Schrittweise in die Vergangenheit

Judith Melzer-Voigt

Garz (MZV) Bagger karren derzeit tonnenweise Sand und Muttererde zum Garzer Kirchhof. Dieser wird nach historischen Vorbild komplett umgestaltet. Möglich macht das eine großzügige Finanzspritze der Sparkassenstiftung.

Das Team: Knut Ströhmann (links) ist für die Bauausführung zuständig. Klaus-Henning von Krosigk (Mitte) und Joachim Pritzkow beraten mit ihm die Pläne.
© MZV/Melzer-Voigt

Insgesamt 44 000 Euro schießt die Stiftung zum Vorhaben hinzu. Dazu kommen noch einmal 7 000 Euro, die als Spenden gesammelt wurden, erklärt Joachim Pritzkow von der Gesamtkirchengemeinde Temnitz. Der Kirchhof sei ziemlich verwahrlost gewesen. Ein Garzer habe sich schon seit Jahren darum bemüht, dass das Areal neu gestaltet werden kann. "Er hat Anfragen an mögliche Fördermittelgeber gerichtet", erklärt Pritzkow. Bei der Sparkassenstiftung hatte der Unterstützer schließlich Glück.

Das Vorhaben ist recht umfangreich: Das Wegenetz wird vollkommen neu angelegt. Dazu kommen begrünte Flächen und einige Neupflanzungen. Außerdem werden Trittstufen und eine Rollstuhlrampe angelegt. Wichtig sei es, so Dr. Klaus-Henning von Krosigk von der Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur, dass der Hof weiterhin aktiv genutzt werden kann. Dort finden beispielsweise Veranstaltungen des Garzer Kultursommers statt. Die nächste ist für den 1. Juni geplant - ein Konzert mit Klaus Hoffmann. Bis dahin soll das Areal des Hofes wieder betretbar sein, wenn es auch bis zum Ende des Projektes noch etwas länger dauert. Am 10. Juli wird alles fertig sein. Spätestens beim großen Erntedankgottesdienst in diesem Jahr werden alle in den Genuss des neuen Kirchhofes kommen, verspricht Joachim Pritzkow.

Es sei schwierig gewesen, ein historisches Vorbild für die Gestaltung zu finden, so von Krosigk, der das Projekt betreut. Denn es gibt keine Pläne vom alten Kirchhof. Das Gotteshaus sei etwa um 1727 angelegt worden, der Turm schon im Jahr 1686. Früher seien auch Menschen auf dem Hof beigesetzt worden. "Es muss gußeiserne Grabkreuze oder Grabsteine aus der Barockzeit gegeben haben", so der Fachmann. Doch gefunden wurde dergleichen nicht. Auch die Gruft der Familie von Quast sei nicht auf dem Kirchhof selbst zu finden, denn sie liegt direkt in der Kirche unter dem Altar, wurde aber vermutlich nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges geräumt.

"Wir können aber davon ausgehen, dass ein Weg über den Hof zum Eingang der Kirche führte", so von Krosigk. Gleiches gelte für den hinteren Bereich des Areals, denn von dort hätten die Adligen das Gotteshaus betreten. "Es hat also immer Wege gegeben", sagt von Krosigk. So seien die Pläner zum jetzigen Projekt gekommen, das ein schlichtes Wegesystem vorsieht. Als einziger baulicher Schmuck existiert das bestehende Kriegerdenkmal auf dem Hof. Auch das soll ans künftige Wegenetz angeschlossen werden.

Außerdem werden die Bäume pflegemäßig überholt. Auch zwei Nachpflanzungen sind vorgesehen. "Weniger ist mehr, sage ich als Denkmalpfleger", so von Krosigk.

Mit der Sanierung des Kirchhofes ist die Umgestaltung des Garzer Kirchenareals noch nicht beendet: Auch die Mauer soll repariert werden. Doch das würde rund 65 000 Euro kosten. Bis das in Angriff genommen werden kann, werden noch einige Jahre vergehen.

Märkische Oderzeitung vom 28. Mai 2014

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