Jesusfigur für Grüneberger Kirche

Volkmar Ernst

Grüneberg (MZV) Seit Pfarrer Gerhard Gabriel die Jesusfigur das erste Mal im Atelier des Bildhauers gesehen hat, war es sein Wunsch, diese in die Obhut der Kirche zurückzuholen. Nun schmückt der auferstandene Jesus die Grüneberger Kirche.

In der Grüneberg Kirche: Pfarrer Gabriel mit der geschenkten Jesusfigur in der Kirche.
© Volkmar Ernst

Ganz vorsichtig, als könnte die Berührung das Holz beschädigen, nähert sich Gabriel der Skulptur, die einen Ehrenplatz in einer Nische gegenüber der Eingangstür bekommen hat. Wer in die Kirche kommt, blickt als erstes auf den auferstandenen Jesus, der heute Abend zu Beginn des Konzertes der Zwölftklässler des Dresdner Kreuzchores offiziell in der Dorfkirche enthüllt wird.

Aus dem Jahre 1720 oder 1721 und einer Stadt im Anhaltinischen soll die Figur stammen, sagt Gabriel. Das Besondere: Es handelt sich um den auferstandenen Jesus. "Sehen sie dort, an den Füßen sind die Wunden zu sehen, die die Nägel in das Fleisch des Mannes gerissen haben, als er ans Kreuz genagelt wurde beziehungsweise daran hing", erklärt Gabriel. Dann zeigt er auf eine angedeutete Wunde an der Seite der Brust. Auch sie sei ein Beleg dafür. "Die Soldaten haben in das Fleisch gestochen, um zu sehen, ob der Delinquent auch wirklich tot sei. Rann noch Blut, so sei das ein Indiz für Leben gewesen, so der Pfarrer weiter. Eine andere Möglichkeit, den Tod zu prüfen, sei gewesen, dem Gekreuzigten die Beine zu brechen. Doch solche Anzeichen gebe es an der Figur nicht.

Dass sich Gabriel über die Figur freut, ist im anzusehen. Immer neue Details fallen ihm auf. "Sehen Sie dort, die drei nach oben ausgestreckten Finger an der rechten Hand. Sie stehen für den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist. Die beiden angewinkelten Finger für den Glauben und die Demut", so Gabriel.

Dass ein solches Kleinod sakraler Kunst einst von einem Pfarrer aus der Kirche verbannt wurde, ist für ihn ein Mysterium. Umso mehr freut er sich, der Skulptur nun wieder in seiner Kirche ein Zuhause geben zu dürfen. Retter der Jesusfigur war sozusagen der Bildhauer Gerhard Rommel. Er kaufte sie in den Anfangsjahren der DDR einem Pfarrer im Anhaltinischen ab. Der hatte für die Figur im Kirchenschiff keine Verwendung mehr. "Sie wäre entweder auf dem Kirchenboden oder aber sogar im Schredder gelandet", vermutet Gabriel. Doch dieses Schicksal blieb ihr erspart. Dafür zierte sie Rommels Atelier, wo Gabriel das Kunstwerk entdeckte. Doch seine Bitten, ihm die Figur zu geben, überhörte Rommel geflissentlich. Nicht einmal die gute Zusammenarbeit bei anderen Projekten half dem Grüneberger Pfarrer. Immerhin schmücken zwei Steelen Rommels den Eingangsbereich am Turm der Kirche. 2002 hat er diese, die den Kindern der Welt gewidmet sind, der Kirche geschenkt. Das Glas Milch steht für die Idee Allendes, das jedes Kind wenigstens einmal am Tag ein solches Glas trinken soll. Geschaffen hat Rommel die Steelen anlässlich des Sturzes von Chiles Präsident Allende.

Nach dem Tod von Gerhard Rommel hat sich seine Witwe an das stete Bitten Gabriels erinnert und der Kirche nun die Figur gegeben.

Märkische Onlinezeitung vom 17. August 2014

   Zur Artikelübersicht