Kirche hätte in der Straße landen können

Auferstehungskirche begeht 20. Gründungstag / Zweitgrößte Kirchengemeinde in Spremberg

SPREMBERG Im April 2014 jährt sich die Einweihung der Auferstehungskirche auf dem Schomberg zum 20. Mal. In den Jahren von 1988 bis 1994 war die komplette Dorfkirche in Pritzen ab- und in Spremberg wieder aufgebaut worden. Denkmalpfleger Dietmar Kraußer ließ jetzt jene ereignisreiche Zeit noch einmal Revue passieren.

Der erste Pfarrer der neuen Spremberger Auferstehungsgemeinde war Dietwald Frenzel. Seine Frau hatte übrigens diese Bezeichnung vorgeschlagen. Heute ist die Pfarrstelle vakant.
Foto: T. Richter/trt1

"Wäre es dumm gekommen, hätten die Steine der Pritzener Dorfkirche auch im Straßenbau landen können", erinnert sich Denkmalpfleger Dietmar Kraußer vom Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum. Der aus Thüringen stammende Fachmann hatte den Prozess der bergbaubedingten Umsetzung des Gotteshauses bereits seit dem Jahr 1985 begleitet. Dass sich der Respekt der DDR-Regierung vor kirchlichen Gebäuden in Grenzen hielt, sei ein offenes Geheimnis gewesen. Und dass deren Baumaterial tatsächlich im Straßenbau Verwendung fand, beweise das traurige Schicksal der bereits vor genau 50 Jahren für den Tagebau Seese-West abgebrochenen Kirche von Vorberg südlich von Lübbenau. Nach Angaben von Dietmar Kraußer wurden die Steine wirklich für die Errichtung einer Fahrbahn eingesetzt. Und dass, obwohl zuvor versucht worden war, das Gotteshaus zu retten.

Bereits im Jahr 1983 wurde eine Arbeitsgemeinschaft für Denkmale in Bergbauschutzgebieten vom damaligen Cottbuser Bezirksdenkmalpfleger Peter Schuster ins Leben gerufen. "Damals änderte sich auch bei den Offiziellen langsam ihre Einstellung. Die vielen Kirchenverluste waren einfach nicht mehr hinnehmbar", erklärt Kraußer.

In Pritzen fand am 28. Februar 1988 der letzte Gottesdienst statt. Anschließend ging es sofort an den Abbau der Kirche. Mehrere neue Standorte standen in Spremberg zur Auswahl, beispielsweise als Ersatz für die anno 1974 abgerissene Georgen bergkapelle, in der Schlucht an der früheren Stadtgärtnerei sowie in Kochsdorf. Schließlich fiel die Entscheidung auf den heutigen Standort, auch deswegen, da der damalige Bürgermeister Egon Wochatz das Grundstück zu einem symbolischen Preis zur Verfügung stellte.

Anfang der 1990er-Jahre erfolgte der Neuaufbau, am Ostermontag 1994 schließlich die Einweihung. Das als Auferstehungskirche bezeichnete Gotteshaus dient in erster Linie den Menschen aus den abgebaggerten Dörfern westlich von Spremberg als kirchliche Heimstätte. Schließlich verschwanden vom Beginn der 1970er- bis Anfang der 1990er-Jahre die Gotteshäuser von Jessen, Stradow, Groß Buckow und Wolkenberg. Der Wolkenberger Glockenturm wurde im Oktober 1993 in einer spektakulären Aktion per Hubschrauber an den früheren Standort der Pritzener Kirche eingeflogen. Das Dorf brauchte wegen des Endes des Tagebaus Greifenhain nicht mehr abgebrochen zu werden.

Nach Angaben des Drebkauer Pfarrers Wolfgang Selchow, der die Spremberger Auferstehungsgemeinde betreut, stellt das Gremium mit heute knapp 1000 Gliedern die zweitgrößte der insgesamt drei Kirchgemeinden in der Spremberger Kernstadt dar. "Natürlich hat der Abriss des Neubaugebietes auf dem Schomberg und der damit verbundene Wegzug vieler Menschen erheblich an unserer Substanz gezehrt. Doch die Auferstehungskirche erfreut sich neben den Gottesdiensten auch für verschiedene Veranstaltungen, etwa Hochzeiten und Trauerfeiern, großer Beliebtheit. Die Gemeinde lebt also. Deshalb hat unsere Kirche hier in Spremberg auf Dauer ihre Berechtigung." Seit dem 9. September 2013, so fügt Dietmar Kraußer an, ist das alte neue Bauwerk in die Brandenburger Denkmalliste eingetragen.

Torsten Richter / trt1

Lausitzer Rundschau vom 25. April 2014

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