Laubst (Spree-Neiße) zusammen. In den Jahren zuvor hatten Kampagnen zur Rettung märkischer Taufengel mehr als 70 000 Euro Spendeneinnahmen erbracht, mit deren Hilfe rund 30 Engel gerettet werden konnten.

Zu den Unterstützern der Spendenkampagne zählt auch Brandenburgs Kultusministerin Sabine Kunst (parteilos): "Die zahlreichen Kirchgebäude im Land sind besonders wertvolle Zeugnisse von Kultur, Geschichte und religiöser Tradition", sagte Kunst kürzlich in Potsdam. "Die Restaurierung dieser Bauwerke stärkt regionale Identität und macht sie zugleich ansprechender für Gläubige, aber auch Besucherinnen und Besucher." Rund 1,5 Millionen Euro stellt das Land Brandenburg deswegen jährlich für Bauvorhaben der evangelischen Kirche zur Verfügung. Zum Beispiel auch am heutigen Heiligabend, an dem die Kirchen so voll sind wie an keinem anderen Tag im Jahr. Was auch ein Teil des Problems ist, vor dem die Kirchen stehen. Weil im Land nur noch gut 20 Prozent der Bevölkerung der Evangelischen Kirche angehören, reicht das Geld nicht mehr zum Erhalt der 60 000 Kunst- und Kulturgegenstände, die in einer Zeit beschafft wurden, als noch fast jeder Brandenburger evangelisch war.

"Wir können das nicht allein stemmen", sagt die Pröpstin der Ekbo, Friederike von Kirchbach. Eine große Hilfe ist dabei der "Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg", der in den letzten 20 Jahren mehr als eine Million Euro für die Sanierung alter Gotteshäuser eingeworben hat. "Nachdem nun zahlreiche Gebäude gesichert und instandgesetzt worden sind, ist es nun Zeit, an die Ausstattung zu denken", sagt dessen Geschäftsführer Bernd Janowski. Denn auch die schönste restaurierte Kirche nutzt am Ende niemandem, wenn sie innen kahl und leer ist.

Benjamin Lassiwe

Lausitzer Rundschau vom 24. Dezember 2013

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