Baruther Kirche erstrahlt nach 13 Jahren in neuem Glanz

Neues Gesicht für Sankt Sebastian

Jetzt fehlen nur noch die Sitzheizungen. Trotz der warmen Sonnenstrahlen draußen zieht die Kälte den Besuchern der fertig sanierten Baruther Sankt-Sebastian-Kirchein die Kleider.

Gut gefüllt war die Kirche beim Gottesdienst am Sonntag.
Quelle: Hartmut Reck

Baruth. Aber so kennt man ja die Gotteshäuser: offen für alle, aber schwer zu beheizen. Dafür erwärmten gestern Vormittag Kirchenlieder und Gebete die Herzen der Gläubigen. Und der Anblick der nun auch innen fertig sanierten Baruther Sankt-Sebastian-Kirche begeisterte die zum Festgottesdienst erschienenen Besucher.

"Das hat sich gelohnt. Das ist ja wirklich wunderschön geworden", sagte Georg Thimme erfreut. Der Pfarrer hatte von 2002 bis 2010 in Baruth gewirkt und die ersten Fördermittelanträge an die richtigen Adressen geschickt. Nun ist er nach Baruth zurückgekehrt, um an der Wiedereinweihung seiner ehemaligen Wirkungsstätte teilzuhaben.

Schon unter seinem Vorgänger Ottfried Granzin begannen die ersten Vorbereitungen zur Rettung der Kirche, die im torfigen Untergrund zu versinken drohte. "Die Bänke standen alle schräg, weil der Fußboden absackte", erinnert sich Corinna Jänchen, die Vorsitzende des Gemeindekirchenrats in ihrer Ansprache während des Festgottesdienstes. Durch die Melioration trocknete der Untergrund der Kirche aus, die Holzpfähle wurden dem Sauerstoff ausgesetzt und begannen zu vermodern. 2003/2004 konnten die Außenmauern unterfangen werden, doch dann lief das Förderprogramm aus.

Erst 2008 gab es wieder Geld

Jetzt sackten nur noch die Mittelpfeiler weiter ab. Erst 2008 gab es wieder Geld und die Pfeiler wurden mit Beton unterfangen, die Kirche erhielt ein neues Dach, sah von außen wieder schick aus. Aber innen war es "ein trauriger Anblick", sagt Corinna Jänchen. Das wertvolle Gestühl und der Fußboden mussten herausgenommen werden, Orgel und Altar wurden verhangen. Doch jetzt ist wieder alles eingebaut. Den Abschluss der Sanierungsmaßnahmen bildete die Dekontaminierung und Aufarbeitung von Altar und Orgel. Dem gestrigen Anlass entsprechend erklang sie als erstes, begleitet von den Posaunenchören Baruth und Sperenberg und der Goer'schen Chorgemeinschaft mit der Melodie des Kirchenliedes "Tut mir auf die schöne Pforte, führt in Gottes Haus mich ein; ach wie wird an diesem Orte meine Seele fröhlich sein."

Superintendentin Katharina Furian erinnerte an 13 Jahre Bau- und Planungsarbeiten, die insgesamt 1,5 Millionen Euro kosteten. Sie forderte die Gemeinde auf, die Kirche nun nicht zu schonen und bekundete ihren Respekt vor den Gemeindegliedern, die in der schwierigen Vakanzzeit ohne Pfarrer jeden Sonntag einen Gottesdienst abhalten.

Baruths Bürgermeister Peter Ilk (parteilos), der das Projekt zwölf Jahre in dieser Funktion begleitet hat, bezeichnete das aufwendige Sanierungsvorhaben als "Gemeinschaftswerk". Denn mit Hilfe der Stadt seien immerhin 250 000 Euro aus den Mitteln der Stadtsanierung geflossen.

Sperenbergs Pfarrer Andreas Hemmerling, der nun zum zweiten Mal als Vakanzvertreter in Baruth wirkt, nannte es eine "wagemutige Entscheidung", die vor 13 Jahren von der Gemeinde getroffen wurde. Umso mehr freute er sich, dass hier wieder Leben einzieht. "Das nächste Vorhaben", so Hemmerling, "ist irgendeine Art von Sitzheizung."

Nach dem Gottesdienst konnte man sich aber erst einmal mit heißer Suppe im Westfoyer aufwärmen. Und draußen, wo man sich bei Kaffee und Kuchen versammelte, schien die Sonne auf die Gemeindeglieder wärmend herab.

KURZE CHRONIK

Von Hartmut F. Reck

Märkische Allgemeine vom 06. April 2014

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