Neuer Standort, fantastischer Klang

Bärbel Kraemer

Bad Belzig (MZV) Drei Jahre musste die kostbare Papeniusorgel in der Stadtkirche St. Marien schweigen. Am vergangenen Sonntag wurde "Papenia", wie sie liebevoll genannt wird, mit einem Festgottesdienst wieder ihrer Bestimmung übergeben: Gott zur Ehre und der Gemeinde zur Freude.

Festgottesdienst für die kostbare Papenius-Orgel.
© MZV

Unter den Gottesdienstbesuchern waren Landrat Wolfgang Blasig (SPD) und Bürgermeisterin Hannelore Klabunde (parteilos), die mit ihrer Anwesenheit die Verbundenheit zwischen Landkreis und Kirche sowie zwischen Stadt und Kirche zum Ausdruck brachten.

Pfarrer Matthias Stephan hielt die Festpredigt. Mit Worten spannte der Geistliche einen Bogen - von der durch Krieg und Gewalt in Unordnung geratenen Welt - zur neu geschaffenen Ordnung in der Marienkirche. Durch die Umstellung der Orgel gelang es, der Kirche die Freiheit des Querschiffs, dort stand die Papeniusorgel seit 1979, und der Orgel, endlich die Freiheit des Klangs zu geben.

Durch den Umzug "Papenias" ist das Instrument aber auch wieder an den Platz gerückt, der ihr nach alter mystischer Symbolik zukommt. An die Westwand der Kirche - zum Schutz der Gemeinde vor den Mächten der Finsternis - dorthin, wo auch ihre Vorgängerin, die infolge der Baumaßnahmen ab 1974 entfernte Orgel von Andreas Kahrling, stand. "Sie steht jetzt wieder am richtigen Ort und kling großartig", so Matthias Stephan zur zahlreich erschienen Gemeinde. Frisch restauriert und neu intoniert - genau so, wie es sich der Halberstädter Orgelbauer Johann Adolarius Papenius einst vorstellte, als er "Papenia" in den Jahren 1746/47 für die Kirche von Hordorf bei Magdeburg baute.

100.000 Euro waren für die Errichtung des Podestes, die Umsetzung der Orgel dorthin, sowie für ihre Reinigung und Restaurierung erforderlich. "Wir haben Spenden zwischen 5 und 10.000 Euro erhalten", so Kantor Winfried Kuntz. Mit diesen Spenden und großem Sachverstand bei der Umsetzung wurde das unmöglich erscheinende in drei Bauabschnitten möglich. "Das ist heute allemal ein Fest wert", so Pfarrer Matthias Stephan.

Auch Kantor Winfried Kuntz zeigte sich sichtlich bewegt. Er sagt: "Es war ein Erlebnis dabei zu sein, als Pfeife für Pfeife wieder eingebaut wurde. Und es ist immer noch spannend für mich an der Papeniusorgel zu spielen. Sie erzählt mir jedes Mal etwas anderes."

Dennoch sind längst nicht alle Restaurierungsarbeiten an der Orgel, die mit ihren 367 Jahren durchaus schon eine alte Dame ist - wenn auch eine strahlend schöne - abgeschlossen. Noch fehlen die Gehäuserestaurierung und zwei der drei Keilbälge, "doch das wesentliche ist hörbar", so der Kantor. Deshalb wird auch weiterhin um Spenden für den Erhalt der Königin gebeten.

Auf dem neuen Podest kann "Papania" - Dank der gewonnenen Freiheit - sich nicht nur optisch sondern vor allem klanglich viel besser entfalten. Darauf wurde nach Beendigung des Festgottesdienst mit einem Glas Orgelwein angestoßen. "Auf die Papenia - auf die Musica", so der Bad Belziger Kantor mit strahlendem Gesicht - denn mit der Umstellung hat Bad Belzigs Königin einen würdigen Standort erhalten.

Märkische Onlinezeitung vom 19. September 2014

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