Auf BUGA-Kirchenwegen von Dom zu Dom

Potsdam (MOZ) Havelregion. (tob) "Von Dom zu Dom" lautet das Motto der 2015 startenden Bundesgartenschau. Sie eröffnet viele neue touristische Pfade für die Region. Seit einer Woche existieren die Kirchenwege, welche "von Dom zu Dom", von Havelberg bis nach Brandenburg, 85 Gotteshäuser auf verschiedenste Weise verbinden. Auf einer von den Machern organisierten Pressefahrt absolvierte auch BRAWO eine Tagestour.

Von Plaue über Rathenow, nach Ferchesar und Buckow bis nach Brandenburg an der Havel führt unser Pilgerweg uns zu fünf sehr unterschiedlichen Gotteshäusern. Am morgen starten wir gemeinsam mit einer erlesenen Pressepilger-Schar am Brandenburger Hauptbahnhof mit dem Bus bei bestem Wetter und ebensolcher Laune. Dabei führt uns der erste Abschnitt in rund 20 Minuten vorbei am blassblauen Plauer See ins benachbarte Plaue, einem Ortsteil der Stadt Brandenburg. Dort empfängt uns bereits ein kundiges Gemeindemitglied, das uns detailliert und kenntnisreich in spannende Hintergründe zur Dorfkirche einweiht.

So erfahren wir beispielsweise, dass der spätromanische Bau vermutlich bereits auf das Jahr 1240 zurückgeht. Davon ist allerdings nicht mehr besonders viel zu sehen, denn die verschiedenen Umbauphasen haben das Aussehen der Kirche drastisch verändert. Eine kunsthistorisch bedeutsame Ausnahme stellen die beeindruckend detaillierten und farblich noch sehr gut erhaltenen Wandmalereien dar, die erst bei Restaurierungsarbeiten in den 80er Jahren wieder entdeckt wurden. Sie stammen aus dem frühen 15. Jahrhundert. Auch die Luther-Büste aus dem Jahr 1817 in der Mitte des Kirchenschiffs ist etwas ganz Besonderes. Vor allem deswegen, weil sie vermutlich die älteste figürliche Darstellung des Reformators ist. Da unser Zeitplan recht straff ist, müssen wir uns leider wieder auf die Weiterfahrt begeben, anstatt im wildromantischen Schlosspark in der Nähe zu flanieren.

Pfarrer Andreas Buchholz vor dem Marienaltar in der Sankt-Marien-Andreas-Kirche in Rathenow.
© Tobias Nandelstädt

Bis zum nächsten Reiseziel, die St.-Marien-Andreas-Kirche in Rathenow, dauert es in bequemem Bustempo etwas weniger als eine Dreiviertelstunde. Fasziniert beobachten wir auf der Fahrt über die Dörfer eine Vielzahl an Vogelarten an den Wegesrändern. Vor allem die früh aus dem Süden zurückgekehrten Gänse und Reiher fühlen sich auch in diesem Teil des Naturparks Westhavelland wohl.

"Willkommen auf dem Kirchplatz am Kirchberg", schmunzelt Pfarrer Andreas Buchholz beim Empfang der Gruppe. Damit spielt er auf den nur wenige Meter erhöhten Standort der Kirche St.-Marien-Andreas an, wo er seit knapp 15 Jahren die Gottesdienste leitet. Besonders stolz ist Buchholz darauf, dass es die örtliche Gemeinde entgegen allen Prognosen oder Befürchtungen geschafft hat, die nach dem Zweiten Weltkrieg stark zerstörte Kirche wieder aufzubauen - auch wenn es noch unzählige kostspielige wie aufwändige weiterführende Renovierungsarbeiten geben wird. Erst in den letzten Tagen des Krieges brannte der Turm durch eine Brandbombe vollständig nieder, und kaum jemand hätte mit einem raschen Wiederaufbau der ruinösen Kirche gerechnet. Dieser begann erst nach 1996, dem Gründungsjahr des Förderkreises zum Wiederaufbau, dem Heinz-Walter Knackmuß seither vorsteht.

