Die Kirche im Dorf gelassen

Ausmalungen der Gräfendorfer Kirche ermöglichen nach Restaurierung den Blick ins 13. Jahrhundert / 600 000 Euro bisher aufgewendet

GRÄFENDORF Ein wahres Schmuckstück ist in Gräfendorf hinter den dicken Backsteinmauern der Dorfkirche St. Jakob zu entdecken. Nach jahrelangen umfangreichen Sanierungen erstrahlt der Innenraum des rund 800 Jahre alten Gotteshauses heute in schlichter, aber beeindruckender Schönheit. Aber auch die Außenhülle einer der ältesten Kirchen des Altkreises Herzbergs ist wieder gut auf kommende Zeiten vorbereitet.

Kirchenältester Klaus Gemeinhardt und Spender Gerd Rothaug nehmen die restaurierten Kunstwerke der Kirche in Augenschein. Die Arbeiten sind jedoch noch nicht abgeschlossen derzeit wird die Flemming-Orgel restauriert, und auch der Kanzelaltar soll eine Frischekur erhalten.
Foto: bwe r

Der Gräfendorfer Kirchenälteste Klaus Gemeinhardt ist zu Recht stolz auf das Gotteshaus. "Möglicherweise ist unsere Kirche sogar älter als die Herzberger", sagt er, will damit aber die immer mal wieder aufflackernde Diskussion zwischen den Herzberger und den Gräfendorfern, wer denn nun das ältere Gotteshaus habe, nicht wieder aufleben lassen.

Sowohl St. Marien wie auch St. Jakob zeigen sich im Backsteinkleid; in Gräfendorf ist dies wohl auf den Einfluss der Mühlberger Zisterzienserinnen zurückzuführen. Beide Kirchen haben zudem beeindruckende Ausmalungen vorzuweisen wobei die Gräfendorfer erst seit kurzer Zeit und auch nur in Teilen zu bewundern sind.

"Eigentlich sollte nur der Putz erneuert werden", erinnert sich Klaus Gemeinhardt. Dabei stießen die Restauratoren auf mittelalterliche Wandmalereien, die in dieser Form in der Region einzigartig und sogar von überregionaler Bedeutung sind.

Die Ausmalungen fanden offenbar in zwei Phasen statt und überlagern sich. Die Restauratoren des 21. Jahrhunderts standen nun vor der Herausforderung, beide Ausmalungszustände zu erhalten. "Die ersten Malereien sind um 1200 direkt auf das Mauerwerk aufgetragen worden", hat Klaus Gemeinhardt von Restauratorin Evelin Waldmann erfahren. Sie vermutet unter dem Putz der Kirche ein ganzes Heiligenprogramm, von dem jedoch nur ein Petrus-Kopf und ein gekreuzigter Christus freigelegt worden sind. Wie Schaufenster in die Vergangenheit ermöglichen diese freigelegten Ausschnitte dem heutigen Betrachter den Blick zurück in die Welt der mittelalterlichen Maler. Der Petrus-Kopf zu identifizieren am zugeordneten Schlüssel stammt aus der ersten Ausmalungsphase; der Christus aus der zweiten. "Bei den Putzarbeiten stießen die Restauratoren zudem auf Weihekreuze", so Klaus Gemeinhardt. "Zwei waren uns bereits bekannt, heute haben wir in unserem Gotteshaus sieben vorzuweisen."

Was der Gräfendorfer Kirche heute zur Zier gereicht, bereitete dem Gemeindekirchenrat während der Restaurierung die eine oder andere finanzielle Sorge. Rund 600 000 Euro sind bisher für den Erhalt des Gotteshauses aufgewendet worden die Restauration von Wandmalereien war im Budget jedoch eigentlich nicht vorgesehen.

Die Dorfkirche St. Jakob in Gräfendorf.
Foto: bwe

Hätte die Kirchengemeinde dafür keine Gelder aufwenden können, wären die wunderschönen archaischen Bilder übermalt worden, um sie zu erhalten.

"Hier waren wir auch auf Spenden angewiesen", sagt Klaus Gemeinhardt, der hier vor allem dem Gräfendorfer Gerd Rothaug Dank sagen möchte. "Er hat uns in den vergangenen Jahren 8000 Euro gespendet, die wir für den Erhalt der Kunstwerke nutzen." Rothaug hatte zu seinem 50. Geburtstag statt Geschenken um Spenden für die Kirche gebeten und freut sich heute über das beeindruckende Ergebnis.

Ein Teil seiner Spenden wird zudem zwei aktuelle Projekte unterstützen. Der Mitteldeutsche Orgelbau A. Voigt aus Bad Liebenwerda restauriert zurzeit die Gräfendorfer Flemming-Orgel aus dem 18. Jahrhundert, damit sie demnächst nicht mehr nur mit vier, sondern mit den ursprünglichen acht Registern gespielt werden kann. Auch der Kanzelaltar der Kirche, an dem bereits arg der Zahn der Zeit genagt hat, soll restauriert werden. Das kleine, gut gepflegte Gotteshaus ist jedoch schon heute die Entdeckung wert.

Babette Weber

Lausitzer Rundschau vom 03. Mai 2014

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