Ist sie klobig oder ihrer Geschichte angemessen?

Zoff um die Fassade der Ahlsdorfer Kirche / Sonntag Gesprächsrunde

AHLSDORF Seit Ende des vergangenen Jahres die Baugerüste an der Ahlsdorfer Kirche demontiert wurden, stört nichts mehr den Blick auf die neue Hülle des Gotteshauses. An der frisch gestrichenen Fassade reiben sich seitdem die Gemüter, denn sie gefällt nicht jedermann. Und auch bei geplanten Arbeiten im Inneren der kleinen Dorfkirche gehen die Meinungen auseinander. Dort werden scheinbar die Lampen zum Streitobjekt.

Die Fassade der Ahlsdorfer Kirche zeigt sich nach der Fertigstellung der Sanierung der äußeren Hülle in einer einheitlichen Farbgebung. Warum sie so und nicht anders aussieht, das soll in einem Vortrag am Sonntag erläutert werden.
Foto: Dieter Müller/dmu1

Die Bauarbeiten an und in der Ahlsdorfer Kirche gehen in die Endphase. Gegenwärtig konzentriert sich die Sanierung, an der nun schon das dritte Jahr gearbeitet wird, auf die nötigen Arbeiten im Innenraum des Gotteshauses. Momentan wird der Stuck an der Decke repariert. "Wir liegen etwa drei Wochen im Zeitplan zurück, die Deckenarbeiten haben länger gedauert, als geplant", schätzt Kai Misera, der für die Sanierung zuständige Planer vom Herzberger Architekturbüro Angelis & Partner, ein. Ob Pfingsten schon in der Kirche Konfirmation gefeiert werden kann, wie Pfarrer Volkmar Homa es sich wünschen würde, bleibt abzuwarten. "Wir arbeiten dran", verspricht der Planer.

Informationsbedarf im Dorf

Nicht mehr abwarten wollen die Ahlsdorfer aber in einer anderen Sache: Sie wünschen sich fachkundige Erläuterungen zur Bilanz und zum Ausblick der Kirchensanierung. Der Gesprächs- und Informationsbedarf hat sich aufgezeigt, nachdem die Baugerüste gefallen waren und die Fassade komplett sichtbar wurde. Die einheitliche Farbe lasse die Kirche "klobig" erscheinen, hört man seitdem Kritik. Hans Werner Unger gehört zu jenen Ahlsdorfern, die sie vertreten. Er ärgert sich: "Die Kommunikation muss besser werden. Man hätte früher argumentativ zusammenkommen müssen", sagt er und meint damit Kirchengemeinde, Architekturbüro und Vertreter des Denkmalschutzes.

Um Diskrepanzen in der Kommunikation auszuräumen, hat Unger gemeinsam mit der Interessengemeinschaft Kranichgrund für Sonntagnachmittag eine Gesprächsrunde organisiert, zu der Gerd Günther von der Unteren Denkmalbehörde des Landkreises Elbe-Elster erwartet wird. Der stört sich keineswegs daran, nach Ahlsdorf zitiert worden zu sein, um das Vorgehen zu erklären. Im Gegenteil: "Ich finde es nicht schlecht, dass das Interesse der Öffentlichkeit so groß ist", sagt der Fachmann.

Das Konzept für seinen Vortrag hat er schon fertig. Zur Einführung soll es ein paar erklärende Worte zur baulichen Entwicklung von Kirchen und natürlich zu speziellen Details des Ahlsdorfer Gotteshauses außen und innen geben. Er wolle vor allem deutlich machen, so Günther, dass Kirchensanierungen nicht aus dem Bauch heraus und emotionsbeladen vorangetrieben werden, sondern nach rein fachlichen Grundsätzen und aufgefundenen historischen Hinterlassenschaften.

"Da werden umfangreiche Voruntersuchungen ausgeführt, auf deren Basis dann weitergearbeitet wird", erläutert er. Auch im Fall der Ahlsdorfer Kirche sei man nicht anders vorgegangen und "gemeinsam mit Kirchengemeinde, Architekten und anderen Partnern zu dieser Farbgebung gelangt", die nun die Fassade prägt. "Dass man persönlich vielleicht einen anderen Geschmack hat, das ist unbenommen", zeigt er Verständnis für Kritik am Ergebnis.

Überzeugungsarbeit nötig

Er weiß, dass bei der Sanierung des Innenraums ebenfalls noch Überzeugungsarbeit nötig sein wird. Dort zeigen sich in Sachen Lampen Diskrepanzen. "Die Gemeinde muss sagen, was in der Kirche passieren soll, welche Veranstaltungen sie darin anbieten will. Davon ausgehend wird dann ein Beleuchtungskonzept erstellt", erläutert Gerd Günther. Und weiter: "Ich freue mich auf die Diskussion. Solange sie sachlich geführt wird, kann sie nur positiv bewertet werden." Dem schließt sich auch Hans Werner Unger an, der am Sonntagnachmittag auf viele Gäste bei der Gesprächsrunde im Gemeindehaus hofft.

Sylvia Kunze

Lausitzer Rundschau vom 20. Februar 2014

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