Neue, alte Glocken für Milower Kirche

Zwei 350 Jahre alte Glocken repariert

Augenblicke wie diese sind selten. Deshalb sollten die knapp 30 Mitglieder der Evangelischen Kirchengemeinde Milow, die gestern dabei waren, möglichst oft davon erzählen, wie sie die beiden Vieritzer Glocken nach ihrer Reparatur in Bayern wieder in Empfang genommen haben.

Zwei 350 Jahre alte Glocken nach ihrer Reparatur wieder in Vieritz begrüßt und in den Turm gehievt.
Quelle: MAZ

Der Ort verfügt über das älteste und schönste Dreiergeläut im ganzen Westhavelland und vermutlich auch weit darüber hinaus. Die drei über 350 Jahre alten Schwestern sind nun wieder vereint. Die zwei kleineren Glocken, von 1650 und 1655, 320 und 780 Kilogramm schwer, sind wieder da: Und sie sehen so toll aus, als wären sie neu. Nach den Reparaturen haben die Fachleute in Bayern sie auch gereinigt. Deshalb ist die Patina ab und die Bronze leuchtet wie am ersten Tag.

Angesichts der außergewöhnlichen Gelegenheit forderte Pfarrer Christoph Seydich die Umstehenden in seiner Andacht ausdrücklich dazu auf, die Glocken genau zu betrachten und gern auch anzufassen. Sonst befänden sie sich immer nur oben im Glockenstuhl. Sie seien natürlich von Zeit zu Zeit weithin zu hören, aber für die meisten Menschen niemals zu sehen. Nun angefasst haben die Glocken gestern trotzdem nur wenige. Zu wunderbar und Ehrfurcht gebietend standen sie da und nach nicht einmal einer Stunde waren sie schon nach oben in den Turm empor gehoben und den Blicken entschwunden.

Bei der größeren Glocke hatte der Klöppel im Laufe der Jahrhunderte das Innere zu sehr ausgeschlagen. Dort wurden zwei neue Bronzestücke eingeschweißt und angepasst. Bei der kleineren Glocke ist ein angebrochenes Stück der Krone erneuert worden und es wurde ein Riss zugeschweißt, der vermutlich durch unsachgemäßes Abseilen im Zweiten Weltkrieg entstand. Glücklicherweise sind die drei alten Glocken niemals für Kriegszwecke eingeschmolzen worden. Seit etwa zehn Jahren waren die drei Vieritzer Schwestern nicht mehr geläutet worden. Durch den Riss hatte die kleine Glocke zu "klingeln" begonnen.

Vor dem Hochziehen gestern durfte Pfarrer Christoph Seydich jede Glocke dreimal mit dem Klöppel anschlagen. Unvergleichlicher Klang. Am Ostersonntag, dem 20. April, so verriet er, werden zum Gottesdienst um 10.30 Uhr die drei Glocken erstmals wieder geläutet. Gut eine Woche werden jetzt noch die Mitarbeiter der Firma "Glocken & Turmuhren Christian Beck " aus Thüringen zu tun haben. Mit Flaschenzügen werden die Glocken nun Stück für Stück an die richtigen Stellen im Glockenstuhl gerückt. Dann muss das elektrische Geläut eingestellt werden.

Stattliche 24.500 Euro wird die Kirchengemeinde für die Reparatur berappen müssen. Durch Spenden sind mittlerweile über 4000 Euro zusammengekommen. Was fehlt, wird aus der Baurücklage der Gemeinde entnommen.

Von Bernd Geske

Märkische Allgemeine vom 21. Januar 2014

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