OSL-Musikschüler singen sich in Ogrosener Herzen

Für Sanierung der Orgel Zehntausende Euro vonnöten / Musikschulleiter Stein: Landesförderung kritikwürdig

OGROSEN Begnadete Stimmen und Virtuosen waren am Samstag in der Kirche Ogrosen zu erleben. Abermals gaben sich der Ökumenische Kirchenchor Senftenberg sowie Kammerchor und -orchester der Musikschule OSL unter Leitung von Uli Stein im sanierten Gotteshaus ein musikalisches Stelldichein.

Knapp 70 Sängerinnen, Sänger und Instrumentalisten unter Leitung von Uli Stein verwöhnten ihr Publikum in der sanierten Kirche von Ogrosen. Musikschüler des Oberspreeewald-Lausitz-Kreises, so Stein, würden immer wieder dort auftreten, solange, bis die Kirche auch mit Orgel und Epitaphien komplett saniert ist.
Foto: U. Hegewald/uhd1

"Musikschulen öffnen Kirchen" lautet der Konzertreigen, der zweifellos durch den Zusatz "und Herzen" erweitert werden könnte. Im Fokus des Konzertes standen die Komponisten Gottfried August Homilius, C. P. Emanuel Bach und Christoph Willibald Gluck. Appetit auf den Sommer machte die Vertonung "Geh aus mein Herz und suche Freud", einem geistlichen Sommerlied aus der Feder von Paul Gerhardt (1607-1676). Uli Stein und Pfarrer Stephan Magirius kommentierten die poesievollen Zeilen. In den von Armut und Zerstörung geprägten Nachkriegsjahren der Dreißigjährige Krieg war gerade beendet dürfte Gerhardts Dichtkunst Linderung auf geschundene Seelen bewirkt haben.

Zu Linderungen in einer besonderen Angelegenheit ist das Publikum von Stephan Magirius animiert worden. Der Pfarrer informierte über eine bevorstehende Volksinitiative zur Stärkung der Kreismusikschulen. Er bat darum, sich demnächst in Unterschriftenlisten einzutragen und damit den Musikschulen zu hoffnungsvolleren Perspektiven zu verhelfen. So sieht es auch Uli Stein, der im Anschluss des Konzertes auf die dürftige Landes-Unterstützung für Musikschulen hinwies. "Was den Finanzierungsbedarf angeht, wird dieser nahezu von den Landkreisen und Eltern getragen", kritisierte er. Erfreulicher war seine Botschaft für Ogrosen: "Wir haben stets beteuert, solange in Ogrosen zu musizieren, bis die Kirche komplett saniert ist. Ich gehe davon aus, dass es hier auch 2015 ein Konzert geben wird", bekräftigte Stein. Das Zünglein an der Waage dürfte die sanierungsbedürftige Orgel sein, für die am Ende des Benefizkonzertes um Spenden gebeten wurde. "Für ihre Restaurierung werden bis zu 50 000 Euro nötig sein", rief Pfarrer Magirius ins Bewusstsein. Seinen Dank richtete er an alle Spender, an das Team um Christel Paulick für deren Gastfreundlichkeit, an das musikalische Ensemble um Uli Stein und Solistin Carolin Frank (Berlin) sowie an die Musikschüler. "Für unsere Nachwuchsmusiker ist es ein Privileg, in Ogrosen musizieren zu dürfen. Das setzt jedoch entsprechende Leistungen voraus", so der Dirigent.

Für Musikschulen im Land sind 2,6 Millionen Euro an Förderung vorgesehen. Die Summe wurde trotz steigender Schülerzahlen und Tarifangleichungen seit 2000 nicht angepasst. Damit bewegt sich die Förderung bei neun Prozent der Gesamtkosten der niedrigste Fördersatz bundesweit. (Quelle: Verband deutscher Musikschulen)

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Lausitzer Rundschau vom 19. Mai 2014

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