Die Häsener Glocke läutet wieder

Häsen (GZ) Die Glocke der Häsener Kapelle ist an ihrem neuen Standort eingetroffen. Seit dieser Woche befindet sie sich auf dem gemeindlichen Friedhof von Häsen.

Baracke mit Geschichte: Das Holzhaus in Häsen soll nicht einfach abgerissen, sondern bewahrt werden.
© MZV

Genutzt wird die Kapelle in Häsen bereits seit September vergangenen Jahres nicht mehr. Mit einem feierlichen Abschlussgottesdienst wurde das Gebäude entwidmet. Der barackenähnliche Bau ist stark sanierungsbedürftig. Mehrere Tausend Euro müssten investiert werden. Hinzu kommt, dass sich das Gebäude auf einem Privatgrundstück befindet. Insofern hat sich die Gemeinde des Pfarrsprengels Gutengermendorf/Häsen, dem neben Häsen noch Klevische Häuser, Neuhäsen und Hoppenrade angehören, dazu entschlossen, das Gebäude aufzugeben. Doch es soll nicht einfach abgerissen und entsorgt werden, es soll eine Zukunft haben, wenn auch nicht in Oberhavel, sondern in Teltow. Denn bei der Häsener Kapelle handelt es sich nicht um einen klassischen Kirchenbau, sondern um einen aus Holz errichteten Barackenbau mit Geschichte.

Schon in Fontanes Wanderungen ist nachzulesen, dass der Gutsherr von Häsen auf einen eigenen Kirchenbau verzichtete und stattdessen zum Gottesdienst nach Liebenberg fuhr, dem das Gut unterstand. Interessierte Einwohner nahm er mit.

Doch nach dem Zweiten Weltkrieg und in Zusammenhang mit der Umsiedlung der Bewohner der ehemaligen Ostgebiete kamen viele Flüchtlinge auch nach Häsen. Sie erhielten Land, auf dem sie siedelten, und bauten sich schließlich auch eine eigene Kapelle im Ort. Das Grundstück stellte jemand privat zur Verfügung, das Holz für den Bau wurde aus Grüneberg geholt. Es stammt von den ehemaligen Baracken des dort ansässigen Rüstungsbetriebes.

Genau diese historische Verbindung ist nun auch der Grund, weshalb die Kapelle nicht einfach abgerissen und das Baumaterial entsorgt werden soll.

In Teltow standen auch solche Baracken, doch von ihnen ist nichts mehr übrig. Nun soll auf dem dortigen Friedhof, da die Totenhalle saniert werden muss, die Häsener Kapelle aufgebaut werden. Sie wird zuerst als Ersatz für die Totenhalle dienen. Nach deren Sanierung, so die Informationen von Pfarrer Tobias Ziemann, soll die Baracke zu einem Gedenkort umgebaut werden, in dem an die Grauen der Naziherrschaft und das Leiden der Zwangsarbeiter erinnert wird.

In einem ersten Schritt wurde nun die 1955 gegossene Kirchenglocke auf den gemeindlichen Friedhof von Häsen umgesetzt. Ihr Klang soll ertönen, wenn Beerdigungen oder Veranstaltungen stattfinden.

Doch mit einfach ab- und woanders wieder aufbauen ist ein solches Vorhaben in Deutschland nicht zu machen. Gut 12 000 Euro mussten die Gemeinde Löwenberger Land aufbringen, um Planung und Baugenehmigung auf den Weg zu bringen. Nun aber steht der Turm und wurde die Glocke eingehängt. Die noch fehlenden Dachziegel werden in den nächsten Tagen auf den Turm gesetzt

Märkische Onlinezeitung vom 27. August 2014

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