Ahlsdorf erlebt einen der schönsten Tage

Kirche nach Grundsanierung am Sonntag wieder eingeweiht / Mehr als 200 Besucher beim Festgottesdienst

AHLSDORF Weithin tönen die Ahlsdorfer Kirchenglocken am Sonntag übers Land. Sie rufen zum Festgottesdienst. Das Portal ist mit frischem Grün umrankt. Die Kirchentüren stehen weit offen erstmals wieder seit dem Sommer 2011. Damals war die Decke überm Altar heruntergebrochen. 700 000 Euro kostete die Grundsanierung des Gebäudes. Jetzt wirkt der Innenraum strahlender als je zuvor.

Kein Platz ist am Sonntag beim Festgottesdienst zur Wiedereinweihung der Ahlsdorfer Kirche nach der umfassenden Sanierung frei geblieben.
Foto: Gabi Zahn/gzn1

Erwartungsvoll sitzen die Besucher dicht beieinander, als die Musiker des regionalen Bläserchores jenes Musikstück anstimmen, das weltweit zu höchst feierlichen Momenten gespielt wird: "The Prince of Denmarks March" von Jeremiah Clarke. "Ich kann es noch gar nicht glauben, dass wir diesen Augenblick heute erleben", beschreibt Pfarrer Volkmar Homa sein Hochgefühl. Er steht genau dort, wo sich am 20. August 2011 ein Bild der Verwüstung zeigte: "Überall dicker Staub. Hier vor dem Altar lagen gesplitterte Dachbalken und Putzbrocken. Was für ein Glück, dass sich zum Zeitpunkt des Einsturzes niemand in der Kirche befunden hat!"

Allen war damals klar: Der Schock darf nicht lähmen, er muss mobilisieren. Sonst ist das im 14. Jahrhundert aus Feldsteinen erbaute Gotteshaus, das in die Kirchenstraße Elbe-Elster integriert ist, auf lange Zeit wenn nicht gar für immer verloren.

Die Ahlsdorfer freuen sich, in Propst Siegfried Kasparick (l.) jemanden wiederzusehen, der selbst in der Region aufgewachsen ist.
Foto: gzn

Für das engagierte Wirken, das sich in der Folge entwickelt, zollt Propst Siegfried Kasparick aus Wittenberg in seiner Predigt großen Respekt. Vielen Anwesenden ist er gut bekannt. Kasparicks Vater war von 1954 bis 1968 Pfarrer in Schönewalde. "Kirchen geben Dörfern ihre Mitte. Hier wird gewachsene Kultur sichtbar. Das haben Menschen unterschiedlicher Konfession erkannt." Damit meint er die Interessengemeinschaft "Kranichgrund" und alle Ahlsdorfer Bürger.

Ursache des Unglücks ist eine Braunfäule im Gebälk, die jahrzehntelang unbemerkt blieb. Daraufhin steht fest, dass die Kirche nicht nur einer Reparatur, sondern einer Grundsanierung bedarf. Diese erforderte Gutachten und Anträge, ebenso eine intensive Kommunikation zwischen Gemeinde, Fachleuten, kirchlichen und staatlichen Behörden. Viele Male hatte die RUNDSCHAU über die Situation berichtet. Auch das Denkmalschutz-Magazin "Monumente" schrieb darüber. Auf diese Weise sensibilisiert, kamen finanzielle Zusagen von öffentlichen, kirchlichen und privaten Geldgebern, die eine Summe von 700 000 Euro erreichten. "Damit konnten auch solche Dinge saniert werden, die nicht förderfähig sind", lässt Homa wissen.

Nach dem Gottesdienst folgen die Gäste der freundlichen Einladung der Kirchengemeinde, an der großen Kaffeetafel Platz zu nehmen. Familie Meuschel-Wehner hat dafür die Festscheune geöffnet und beteiligt sich rege am Geschehen. Die Ausstellung von Gerhard Zwanzig zur Geschichte der Ahlsdorfer Kirche findet große Aufmerksamkeit. Pfarrer Homa zeigt einen Lichtbildervortrag, in dem vom Unglückstag angefangen alle Arbeiten dokumentiert sind. Architekt Onno Folkerts lobt das gute Miteinander: "Die einen arbeiteten vor Ort, andere haben in den Behörden die Voraussetzungen dafür geschaffen."

Dr. Hans Krag vom Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg wünscht den Ahlsdorfern ein stets gut besuchtes Gotteshaus: "Wir hatten unter unseren Mitgliedern Geld für die Notabdeckung des kaputten Dachs gesammelt und für weitere Spenden geworben." Diesen Helfern der ersten Stunde wird ebenso herzlich gedankt wie allen anderen Beteiligten.

Bernd Hillner aus Jüterbog, ein gebürtiger Ahlsdorfer, fasst in einem Satz die feierliche Stimmung zusammen: "Das ist der schönste Tag in diesem Jahr." Pfarrer Homa zeigt schmunzelnd auf die Eingangsstufen des Kirchenportals: "Wir mussten sie auswechseln, weil sie völlig ausgetreten waren. In zehn Jahren machen wir das gern wieder."

Gabi Zahn / gzn1

Lausitzer Rundschau vom 02. September 2014

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