Ein Höhepunkt beim Rundgang sind neben dem beeindruckenden Marienaltar aus dem Jahr 1360 die im Jahr 2000 erneuerten Kirchenfenster. Das zentrale Fenster, so Pfarrer Buchholz, zeigt nämlich keinen gekreuzigten, sondern einen auferstandenen Jesus mit emporgehobenen Armen. "Du sollst nicht kleingemacht werden in einer Kirche, Du sollst emporgehoben werden", betont der Geistliche diese besondere Bedeutung. Auch die Symbolik des Fensters ist einzigartig, denn neben christlichen Motiven beleuchten ein Halbmond (für den Islam), ein Davidstern (für das Judentum) und ein Yin- und Yang-Zeichen (für den Ursprung der Welt) das Kircheninnere. Vom wieder erbauten Turm der Kirche zeigt uns Pfarrer Buchholz aus mehr als 50 Metern Höhe dann noch das künftige BUGA-Gelände, das sich vom Optikpark bis zum Weinberg erstrecken wird. Dazwischen fließt Havelwasser. Beide Schauareale wird eine geschwungene Brücke verbinden, die gerade gebaut wird.

Weiter geht die Fahrt am Mittag ins nahe gelegene Ferchesar. Verblüfft stellen wir dort fest, dass der größte Schatz hier nicht im wunderschön erhaltenen Flügelaltar oder dem in dieser Region einzigartigen Zwiebelturm besteht, sondern in den außerordentlich engagierten Mitgliedern des Fördervereins. Ihnen gelang der Erhalt des Gotteshauses. "Wir haben hier 40 Mitglieder", erzählt Detlef Zemlin begeistert, "und allein der Chor besteht aus rund 30 Personen". Die barocke Fachwerkkirche ist zwar auch weiterhin chronisch renovierungsbedürftig, aber durch die gute touristische Lage am Ostende des Hohennauener-Ferchesarer Sees hofft der Förderverein auf eine Menge Touristen, die vor, während und nach der BUGA die Kirchenwege hier erkunden.

Christof Reineckezeigt frühere Inseln im Havelländischen Luch. Auf einer solchen wurde die Buckower Wallfahrtskirche gebaut.
© Tobias Nandelstädt

Ebenso engagiert wie in Ferchesar ist der Förderverein in Buckow, wohin uns am Nachmittag ein holpriger Plattenweg führt. Die Geschichte der dortigen Wallfahrtskirche ist auch deshalb so spannend, weil niemand so recht erklären kann, weshalb bereits im 14. Jahrhundert eine so große Kirche in einem so kleinen Örtchen erbaut wurde, erläutert uns Christof Reinecke, Schriftführer des Fördervereins. Damals lag Buckow noch auf einer winzigen Insel inmitten der ausgedehnten Wasserlandschaft des Havelländischen Luchs und war demzufolge sehr abgeschieden.

Der Dom zu Brandenburg.
© Tobias Nandelstädt

Den krönenden Abschluss unserer Rundtour bildet der altehrwürdige Dom zu Brandenburg. Obwohl der Dom eigentlich gar kein offizieller BUGA-Standort ist, kreist - so viel ist schon jetzt völlig klar - das BUGA-Jahr ganz außerordentlich auch um die Wiege der Mark Brandenburg, die sich auch auf einer Insel befindet. Mitten in der Havel befand sich die Brandenburg, wo die Geschichte des gleichnamigen Landes beginnt. Dort begeht man im BUGA-Jahr das 850. Jubiläum der Grundsteinlegung für den Dom, berichtet Museumsleiter Rüdiger von Schnurbein. Bislang befinden sich noch große Teile des beeindruckenden Kirchenschiffs unter einer Abdeckplane, weil überall fleißig gestrichen und ausgebessert wird. Pünktlich zum BUGA-Start soll alles im neuen Glanz erstrahlen. Sogar die vielen Gesichter von Narrenfiguren an der Decke, welche die Belüftungsrohre kaschieren, werden neu gestrichen. Diese Narren zeugen von sogenannten Eselsmessen, wie man sie im Mittelalter als eine Art Karnevalsveranstaltung zelebrierte. Die Besucher trugen Tierkostüme, etwa das eines Esels, und bekamen dabei die Möglichkeit, für einen Tag neudeutsch "die Sau raus zu lassen". Ob man sich so etwas im BUGA-Jahr auch noch einmal vorstellen könne? Museumsleiter von Schnurbein antwortet, dass man genau darüber tatsächlich und ernsthaft nachdenke.

Auch wenn wir nicht zu Fuß gepilgert sind, so sind doch alle Teilnehmer am Abend beinahe erschlagen - von Informationen, Hintergründen und Fachwissen über Kirchen und Klerus im westlichen Havelland. Doch am liebsten wollen wir noch mehr erfahren und den nächsten Kirchenweg nach Havelberg erkunden. Mehr Infos nun auch auf www.kirchenwege-havelland.de.

Märkische Oderzeitung vom 07. März 2014

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