Sanierung der Dorfkirche zu Cammer soll dieses Jahr beendet werden

Falsches Datum auf der neuen Wetterfahne

Ein Zahlendreher sorgt schnell für Gesprächsstoff in Cammer. Wo auf der alten Wetterfahne noch „1779 – 1975“ stand, war auf der frisch restaurierten „1797 – 2014“ zu lesen. Pikant an der Geschichte: Schon zur Beginn der Planung für die Kirchensanierung sind die falschen Ziffern in die Bauzeichnungen gelangt. Und niemand hat es gemerkt.

Zahlendreher: Selbst bei der Probemontage der neuen Wetterfahne fiel der Fehler nicht auf.
Quelle: Privat

Cammer. Durch ein peinliches Malheur ist die Kirche zu Cammer zum Dorfgespräch geworden. Ein kurzer Moment genügte, um das ganze Dorf in Aufregung zu versetzen. Als kürzlich bei den laufenden Sanierungsarbeiten am Gotteshaus zur Probe die neue Wetterfahne auf die Turmspitze gesetzt wurde, klickten auch Fotoapparate. Einen Tag später machte der örtliche Bäcker mit einer Gegenüberstellung auf einen gravierenden Fehler aufmerksam. „Guckt mal genau hin“, forderte Toralf Wernitz und zeigte zwei Bilder. Darauf zu sehen sind die alte und die neue Wetterfahne. „1779 – 1975“ war in die alte gestanzt. Auf der neuen kann man die Jahreszahlen „1797 – 2014“ lesen. Dieser Zahlendreher sorgt schnell für Gesprächsstoff im Dorf.

Pikant an der Geschichte: Schon zur Beginn der Planung für die Kirchensanierung sind die falschen Ziffern in die Bauzeichnungen gelangt. Und niemand hat es gemerkt. Nicht der Gemeindekirchenrat, nicht der Pfarrer, nicht der Architekt. „Ich muss die Schuld auf mich nehmen, ich habe den Zahlendreher produziert“, gibt Wolfdietrich Max Vogt zu. Jetzt wird die Wetterfahne neu erstellt, kündigt der Architekt an.

Annerose Lukas vom Gemeindekirchenrat hat unterdessen bereits eine Kapsel mit Erinnerungsstücken gefüllt, die in der neuen Kirchturmspitze der Nachwelt überliefert werden sollen. Darin sind ein Informationsblatt aus Cammer, Münzen im Wert zwischen einem Cent und einem Euro, eine aktuelle Liste der Mitglieder des Gemeindekirchenrats und der am Bau beteiligten Pfarrer sowie Architekten und Firmen enthalten. „Wir waren enttäuscht, dass in der alten Zier nichts Ähnliches gefunden wurde“, sagt Annerose Lukas. Ganz zum Schluss wurden auch eine aktuelle Ausgabe der Märkischen Allgemeinen Zeitung vom Tage beigelegt sowie eine Preisliste einiger Grundnahrungsmittel wie Butter, Milch und Brot. Die Kapsel wurde bereits in die vergoldete Kugel, die so genannten Turmzier, eingelegt. Aufgesetzt werden kann sie jedoch erst mit der überarbeiteten Wetterfahne.

Beendet werden sollen die Sanierungsarbeiten an der Gebäudehülle der Kirche möglichst noch in diesem Jahr, hofft Wolfdietrich Max Vogt. Über den weiteren Fortgang soll am nächsten Montag in Zusammenarbeit mit der Denkmalschutzbehörde entschieden werden, erklärt der Architekt. Vor allem soll dann die Farbgebung festgelegt werden. Der Sockel könnte dabei in Ockergelb gestrichen werden. Wie der Architekt weiter berichtet, sollen die vom alten Putz befreite Kirche und der zum Teil neu aufgemauerte Turm voraussichtlich neu verputzt werden. „Die oberste Einheit des Turms wird auf jedem Fall glatt verputzt“, so Vogt. Dagegen sollen die großen Steine im Klosterformat sowie die Feldsteine nur geschlämmt werden. „Durch den dünnen Putz sieht man dann die Struktur der Außenwände“, erklärt der Baubetreuer.

Historische Daten nicht überliefert

Das genaue Baujahr der Kirche zu Cammer ist nicht überliefert.
Das Gotteshaus wurde in drei Bauabschnitten errichtet. Zunächst wurden Ein Teil des Kirchenschiffes und der Feldsteinturm gebaut. Im Zweiten Abschnitt erfolgten die Erhöhung des Turmes und die Verlängerung des Kirchenschiffes. Auch für diese Arbeiten ist das Datum unbekannt. Im dritten Abschnitt erfolgte 1779 die Erweiterung des Kichenbau auf dessen heutige Form.
Der Einbau der Orgel folgte 1882. Im Jahr 1903 kam die Kirchturmuhr hinzu. 1975 erfolgte die letzte Sanierung der Kirche durch Einwohner von Cammer.
Im Jahr 2012 übergab Brandenburgs Kulturministerin, Sabine Kunst (parteilos), eine Förderung des Landes über 60000 Euro zur Sanierung der Kirche.

Er erwartet bereits jetzt zusätzliche Kosten. Grund sind große und schwierigen Mehrarbeiten am Kirchturm. Bisher stehen für die Sanierung der Kirche rund 330000 Euro bereit. Davon wurde ein Fünftel durch das Land Brandenburg gefördert. Eine Innensanierung ist vorerst nicht geplant. „Die tatsächlichen Gesamtkosten sind erst nach den Entscheidungen am Montag genau und seriös zu ermitteln“, sagt der trotz seiner Versetzung noch weiter für den Bau zuständige Pfarrer Jens Meiburg. Dann könne der Gemeindekirchenrat überlegen, wie das Defizit gedeckt werden kann. „So könnte er eine unterstützende Beihilfe bei der Landeskirche oder einen weiteren Kredit beim Kirchenkreis, der über die bisherige Summe von 20000 Euro hinaus geht, beantragen“, so Meiburg.

Von Andreas Koska

Märkische Allgemeine vom 13. August 2014

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