Ultramarin für die Kathlower Kirche

Konzerthaus mitten im Dorf: Malermeister restauriert Perlschnur und Eierstäbe

KATHLOW Sie steht nicht unter Denkmalschutz, aber sie ist ein Schatz die Kathlower Kirche. Der Malermeister und Restaurator Klaus Petrick aus Groß Schacksdorf hat alte Rosetten, Perlschnüre und Eierstäbe wieder sichtbar gemacht. Auch der Altar soll saniert werden. Aber zuerst geht es nun um die Schäden eines Blitzeinschlages.

Klaus Petrick (l.) zeigt Dieter Perko (r.) und Rudi Schaepe, wie er den Urzustand der Kathlower Kirche festgehalten hat.
Foto: Igel
 
Rosette an der der Decke.
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Ein Pinienzapfen aus Zink.
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Rückwärts geht Dieter Perko, Bürgermeister der Großgemeinde Neuhausen/Spree, über die Wiese. Er blinzelt durch die Morgensonne hinauf zum Kirchdach: "Wahrscheinlich hat der Blitz ins Kreuz eingeschlagen. Mehrere Scheiben im Giebel zerbrachen durch die Wucht, Backsteine fielen auf die Wiese, und der Blitz sauste die Regenrinne hinunter. Zum Glück ist den Leuten, die hier an jenem Tag gearbeitet haben, nichts passiert." Der Kathlower Rudi Schaepe bringt den Schlüssel für die Kirche.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts muss die Kirche erbaut worden sein. Auf dem kleinen Feldsteinsockel richtet sich ein mächtiger Backsteinbau auf. Der Fußboden besteht aus gebrannten Ziegeln die einst kunstvoll verlegt wurden. Licht flutet durch die hohen Fenster. Den Auferstehungsaltar ziert ein schlichtes aber eindrucksvolles Ölgemälde. Jesus hebt seine Hände, die Wunden von der Kreuzigung sind sichtbar. Vor neun Jahren hatten die Kathlower mit der Wiederbelebung ihrer Kirche begonnen. Sie erwies sich als optimal für Sommerkonzerte und das Adventssingen. Und mit dem neuen Biberschwanzdach nahm die Sanierung ihren Anfang.

Die Kathlower Kirche der Schöningschen Stiftung gehörte zum Kirchensprengel Kahren. Den Einschlag einer Granate im Zweiten Weltkrieg überstand der neoromanische Bau. "Im Jahr 1962 habe ich hier geheiratet. Auch eine Kindstaufe fand danach noch statt. Aber ab 1965 blieb sie durch die DDR-Zeit hindurch ungenutzt", erinnert sich Rudi Schaepe. Die LPG habe mal einen Schuppen daraus machen wollen, Garage sollte sie werden, Wohnhaus, Domizil einer Sekte. "Ist zum Glück alles nichts geworden. Und der Gemeindekirchenrat lehnte ab: In Kathlow gebe es zu wenig Christen", erinnert sich Schaepe.

1997 war sie endlich wieder richtig voll. Über 70 Gäste, darunter Angehörige uralter Adelsfamilien der Cottbuser Region wie von Pannwitz, von Schönfeldt auf Gulben und von Schöning, erlebten die feierliche Umbettung Helene Katharinas von Pannwitz (1623 - 1647), ihres Gatten Chri stoph von Pannwitz, Herr auf Kathlow, Schlichow und Haasow, und dessen zweiter Frau Eva Lucretia. Ihre Gebeine waren kurz zuvor unter einem Wohnhaus gefunden und vom akribischen Ortschronisten Walter Scheetz identifiziert worden. Für die Gebeine wurde im August 1997 eine Gruft in der Kathlower Kirche ausgehoben. Die Kirche ging wie ihre Sergener Schwester als kommunales Eigentum an die Gemeinde. Damit reifte die Idee, sie zu beleben und zu sanieren.

Für den Malermeister Klaus Petrick und sein Team war die Dorfkirche ein kleines Wunder. Petrick hat viel Erfahrung im Restaurieren in Branitz, in Neuhardenberg, im Kloster Neuzelle. Das Erbe eines 90-jährigen Malermeisters half ihm, auch das richtige Ultramarinblau für die Ornamente über dem Fries in Caput Mortuum einem hellen Rot zu finden. Durch den Stuck ziehen sich Perlschnüre und Eierstäbe. Für die Kassettendecke mit den Palm- und Blütenornamenten wurden Schablonen gebaut. Und Pinienzapfen Zinkgüsse verdecken gereinigt die dicken Balkenschrauben. Die Tür wurde in der Tischlerei Erdmann in Kahsel nachgebaut und auf einen Rat des Cottbuser Architekturbüros Wanta in drei Grüntönen bestrichen.

Petrick entdeckte Kniffe seiner Ahnen beim räumlichen Malen neu und vertiefte sich wieder in die Beschaffenheit alter Wandfarben wie Kalkkaseinfarbe, die mit Kalk und Magerquark angerührt wird und mit der sich Holz streichen lässt, ohne dass es glänzt.

Dieter Perko freut sich über das Kathlower Engagement. Bei der Sanierung halfen sie mit. Steht ein Konzert oder die Hubertusmesse an, putzen sie ihre Kirche. Geld gesammelt wird nun für den Altar, und die Giebelfenster brauchen neue Scheiben.

Annett Igel

Lausitzer Rundschau vom 23. Juli 2014

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