Kulturministerin kündigt bei Besuch neuen Denkmalfonds an

Kirchen vor dem Verfall gerettet

Die von der einstigen Burg übrig gebliebene Kirche in Bornsdorf (Kreis Dahme-Spreewald), die Großbaustelle Marienkirche und die frisch restaurierte Klosterkirche in Dahme, die reiche Ausstattung des kleinen Niebendorfer Gotteshauses – so unterschiedlich die Geschichte und der Zustand der Bauten auch sind, was sie verbindet, ist die Rettung vor dem Verfall.

Architekt Uwe Mücklausch-Wunderlich mit Ministerin Sabine Kunst.
Quelle: MAZ

Dahme/Niebendorf. Wohlweislich hatten sich Brandenburgs Kulturministerin Sabine Kunst (parteilos), Landeskonservator Thomas Drachenberg und Landesrestaurator Werner Ziems diese Orte ausgewählt, um die unterschiedlichen Herausforderungen auf sich wirken zu lassen.

Denn es soll sich etwas ändern in Brandenburgs Förderpolitik für Denkmale. „Bisher gab es eine klare Strategie, die an Erhalt und Nutzen ausgerichtet war“, sagte Sabine Kunst. „Wir haben bisher das Äußere gefördert, das wollen wir ändern. Es muss auch um den Erhalt der Ausstattung gehen.“ Sie berichtete von Plänen, unter der neuen Landesregierung eine Denkmalstiftung oder einen Denkmalfonds einzurichten, der im Notfall helfen soll. Zum Beispiel bei der Restaurierung von zwei Altarfiguren in Bornsdorf, die in zwei, drei Jahren „pulverisiert“ wären, wie es Thomas Drachenberg drastisch ausdrückte. Restmittel aus dem Verfügungsfonds der Ministerin konnten dort aushelfen.

In der zur Kulturherberge ausgebauten ehemaligen Klosterkirche Dahme sind bereits sechs wertvolle Holzskulpturen aus der Zeit um 1370 hinter Glas gesichert zu sehen. Die kunsthistorisch bedeutsamen Kostbarkeiten aus der Zeit Karls des Großen, die ursprünglich aus Wildau stammen und im Depot des Dahmer Heimatmuseums lagerten, wurden vor wenigen Jahren entdeckt und behutsam restauriert. Weitere Figuren harren noch ihrer Errettung. So finden sich in zahllosen anderen Kirchen Kunstschätze, die „erhaltenswert“ sind, befand die Ministerin.

Es geht meist nicht ohne eine Förderung, auch wenn Sponsoren und Spender noch so großzügig sind. Wie viel Kreativität und Leidenschaft dahintersteckt, wird anhand dieser wenigen Beispiele deutlich. Die jahrelange Sanierung der Kirchenhülle und des Innenausbaus geht ihrem Ende entgegen, dennoch bleiben Wünsche übrig, die Pfarrer Carsten Rostalsky und Architekt Uwe Mücklausch-Wunderlich ihren Besuchern aus Potsdam mitgaben. Zum Beispiel muss die Kanzel der Marienkirche restauriert werden, wofür 45000 Euro fehlen. Wer spenden will, kann sich auf einem Dachziegel verewigen lassen.

In Niebendorf hat die Sorge um das empfindliche Innenleben ihrer Kirche die Einwohner zusammengebracht – ob mit oder ohne Glauben. Arbeitseinsätze wurden mit Fotos dokumentiert, die Besuchern nun gern gezeigt werden. Hinzu kommen Geschichten von Spendern, die mit diesem Ort persönliche Erinnerungen verbinden. Größere Spenden und persönliches Engagement – die Benefizkonzerte sind inzwischen Tradition – haben dazu geführt, dass die Restaurierung gelang und man nun über „Sahnehäubchen“ redet. Einer der beiden, arg mitgenommenen Taufengel schwebt seit fast drei Jahren wieder im Raum, der andere Engel – vermutlich ursprünglich aus dem benachbarten Heinsdorf – liegt konserviert zur Restaurierung bereit.

Pfarrer Joachim Boekels beschreibt noch einen Nebeneffekt: Die Dorfgemeinschaft wachse bei einer solchen Aufgabe weiter zusammen. Das führt bis dahin, dass Reisebus-Gesellschaften durch die Kirche geführt und betreut werden. „Wenn es einen Anstoß gibt und etwas zu sehen ist, dann läuft es“, so seine Erfahrung, nicht nur in Niebendorf. „Wir wollen teilen, denn das Kulturgut gehört allen“, sagt der Pfarrer. Sein Kollege in Dahme sieht das genauso. „Ein Spendenaufruf für die Beseitigung von Hausschwamm bringt nicht viel“, sagt Carsten Rostalsky. Eine Kirche werde nur besichtigt, weil es etwas zu sehen gibt.

Von Martina Burghardt

Märkische Allgemeine vom 06. Juli 2014

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