Neubau der Sonnenorgel nötig

Frank Groneberg

Neuzelle (MOZ) Wenn die umfassende Sanierung der evangelischen Kirche "Zum Heiligen Kreuz" im Kloster Neuzelle Ende 2015 oder Anfang 2016 abgeschlossen sein wird, dann wird danach ein Teil der Kirche unsaniert bleiben müssen: die Orgel. Denn entgegen den ursprünglichen Plänen wird das Instrument, das sich auf der geschwungenen Westempore der Kreuzkirche befindet, nicht restauriert und schon gar nicht aufwändig saniert werden. Der Grund dafür: Eine Restaurierung der Orgel, die wegen der strahlenförmig angeordneten Pfeifen im Prospekt Sonnenorgel genannt wird, ist nicht möglich bzw. wird von Fachleuten als wenig sinnvoll eingeschätzt.

Mit Strahlenkranz: In der Mitte des Prospektes der Orgel sind mehrere Pfeifen wie Sonnenstrahlen angeordnet.
© MOZ

"Die beauftragten Gutachter empfehlen einen kompletten Neubau des Instrumentes", sagt Walter Ederer, Direktor für Kultur und Marketing bei der Stiftung Stift Neuzelle. Warum? "Eine Restaurierung macht wenig Sinn, da ein Originalzustand der Sonnenorgel nicht mehr hergestellt werden kann."

Hintergrund dieser Einschätzung der Gutachter ist die Tatsache, dass es im Falle der Neuzeller Sonnenorgel einen Originalzustand im engeren Wortsinn eigentlich nicht gibt oder nicht gegeben hat, jedenfalls nicht für längere Zeit. Der Prospekt mit dem Strahlenkranz aus Orgelpfeifen war im Jahr 1730 von einem Orgelbauer im sächsischen Zittau gebaut worden. In den Folgejahren ist das Instrument dann mehrfach überarbeitet und umgestaltet worden, bis ins 20. Jahrhundert. Das jetzige Spielwerk der Sonnenorgel ist im Jahr 1890 von der Frankfurter Orgelbaufirma Sauer hergestellt und eingebaut worden. Und auch nach dessen Einbau gab es wieder Veränderungen.

"Letztlich müssen wir also von der geplanten Restaurierung Abstand nehmen und irgendwann einen Neubau vornehmen - auch wenn die Sonnenorgel schon jetzt sanierungsbedürftig ist", sagt Walter Ederer. "Wir werden im Laufe der Kirchensanierung lediglich das Äußere der Orgel, also den Prospekt, erneuern", erläutert der Kulturdirektor. Das Spielwerk werde gründlich gereinigt und ist dafür auch vor einiger Zeit ausgebaut worden. "Für einen Neubau der Orgel in der Kreuzkirche aber fehlt uns derzeit das Geld."

Musikfreunde und Gottesdienstbesucher müssen auf den Klang der Sonnenorgel aber bis zu einem Neubau nicht verzichten. Das Instrument wird auch weiterhin gespielt werden und wird auch während der Reihe "Konzerte unterm Barockhimmel" erklingen. Am 22. Juni um 16 Uhr steht beispielsweise ein Kammerkonzert für Sopran, Blockflöte, Violoncello und Orgel auf dem Programm der beliebten Musikreihe.

Märkische Oderzeitung vom 05. April 2014

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