Lambertus-Kirche in Brück bekommt vierten Bronzeguss in den Turm

Verkaufte Glocke doch verschenkt

Zu den drei rostigen Glocken in der Lambertus-Kirche in Brück soll nun eine intakte, 80 Kilo schwere Glocke hinzu kommen. Den Bronzeguss haben Gemeindearbeiter Michael Griess und Zimmermann Guido Siemoneit aus Reetz in diesen Tagen aus der am Elm gelegenen Gemeinde Cremlingen (Niedersachsen) geholt.

Guido Siemoneit (l.) und Michael Griess mit der Glocke.
Quelle: privat

Brück. Im Turm der Lambertus-Kirche werden demnächst nicht nur drei rostige Glocken, sondern auch eine zusätzliche, intakte Glocke hängen. Den 80 Kilo schweren Bronzeguss haben Gemeindearbeiter Michael Griess und Zimmermann Guido Siemoneit aus Reetz in diesen Tagen aus der am Elm gelegenen Gemeinde Cremlingen (Niedersachsen) geholt. Die 1953 gegossene Glocke samt Steuerung und Läuteanlage ist ein Geschenk der katholischen Heilig-Kreuz-Gemeinde in Veltheim.

Zu dieser Pfarrei gehört die St.-Theresia-Kirche in Cremlingen, die entweiht worden ist. Die letzte Heilige Messe fand dort Mitte Februar statt. "Damit geht eine mehr als 60-jährige Tradition katholischen Glaubenslebens in der Ortschaft Cremlingen zu Ende", bedauerte der polnische Pfarrer der Gemeinde, Piotr Winturski. Das Kirchengebäude ist inzwischen verkauft. Da das katholische Recht verlangt, dass alle sakralen Gegenstände nach der Säkularisierung entfernt werden müssen, war auch für das Geläut eine weitere Verwendung zu finden. Da erinnerten sich die niedersächsischen Gläubigen an die Brücker Glockensuch-Aktivitäten. "Sie hörten auf verschlungenen Wegen, dass unsere Glocken über kurz oder lang zu drei Rosthaufen zerfallen", erzählt Pfarrer Helmut Kautz. Theda von Wedel und Joachim Killus waren an der geknüpften Verbindung beteiligt, weil die Trebitzer Kirchendacherneuerung und Brücks uralte "Jesus ruft!"-Glocke in einem Zusammenhang gebracht wurden. "Ich bekam eine Mail mit dem Glockenangebot", berichtet Kautz.

Ursprünglich waren 250 Euro als Kaufpreis vereinbart worden. "Unsere Leute müssen wohl einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben, als die Glocke demontiert wurde", meint Kautz. Denn wenig später erklärten die niedersächsischen Katholiken, dass sie den Bronzeguss in guten Händen sehen und ihn deshalb verschenken wollen. Zu dem Zeitpunkt war die finanzielle Transaktion längst erledigt, so dass eine weitere von West nach Ost vonnöten war.

Pfarrer Helmut Kautz überlegt jetzt, ob der im vorigen Jahr von Dietmar Biniok auf einem Feld in den Gänsematten gefundene Klöppel einer Schulglocke aus der Rottstocker Kirche (MAZ berichtete) zu der geschenkten Glocke passt und eingefügt werden könnte. Des Weiteren könne sich Kautz zum anderen vorstellen, die neue Bronzeglocke nach dem legendären Pastor Michael Stifel zu benennen. Dem Wirken des Mathematikers und Brücker Pfarrers Stifel ist im September ein Symposium gewidmet.

Von Andreas Koska

Märkische Allgemeine vom 07. März 2014

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