Dem Himmel ein Stück näher

Roland Becker

Hennigsdorf (MZV) Als 1977 Hennigsdorfs Katholiken ihr Gotteshaus weihten, war das eine Sensation: eine neue Kirche im Sozialismus! Nach knapp 40 Jahren zeigt sich allerdings, dass in der DDR nicht für die Ewigkeit gebaut wurde. Statische Prüfungen haben 2012 ergeben, dass das Dach zwar nicht einsturzgefährdet, wohl aber stark erneuerungsbedürftig sei. Nach vielen Diskussionen in der Gemeinde ist das Konzept nicht nur fertig, sondern von der Bauaufsicht bereits genehmigt worden. Ende der Woche soll klar sein, welche Firma den Zuschlag für die rund 200 000 Euro teuren Arbeiten bekommt. Ende April soll die Kirche zur Baustelle werden.

Hat die Fäden in der Hand: Helmut Jilg.
Foto: Roland Becker © MZV

"Das Dach muss runter, und da daran im wahrsten Sinn des Wortes die Decke der Kirche hängt, diese auch", berichtet Helmut Jilg. Der stellvertretende Kirchenvorstand kann als ehemaliger Bürgermeister von Oberkrämer durchaus auf Erfahrungen beim Planen und Umsetzen von Bauprojekten verweisen. Vor dem Flachbau stehend, der auf den ersten Blick nichts von seiner christlichen Funktion verrät, skizziert Jilg mit wenigen Handstrichen die anstehenden Veränderungen am Gebäude. Künftig wird die Kirche ein flach zulaufendes Spitzdach aus Ziegelsteinen bekommen. Dafür werden die Fenster im ersten Geschoss ein wenig hinuntergezogen. Sowohl auf den Vorbau der Vorderseite als auch über die gesamte Höhe der rückwärtigen Fassade wird künftig jeweils ein Kreuz montiert. Dass man bislang "äußerlich hier kein christliches Zeichen sieht", so Jilg, soll bald der Vergangenheit angehören. Das Kircheninnere soll künftig viel heller wirken. Über dem Mittelgang sorgen entweder Fenster oder künstliches Glas für Licht.

Mehr als die Hälfte der Baukosten muss die Gemeinde selbst aufbringen. Der Kirchenvorsteher ist guter Hoffnung, dass kräftig gespendet wird. "Ohne Gotteshaus ist die Gemeinde nackt", wirbt Jilg dafür, der Kirche finanziell unter die Arme zu greifen. Außerdem hat er die Hoffnung noch nicht aufgegeben, auch von der Stadt eine finanzielle Unterstützung zu bekommen. Bei einer ersten Anfrage hat Jilg wegen der derzeit nicht rosigen finanziellen Lage einen Korb bekommen, aber: "Ich werde nochmal nachfragen, wenn der Andreas einen guten Tag hat." Damit meint Katholik Jilg den sozialdemokratischen Bürgermeister.

Da die Gemeinde nun einmal das Baufieber gepackt hat, soll auch gleich die Orgel saniert werden. Die müsste während der Bauphase ohnehin verpackt oder teilweise demontiert werden. Da diese Maßnahmen laut Jilg rund 10 000 Euro kosten würden, "hätten wir nichts gewonnen". Denn für 20 000 Euro könnte das Instrument generalüberholt werden. Die Gemeinde hat bereits bei der Mittelbrandenburgischen Sparkasse einen Antrag auf Förderung gestellt. Mit einer Entscheidung wird spätestens im April gerechnet. Zwar handelt es sich um keine wertvolle Orgel hinsichtlich ihres Alters, meint Jilg. Dafür erklinge sie aber nicht nur für den Gesang der Gemeinde und zur liturgischen Begleitung. "Hier werden ja auch viele Konzerte veranstaltet", argumentiert Jilg.

Weil in einer Baustelle kein Gottesdienst gehalten werden kann, finden die Katholiken für diese Zeit sozusagen Unterschlupf beim Reformator. Die Vorabendmesse am Sonnabend wird in der evangelischen Martin-Luther-Kirche stattfinden. Sonntags muss nach Velten gefahren werden. Ende Juli hat die Reiserei aber ein Ende. Dann soll das neue Dach installiert sein.

Märkische Oderzeitung vom 12. März 2014

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