Wasserschäden behindern Sanierung der Kunower Kirche

Aus dem Ruder gelaufen

Das Dach der gotischen Feldsteinkirche in Kunow (Ostprignitz-Ruppin) hat seit Herbst eine neue Biberschwanzeindeckung. Während der Bauarbeiten traten jedoch zwei Wasserschäden auf, die das Kirchenschiff schwer in Mitleidenschaft gezogen haben. Doch erst jetzt werden die Folgen im vollen Umfang sichtbar.

Mit der Sanierung des Ostgiebels an der Kirche in Kunow endet der erste Bauabschnitt.
Quelle: Christamaria Ruch

Kunow. "Diese Baustelle sollte eigentlich schon Mitte November letzten Jahres Geschichte sein", sagt Bauleiter André Degenhardt vom Ingenieurbüro Seemann aus Dahlwitz-Hoppegarten und blickt auf sein "Sorgenkind".

Rückblende: Ende Mai letzten Jahres begannen die Mitarbeiter der Dachdeckerfirma Krassowski aus Meyenburg mit den Arbeiten am Kirchendach. "Es war eine Verquickung ungünstiger Umstände", räumt Geschäftsführer Chris Krassowski ein. Die Dachplanen rissen während eines Sturms im Sommer - über den Traufbereich drang Wasser ungehindert in das Kirchenschiff ein. Der Traufbereich ist der Übergang zwischen Dach und Kirchenschiff. "Erschwerend kam hinzu, dass die Planen nicht ausreichend am Dachfirst überlappten", so Bauleiter Degenhardt. Nur wenige Wochen später folgte der zweite Wasserschaden. "Die Planen überlappten nun in der falschen Windrichtung", sagt der 38-Jährige.

Damit liegt die Kirchengemeinde Kunow sechs Monate im Zeitverzug. "Das war ganz anders geplant", sagt Sven Hampel. Er ist Mitglied des Gemeindekirchenrates Kunow und leitet im Bauausschuss das Sanierungsvorhaben Kirche. "So massiv habe ich das bisher noch nicht erlebt", sagt André Degenhardt. Damit meint er die Auswirkungen der Wasserschäden. Zwar komme es laut seiner Einschätzung bei jeder fünften Kirchenbaustelle zu Schäden durch Regenwasser, aber im Falle von Kunow handelt es sich um einen besonders schweren Fall.

Braune Streifen an den Innenwänden des Kirchenschiffs zeigen, wo das Wasser seinen Weg fand. "Das frische Eichenholz des neuen Dachstuhls beinhaltet besonders viel Gerbsäure und wenn Wasser darüber läuft, hinterlässt dies braune Streifen", sagt André Degenhardt. Ganz frisch sind jedoch die weißen Streifen an der Holzdecke. "Weil die Dielen durch die steigenden Temperaturen in der Kirche jetzt trocknen, blättert nun auch der rote Anstrich ab", sagt Sven Hampel. Er schüttelt nachdenklich den Kopf: "Man kann richtig zusehen, wie sich der Schaden innerhalb weniger Tage an der Decke ausgebreitet hat."

Der erste Bauabschnitt

Im ersten Bauabschnitt wird die Hülle des Kirchenschiffes saniert.
Die Arbeiten am Dach und an der Außenfassade sind bereits beendet; nun folgen noch restauratorische Putz arbeiten am Ostgiebel des Feldsteinbaus.
142.600 Euro sind bereits investiert worden. Davon kommen 60.000 Euro als Fördermittel aus dem Staatskirchenvertrag, 25.000 Euro Kirchenkreis Prignitz, 12.500 Euro von der Landeskirche, 8000 Euro von der Kirchenbaustiftung, 8000 Euro vom Landkreis, 7000 Euro von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und 5000 Euro von der Sparkasse Prignitz.
Die Kirchengemeinde selbst stellt zur Rettung und Sanierung der Kunower Kirche 17.100 Euro als Eigenmittel zur Verfügung.

Die Wasserschäden an der Decke, an den Wänden und am Gestühl reguliert die Meyenburger Dachdeckerfirma über ihre Haftpflichtversicherung - zum Zeitwert. "Das ging alles unkompliziert", sagt André Degenhardt über die Zusammenarbeit mit Chris Krassowski. Bis Ende Juli muss zunächst die Holzdecke trocknen. Erst dann kann der Maler aktiv werden. Das Wasser hat zudem großflächig Putz von den Wänden gelöst - diese Reparaturkosten übernimmt allerdings nicht die Versicherung. Bereits jetzt beginnen die Arbeiten an den Innenwänden. Nach dem Verputzen des Mauerwerks folgt ein Farbanstrich "in gebrochenem Weiß", so Degenhardt. Völlig unklar ist, "wie stark etwa die Orgel durch das Wasser beschädigt ist", sagt Sven Hampel vom Gemeindekirchenrat. Derzeit saniert ein Restaurator noch den Ostgiebel mit dem aus Sicht des Denkmalschutzes wertvollen Putz.

Vermutlich erst ab Dezember kann die Kirchengemeinde den Gottesdienst wieder in der Kirche feiern. Dennoch blicken Sven Hampel und André Degenhardt nach vorn: Als Nächstes soll die Turmsanierung in Angriff genommen werden. Dafür sucht Sven Hampel bereits nach Finanzierungsmöglichkeiten.

Von Christamaria Ruch

Märkische Allgemeine vom 22. Mai 2014

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