In Jühnsdorf werden 100.000 Euro für die Sanierung des Turms benötigt

Kirche mit Dachschaden

Wenn Pfarrer Steffen Wegener die Tür der Jühnsdorfer Kirche öffnet, geht immer erst ein prüfender Blick nach oben. Nicht zu Gott, sondern damit ihm kein Stein auf den Kopf fällt, denn immer wieder landen Schieferstücke und sogar ganze Ziegelsteine auf dem Rasen. Der Jühnsdorfer Kirchturm muss dringend saniert werden. „Besser gestern als morgen“, sagt Steffen Wegener.

Bärbel Wunsch, die Vorsitzende des Gemeindekirchenrats, und Pfarrer Steffen Wegener wollen den Jühnsdorfer Kirchturm retten.
Quelle: Zielke

Jühnsdorf. Wie marode die Bausubstanz ist, kann man schon von außen erahnen: fehlende Ziegel am Sims, lose hängende Schieferplatten an der Turmspitze, die Wetterfahne steht auch nicht mehr ganz gerade. Drinnen sieht es nicht besser aus. „Die Holzbalken sind ziemlich vermodert“, sagt Wegener. Offenbar regnet es bereits seit Jahren durch. Ein Gutachter hat festgestellt: Die Spitze muss komplett erneuert werden. Rund 100.000 Euro wird das voraussichtlich kosten. „Ich rechne mit etwas mehr“, sagt Wegener und hofft, dass er mit seinem Pessimismus nicht recht behält. 30000 Euro steuern die Landeskirche und der Kirchenkreis bei. Rund 40.000 Euro muss die Gemeinde selbst aufbringen – eine Menge Geld für die 2100 Mitglieder in Blankenfelde und Jühnsdorf. „Ich habe die Hoffnung, dass wir das gestemmt bekommen“, sagt Wegener. Die Gemeinde Blankenfelde-Mahlow habe bereits angedeutet, dass ein Teil der Kosten aus dem kommunalen Haushalt beigesteuert werden könnte. Der Rest muss durch Spenden aufgebracht werden. Dafür hat die Kirchengemeinde Blankenfelde-Jühnsdorf einen Förderkreis gegründet. Dieser veranstaltet immer wieder Benefizkonzerte, Lesungen und Gottesdienste, deren Einnahmen dem Kirchturm zugute kommen sollen. 1600 Flyer wurden gedruckt und werden nun verteilt. Wegener glaubt an den Zusammenhalt der Gemeinde. Schließlich war es schon seinem Vorgänger 1999 gelungen, Christen und Nichtchristen zu motivieren, das Haus zu renovieren. „So etwas hat eine gemeinschaftsstiftende Wirkung“, sagt Wegener. Was damals ging, soll auch heute möglich sein.

Zur Kirche

Im 14. Jahrhundert wurde die Jühnsdorfer Kirche als rechteckiger Feldsteinbau errichtet.
1869 kamen der Kirchturm aus gelben Ziegelsteinen und einer Schieferspitze sowie die halbrunde Apsis dazu.
1995 wurde das Dach neu gedeckt.
1999 renovierten Christen und Nichtchristen gemeinsam das Innere der Kirche. Die Jühnsdorfer Familie Bartz spendete einen Kronleuchter.
2006 ging die elektronische Turmuhr in Betrieb.
Seit 2011 sind die Sitzbänke beheizt.

Im kommenden Jahr soll das Geld beisammen sein und die Sanierung des Turms beginnen. Viele Jühnsdorfer fiebern der Rettung entgegen, ganz besonders Bärbel Wunsch. Die Jühnsdorferin ist Vorsitzende des Gemeindekirchenrats und sieht die Sanierung als eine der wichtigsten Aufgaben. Von Vorschläge, den Turm abzutragen, hält sie nichts. „Den Turm sieht man von allen Seiten. Er ist prägend für das Dorf“, sagt Bärbel Wunsch. Mit rund 15 Gottesdienstbesuchern alle zwei Wochen gehören die Jühnsdorfer zu den fleißigen Kirchgängern, sagt Pfarrer Steffen Wegener. Gerade an Festtagen wie Weihnachten oder zur Konfirmation sei „mein Schmuckkästchen“, wie er die Kirche nennt, brechend voll.

Von Christian Zielke

Märkische Allgemeine vom 16. Juni 2014

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