Rettungsplan für kostbaren Ruhlander Schatz

Restaurierung der in der Lausitz einmaligen Altarfragmente aus Holz kostet 15 000 Euro

RUHLAND Dieser Schatz aus dem 15. Jahrhundert braucht dringend Hilfe: Er ist von Holzwürmern durchlöchert, Farbschichten lösen sich, im Holz klaffen Risse, die Oberfläche strotzt vor Verunreinigungen. Wenn die von Christus und Gottvater eingerahmte Mondsichel-Madonna wieder in altem Glanz erstrahlen soll, dann muss die Ruhlander Kirchgemeinde ein kleines Wunder vollbringen. Ein Rettungsplan ist in Arbeit.

Ruhlands Pfarrer Reinhold Schiele mit Brandenburgs Kulturministerin Sabine Kunst (parteilos) vor dem hölzernen Mittelteil des Marienschreins mit einer Mondsichel-Madonna.
Foto: Andrea Budich

Im Geld sammeln sind die Ruhlander einsame spitze. Das haben sie eindrucksvoll bewiesen, als ihr Kirchturm 2005 drohte umzufallen. Binnen eines halben Jahres hatten sie damals 20 000 Euro gesammelt. Auch die Orgel konnte dank großzügiger Spenden restauriert werden. An weiteren "Baustellen" mangelt es der Ruhlander Kirchgemeinde indes nicht. Die große Glocke ist stillgelegt, die Glockenstühle marode und das Dach schreit gleichfalls nach einer Reparatur. Und jetzt noch die heilige Madonna!

Fördertöpfe anzapfen

Eine Schadensanalyse und Restaurierungskonzeption hält Dr. Reimar Danneberg, der Vorsitzende des Gemeindekirchenrates, entschlossen in der Hand. Zwischen 13 000 und 15 000 Euro werden benötigt, damit die beiden Altarfragmente aus dem 15. und 16. Jahrhundert gereinigt, repariert und zumindest teilweise restauriert werden können. Geld, das selbst die sammelfreudige Gemeinde auf längere Zeit nicht aufbringen kann. Ein Rettungsplan für die beiden kostbaren Reliefgruppen ist deshalb notwendig.

Von der Gefahr, dass die farbig gefassten Figuren als einmalige Zeitzeugen einer längst vergangenen Epoche unwiederbringliche Verluste erleiden könnten, davon hat sich am Montag Kulturministerin Sabine Kunst (parteilos) überzeugt. Sie schlägt zunächst den Kontakt zum Brandenburger Landesamt für Denkmalpflege vor, damit Experten für Holzaltare die Ruhlander Schätze bewerten können. Nach der Dringlichkeit des Erhaltungszustandes könnte dann der Fördertopf "Alte Kirchen" mit einem jährlichen Gesamtbudget von rund 1,3 Millionen Euro auch für Ruhland geöffnet werden.

Lottomittel herlotsen

Sein großes Interesse, dass sowohl Reparatur als auch Restaurierung zeitnah in Gang kommen, unterstreicht auch Ruhlands Amtsdirektor Roland Adler. Er sichert Unterstützung zu, wenn es darum geht, Förderanträge zu stellen. Vielleicht könne die Stadt Ruhland sogar einen finanziellen Anteil leisten, sagt Adler mit Blick auf die erhöhten Schlüsselzuweisungen fürs kommende Jahr zu.

Am Rettungsplan beteiligt ist auch SPD-Landtagsabgeordnete Gabi Theiss. Wenn sie mit dem Schwarzbacher Chor in der Kirche singt, dann hat sie die beiden kostbaren Altar-Reliefs an der Nord- und Südwand des Chorraumes immer im Blick. Sie hat bereits dafür gesorgt, dass ein Antrag auf finanzielle Unterstützung beim Land vorliegt. Ähnlich wie bei der Orgelrestaurierung in Klettwitz sollen Lottomittel auch nach Ruhland gelotst werden.

Wenn alle Beteiligten Wort halten und der Plan als Gemeinschaftswerk am Ende tatsächlich aufgeht, dann könnte die Mondsichel-Madonna mit Kind bald wieder in historischem Glanz erstrahlen. Die Gewänder in orange-roter Original-Farbgebung mit Blattgold verziert. Ob Pfarrer Reinhold Schiele den Startschuss für die Arbeiten noch mitverfolgen kann, ist jedoch fraglich. Er verlässt noch vor Weihnachten nach sechseinhalb Jahren die Lausitz wieder in Richtung Südafrika.

Dass die über viele Jahrzehnte auf dem Dachboden vergessenen Altarbilder jetzt wieder in den Mittelpunkt gerückt sind, ist für die Ruhlander Kirchgemeinde aber ein erster wichtiger Zwischenschritt.

Zum Thema:

Die erste Kirche wurde im Fischerort Ruhland im Jahr 1342 erbaut.Bei großen Feuersbrunsten ist die Kirche dann sechs Mal abgebrannt. Der letzte große Stadtbrand ereignete sich im Jahr 1768. Die beiden Altarfragmente, die heute an der Nord- und Südwand des Chorraumes der Kirche hängen, könnten von einem Marienaltar der alten vor 1772 zerstörten Kirche stammen. Sie hingen später in der Begräbniskapelle am Friedhof Ruhland. Die Kapelle ist im Jahr 1902 abgebrannt. Die Altare wurden dann auf dem Kirchendach eingelagert und gerieten in Vergessenheit.

Andrea Budich

Lausitzer Rundschau vom 26. August 2014

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