Ein neuer Klangkörper für St. Lambertus

Bronzeglanz unter rostiger Kirchenglocke

Im Turm der Brücker Lambertus-Kirche erklingt seit dem Wochenende nun die schmucke neue „Stifel-Glocke“. Der glänzende Bronzeklangkörper ist am Sonnabend im Rahmen des wissenschaftlichen Symposiums, das dem legendären Pastor Michael Stifel (1487–1567) gewidmet war, auf dessen Namen getauft und geweiht worden.

Die zuvor feierlich geweihte Stifel-Glocke kann nun in der Brücker Lambertuskirche erklingen.
Quelle: D. Fröhlich

Brück. Frischer Glanz unter betagtem Rost. Im Turm der Brücker Lambertus-Kirche erklingt seit dem Wochenende nun die schmucke neue „Stifel-Glocke“. Der glänzende Bronzeklangkörper ist am Sonnabend im Rahmen des wissenschaftlichen Symposiums, das dem legendären Pastor Michael Stifel (1487–1567) gewidmet war, auf dessen Namen getauft und geweiht worden.

Damit verfügt die Brücker Kirchengemeinde nun neben den drei rostigen und maroden Glocken über einen intakten Klangkörper. Der 80 Kilogramm schwere Bronzeguss stammt aus der Gemeinde Cremlingen in Niedersachsen. Die 1953 gegossene Glocke samt Steuerung und Läuteanlage ist ein Geschenk der katholischen Heilig-Kreuz-Gemeinde in Veltheim. Zu dieser Pfarrei gehört die St.-Theresia-Kirche in Cremlingen, die entweiht worden ist. Zumindest die Glocke lebt nun im Fläming fort. Dort in Brück war lange nach einer Glocke gesucht worden. „Die Nachricht, dass unsere Glocken über kurz oder lang zu drei Rosthaufen zerfallen, gelangte nach Niedersachsen“, erzählte Brücks Pfarrer Helmut Kautz kürzlich der MAZ. Schnell war ein Ankauf perfekt gemacht worden. Bei der Abholung entschieden sich die Niedersachsen anders. Die bereits mit 250 Euro bezahlte Glocke wurde den Brückern spontan zum Geschenk gemacht.

Feierabend eingeläutet

In der Lambertus-Kirche sowie in den Brücker Gotteshäusern zu Rottstock, Gömnigk und in Neuendorf ist im September 2009 eine Tradition wiederbelebt worden.
Seitdem läuten die Turmglocken wieder den Feierabend ein. Um 18 Uhr erklingen sie drei Minuten lang.
Diese Tradition war lediglich an der Kirche in Brück-Trebitz nie abgebrochen worden.
Die Kirchengemeinde bedient sich inzwischen technischer Hilfe. Per Schaltuhr ist der elektrische Antrieb einiger Glockenspiele programmiert.

Seit Sonnabend gibt sie der Lambertuskirche ihren Klang zurück. Zu den ersten Ohrenzeugen gehörten Historiker und Gäste des Stifel Symposiums zum Thema „Apokalypse = Mathematik + Reformation“. Es stand unter Schirmherrschaft von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD). Am Sonnabend referierten namhafte Biografen und Wissenschaftler, die sich mit Michael Stifel beschäftigen, über den schillernden Geistlichen aus der Reformationszeit über seine Verdienste. Der legendäre Pastor und Mathematiker war von 1555 an für vier Jahre in dem damals sächsischen Planestädtchen Brück eingesetzt. Der als Hitzkopf beschriebene Wissenschaftler hatte zuvor in Lochau – dem heutigen Annaburg in Sachsen-Anhalt – zweifelhaften Ruhm erlangt, weil er den Weltuntergang für das Jahr 1533 berechnet und mit Nachdruck verkündet hatte.

Die Kirchengemeinde Brück kooperierte für die Veranstaltung im Rahmen der noch bis 2017 laufenden Luther-Dekade mit der Stadt Brück sowie der Universität Potsdam und der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

Von Thomas Wachs

Märkische Allgemeine vom 16. September 2014

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