Dreifaltigkeitskirche von Juni bis Weihnachten gesperrt

Zossener Kirche mit Insektizid belastet

Der Innenraum der Zossener Dreifaltigkeitskirche ist mit dem Insektizid DDT belastet. Sie muss deswegen mehrere Monate gesperrt werden. Für die Besucher besteht keine Gesundheitsgefahr. Sie sollten aber auf bestimmte Dinge achten.

Zossen. Die Dreifaltigkeitskirche auf dem Zossener Kirchplatz muss wegen starker Belastung mit dem Holzschutzmittel Dichlordiphenyltrichlorethan (DDT) im Innenraum saniert werden. Die Kirche wird voraussichtlich ab Juni gesperrt. Die Hiobsbotschaft ereilte Superintendentin Katharina Furian im Januar im Zuge der Planung einer Innenraumsanierung der Kirche und ist seit Montag im neuen Gemeindebrief des evangelischen Kirchenkreises nachzulesen. Darin heißt es, dass Gutachter "beträchtliche Schadstoffrückstände durch Holzschutzmittel festgestellt" haben. "Die Kirche gilt als hoch belastet. Deshalb sollten Kirchenbesucher in ihrem eigenen Interesse nach einem Besuch der Kirche ihre Hände gründlich reinigen", teilt die Kirchengemeinde mit.

Gefahren des Insektizids DDT

Das Insektizid Dichlordiphenyltrichlorethan (DDT) wurde im 20. Jahrhundert auf Feldern, in der Forstwirtschaft, sowie als Holzschutzmittel in Gebäuden, insbesondere Dachstühlen, in beiden deutschen Staaten intensiv eingesetzt.
Das Nervengift steht unter dem Verdacht, Krebs und Alzheimer auszulösen und das Immunsystem zu schädigen. Es kann in hohen Konzentrationen zu Lähmungen führen, in geringen Dosen zu Schwindel und Unruhe.
Die Bundesrepublik verbot DDT 1977, in Ostdeutschland durfte es bis 1991 eingesetzt werden. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt DDT weiterhin im Kampf gegen Malaria.

Es wird aber auch ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die gesetzlichen Grenzwerte für Wohn- und Arbeitsräume gelten, in denen man sich bedeutend länger aufhalte. Den Aufenthalt für die Dauer eines Gottesdienstes oder Konzertes hält die Gemeinde daher für unbedenklich. Superintendentin Furian sagte der MAZ, dass geplante Veranstaltungen nicht beeinträchtigt seien und man die Kirche bis zur Konfirmation Ende Mai nutzen wolle.

Anschließend sollen seit 2013 geplante Sanierungsmaßnahmen durchgeführt werden, die vor allem den Boden, die Elektrik und die Schieferdeckung des Turms betreffen. Diese mit Kosten von mindestens einer halben Million Euro kalkulierten Maßnahmen müssen vor der abschließenden DDT-Sanierung stattfinden, welche die Sanierungskosten wiederum um mindestens 225.000 Euro erhöhen werde. Während man für die ursprünglichen Sanierungsmaßnahmen laut Furian "eine vage Aussicht" auf Unterstützung durch die Landeskirche habe, sind die nun erwarteten Mehrkosten ungedeckt. "Wir sind dringend auf Unterstützung angewiesen", sagte Furian. Trotz Geldmangels und engem Zeitplan hofft sie darauf, dass die Kirche zu Weihnachten wieder zur Verfügung steht, "sonst sind wir ratlos".

Die gesamte Innenausstattung der barocken Kirche vom Altar über die Kanzel, den Boden und die Bänke, die Treppen und die Orgel, bis hin zum Dachstuhl aus dem 19.Jahrhundert besteht aus Holz. Laut der Superintendentin wurde irgendwann in den 1970er oder frühen 1980er Jahren das Holzschutzmittel im Innenraum versprüht, wie es in Ostdeutschland lange Zeit üblich war.

Von Peter Degener

Märkische Allgemeine vom 03. März 2014

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