Neue Glocken treffen in Zepernick ein

Zepernick (MOZ) Die beiden neuen Glocken für die Sankt-Annen-Kirche sind in Zepernick eingetroffen. Bevor sie in dem Glockenturm aufgezogen werden, können sie in den nächsten Wochen von allen Interessierten noch besichtigt werden.

Ankunft in Zepernick: 214 Kilogramm wiegt die kleinste der drei Bronzeglocken, die ab Ostern viele hundert Jahre gemeinsam erklingen sollen.
© Saskia Krumbholz

Die beiden neuen Bronzeglocken ersetzen zwei Klangstahlglocken, die 1929 ihrerseits als Ersatz für die zwei zur Munitionsherstellung im Ersten Weltkrieg eingeschmolzenen Glocken dienten. Den Stahlglocken war eine Lebensdauer von rund 50 Jahren prognostiziert worden, sodass der Gemeindekirchenrat beschloss, die neuen Glocken gießen zu lassen. Den Auftrag erhielt Horst Bittner aus Neuenhagen, ein ausgewiesener Experte für Glocken, Turmuhren und Läutemaschinen. Gegossen wurden sie von der Glocken- und Kunstguss-Manufaktur Petit & Gebrüder Edelbrock in Gescher (Nordrhein-Westfalen). Nach ihrer endgültigen Fertigstellung in Neuenhagen trafen sie jetzt in Zepernick ein.

Die kleinste Glocke, die immerhin 214 Kilogramm wiegt und einen Durchmesser von exakt 70,9 Zentimeter misst, wurde aus dem Fahrzeug über eine Rampe in die Kirche gerollt. Wenn sie erklingt, hören die Menschen ein zweigestrichenes Cis etwa 108 Sekunden lang, teilt die Kirchengemeinde mit. Am unteren Rand steht der Glockenspruch: "Meine Zeit steht in deinen Händen" (Psalm 31,16).

Anschließend wurde die mittlere Glocke aus dem Kleinbus geholt. Vorsichtig wurden die 460 Kilogramm über die Fliesen transportiert. Sie hat einen Durchmesser von 90,4 Zentimeter. Mit ihrem Glockenschlag erklingt der Kammerton, das eingestrichene A, ganze 126 Sekunden lang. Ihr Glockenspruch ist der Anfang des Liedes "Verleih uns Frieden gnädiglich" (evangelisches Gesangbuch Nr. 421). Die Glockensprüche sind von der Gemeinde unter mehreren Vorschlägen ausgewählt worden.

Im Glockenstuhl hängt noch eine einzige Glocke aus dem Jahre 1652. Sie ist die größte mit ihren etwa 850 Kilogramm und einem Durchmesser von 105,2 Zentimetern. Ihr Ton ist der tiefste der drei Glocken: das eingestrichene Fis. "Soli Deo Gloria" (Gott allein sei Ehre) steht auf der Glocke.

Von den beiden Stahlklangglocken wird die mittlere in Zepernick bleiben. Dort wird sie vor dem Kirchenportal auch in Zukunft zu sehen sein, wie Pfarrer Gerd Natho sagt. Die kleinere soll weiterhin ihren Dienst versehen, und zwar im Elisabeth-Hospital in Berlin, das über einen Glockenturm verfügt.

Grund für den Erhalt der Glocken sind ihre Aufschriften, rufen sie doch die Ereignisse des Ersten Weltkriegs in Erinnerung. So mahnt die kleinere Glocke zum Frieden: "Singt dem Herrn ein neues Lied - verstummt in Kriegesnot 1917 ruf ich aufs neue zu Gott 1929". Auf der mittleren Glocke ist zu lesen "Alles Ding hat seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit - geopfert für Deutschlands Wehr 1917, wieder erstanden zu Gottes Ehr 1929".

Dass die Glocken im Jahr 2014 und damit hundert Jahre nach dem Beginn des Ersten Weltkriegs, in dem ihre Vorgänger konfisziert wurden, erneuert werden, sei zwar symbolträchtig, aber nicht beabsichtigt gewesen, so Pfarrer Natho.

Gemeinsam läuten sollten alle drei Bronzeglocken das erste Mal in der Osternacht vom 19. zum 20. April. Am Ostersonntag werden sie mit einem Glockenfest offiziell in den Dienst gestellt.

Märkische Oderzeitung vom 06. März 2014

   Zur Artikelübersicht