Langer Atem hat sich ausgezahlt

Lindenaer Dorfkirche saniert / Bedeutendes Beispiel der Kirchengeschichte im Rampenlicht

LINDENA Zusätzliche Stühle sind am Sonntag in der auf Raseneisenstein gegründeten evangelischen Dorfkirche (Dorfkirche des Monats Januar 2012) gebraucht worden. Das gab es noch nie, freuten sich langjährige Kirchenbesucher in Lindena. Grund für den Besucheransturm war der Festgottesdienst zum Abschluss der vorläufigen Kirchenrestaurierung.

Blick von der Orgelempore in die restaurierte Lindenaer Dorfkirche, die wieder ein Augenschmaus ist.
Foto: Jürgen Weser/jgw1

Das aus dem frühen 13. Jahrhundert stammende Kirchenhaus gehört zu den bedeutendsten Dorfkirchen des Landes Brandenburg. Historisch ist die Filialkirche von Schönborn eng mit der Zisterziensergeschichte und dem Doberluger Kloster verbunden.

Das große Interesse an der Wiederinbetriebnahme nach zweijähriger Restaurierung wundert nicht, weil die Bemühungen mehr als zwanzig Jahre andauern, wie die Restauratoren Ralph Schirrwagen und Evelin Waldmann bestätigten.

Der "lange Atem zum Bauen" für die "überfällige Restaurierung" habe sich für die Lindenaer Kirchengemeinde und künftige Nutzer und Besucher gelohnt, hob Architekt Onno Folkerts vom verantwortlichen Architekturbüro Angelis & Partner Herzberg hervor. ,,Zum echten Schmuckstück wird sie erst durch Benutzung", sagte Onno Folkerts und wünschte dem Gotteshaus und kunsthistorischen Kleinod auch für die Zeit der 1. Landesausstellung ,,Preußen und Sachsen. Szenen einer Nachbarschaft" viele Besucher.

Dass beim Festgottesdienst Pfarrerin Christine Radziwill wieder gefahrlos von der Kanzel aus predigen konnte, ist auch dem Engagement der beiden Lindenaer Frauen Caroline Kroschel und Manuela Wolf zu verdanken. Für ihre engagierte ehrenamtliche Arbeit gemeinsam mit der Klosterkirchengemeinde Doberlug, dem Architekturbüro, den Restauratoren sowie dem Landesdenkmalamt mit Mechthild Noll-Minor bekamen sie am Sonntag den Dank von Birgit Schrey als Vorsitzende des Gemeindekirchenrates.

Zweifel zwischendurch

Anerkennung zollte der ehemalige Doberluger Pfarrer Fred Pohle allen Unterstützern. Er habe beim jahrelangen Ringen um die Restaurierung zwischendurch große Zweifel am Gelingen gehabt, gab er zu.

Während des Festgottesdienstes, der musikalisch von der Organistin Sabine Huber, vom Frankenaer Frauenchor und dem Männerchor Schönborn begleitet wurde, hatten die Kirchenbesucher Muße, den neuen Farbanstrich, die restauratorisch aufgearbeiteten und rekonstruierten Wand- und Gestühlmalereien, die sanierte Kanzel und die Fensterbögen in Augenschein zu nehmen. Das Blütenmotiv mit Zirkelschlag zwischen den Bögen in Fresco- & Seccotechnik fiel im dekorativen frischen Glanz ins Auge wie die rippenbegleitenden Kappenmalereien mit gefiederten Ranken und die ornamentale Malerei auf Putzflächen. Für den Kunstinteressierten werden alle drei Bauphasen der Kirche sichtbar.

Trotz zusätzlich notwendiger Arbeiten konnte die Bausumme von 200 000 Euro eingehalten werden, resümierte Architekt Folkerts. Mit Fördergeldern über die Integrierte ländliche Entwicklung (ILE), der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, der Union Evangelischer Kirchen und dem Eigenanteil der Kirchengemeinde Lindena wurde der Kraftakt gestemmt.

Langer Atem weiter nötig

Allerdings konnten Altar und Apsis in die Restaurierung nicht mit einbezogen werden. Erhebliche Mittel, so Restaurator Ralph Schirrwagen, werden dazu neben dem wieder langen Atem bei der Realisierung notwendig sein.

Für Landrat Christian Heinrich-Jaschinski und die Landtagsabgeordneten Anja Heinrich und Rainer Genilke (alle CDU) war besonders erfreulich, dass mit dem Herzberger Architekturbüro, den Restauratoren aus Doberlug-Kirchhain und Nexdorf, der Finsterwalder Holzwerkstatt Haferland, dem Ingenieurbüro Thieme Cottbus, dem Heinze Bau Falkenberg und Gerüstbau KNH Falkenberg wesentliche Restaurierungsleistungen aus der Region erbracht wurden.

Mit Kuchen gefeiert

Nach dem Festgottesdienst feierte die Gemeinde vor der Kirche ,,die Wiedergeborene" mit einer großen Kaffeetafel und Besucher nahmen noch einmal in Ruhe das Kleinod in Augenschein.

Jürgen Weser

Lausitzer Rundschau vom 29. April 2014

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