Feuchte dringt durch Mauerwerk

Steffen Göttmann

Bad Belzig (MZV) Drei Jahre musste die kostbare Papeniusorgel in der Stadtkirche St. Marien schweigen. Am vergangenen Sonntag wurde "Papenia", wie sie liebevoll genannt wird, mit einem Festgottesdienst wieder ihrer Bestimmung übergeben: Gott zur Ehre und der Gemeinde zur Freude.

Schäden: Die Giebelaufmauerung im Vordergrund bröckelt, das Schieferdach ist undicht.
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"Die Kirche wurde 1890 gebaut und ist vollständig erhalten, sagte der promovierte Architekt Klaus Schmidt vom Büro Krekeler Generalplaner GmbH aus Brandenburg/Havel, das sich auf denkmalgeschützte Gebäude spezialisiert hat. An dem Gebäude sei baulich im Lauf der Jahre nichts verdorben worden. Lediglich der Zahn der Zeit habe seine Spuren hinterlassen, erklärte der Architekt bei einem Vororttermin mit Pfarrer Johannes Reimer und Hartwig Hochschild vom Gemeindekirchenrat, der den Kontakt zu den Baufirmen hält.

Das mit großflächigen Schieferplatten gedeckte Dach sei undicht und durch das Mauerwerk dringe Feuchtigkeit, was letztlich der Orgel zu schaffen machte, die derzeit für 40 000 Euro saniert wird. "Nach 100 Jahren ist ein Schieferdach am Ende", sagte Klaus Schmidt. Die Platten werden mürbe und brüchig. Dennoch werde das Dach nicht komplett erneuert, sondern nur repariert. "Wir decken das Dach, aber erneuern nur die Platten, die nicht mehr verwendet werden können", ergänzte er. Alle Bauarbeiten, betonte der Architekt, werden in enger Abstimmung mit der Unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises Märkisch-Oderland in Strausberg erledigt. Der Dachstuhl an sich sei jedoch bis auf wenige Kleinigkeiten noch vollkommen in Ordnung.

Um zu verhindern, dass von außen Feuchtigkeit eindringt, müssten die Fugen zwischen den Klinkern neu verfüllt werden. Fehlende Fugen am Sichtmauerwerk führten zu Schäden an der Apsis und am Kirchenschiff. Besonders die Giebelaufmauerungen neigen sich wie der schiefe Turm von Pisa und wären irgendwann heruntergefallen.

Für das Verfugen der roten Klinker gibt es keine Maschine, das ist reine Handwerksarbeit. Mit der Kelle müssten brüchige Fugen gesäubert und dann wieder gefüllt werden, erläuterte Klaus Schmidt. Die beauftragte Firma musste mehrere Stellen mit verschiedenen Mörtelarten und unterschiedlicher Farbgebung verfugen. Die Untere Denkmalschutzbehörde habe ale Musterstellen begutachtet und sich für einen feinkörnigen Mörtel entschieden, der im Erscheinungsbild etwas heller ist und in der Form scharfkantig wirkt, berichtete der Architekt. "Die eindringende Feuchtigkeit hat zusätzlich zwei Balken an der Empore beschädigt, sodass sie nicht mehr tragfähig sind", erläuterte er. Sie auszuwechseln würde einerseits die Bausumme sprengen und andererseits das unverwechselbare Aussehen der Kirche stören. "Wir werden durch eine spezielle Konstruktion das Tragwerk abfangen", erklärte Klaus Schmidt.

Märkische Onlinezeitung vom 12. September 2014

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