Eichholzer retten "unseren lieben Gott"

In der kleinen Dorfkirche werden Holzwürmer und der gefährliche Hausbock bekämpft

EICHHOLZ Die kleine Eichholzer Kirche ist in Gefahr. Holzwürmer, aber vor allem die gefährlichen Hausböcke nagen seit langem an Bänken, Altar, Kanzel und dem einzigartigen bemalten Deckengewölbe, das Gott in Menschengestalt zeigt. Jetzt wird den Schädlingen der Kampf angesagt.

In luftiger Höhe hüllten Franz Böttger und seine Männer die Kirche ein, bevor sie im Inneren mit Gas gefüllt wurde.
Foto: Dieter Babbe
 
Foto: Dieter Babbe
 
Loch an Loch der Altar ist von Holzwürmern völlig zerfressen.
Foto: Dieter Babbe

"Wir haben lange überlegt und vor allem gespart", sagt Silke Löwe, die Vorsitzende des Gemeindekirchenrates. Denn schließlich musste Geld in Höhe eines Kleinwagens zusammenkommen von 16 000 Euro ist die Rede um die Rettungsaktion in der Kirche in Auftrag geben zu können. "Doch uns bleibt nichts anderes übrig. Wir können nicht weiter zusehen, wie unsere Kirche aufgefressen wird", sagt sie und zeigt auf die vielen Löcher im Altar und "auf unseren lieben Gott", wie Silke Löwe sagt, der in Eichholz in Menschengestalt von der bemalten Decke blickt. Seit Mittwoch sind Schädlingsbekämpfer aus Dresden am Werke sie hüllten die ganze Kirche mit Folie ein und haben Gas in das Innere geblasen. Zuvor ist von der Naturschutzbehörde überprüft worden, ob Fledermäuse in der Dorfkirche ihr Zuhause haben was nicht der Fall zu sein scheint.

"Die Schäden sind insbesondere im Turm und an der Decke ziemlich schlimm", hat Franz Böttger, der Begasungsleiter von der Firma Groli, festgestellt. Vor allem der Hausbock (der fälschlicherweise Holzbock genannt werde) hat hier ganze Arbeit geleistet. "Der frisst sich unterhalb der Oberfläche durch das Holz, was man, anders als bei Holzwürmern, zuerst nicht sieht. In einem Jahr verschlingt der Schädling etwa eine Kaffeetasse voll Holz und wir haben es hier mit etlichen Hausböcken zu tun. Das bleibt nicht ohne Einfluss auf die Statik des Turmes", erklärt der 25-Jährige der etwa 40 Kirchen im Jahr von Schädlingen befreit.

Die Eichholzer wollten kein neues Risiko eingehen. Bereits beim Bau ihrer Kirche ist es zu einem tragischen Vorfall gekommen. "Am 8. September 1904, abends um 8 Uhr, ist der Turm eingestürzt, der bereits zum Richten fertig war", gibt Silke Löwe wieder, was die älteren Einwohner überliefert haben. Wegen eines Maurerstreiks soll der gelöschte Kalk trocken geworden sein und seine Bindekraft verloren haben. Um 1860 herum soll der Turm der alten Kirche schon einmal vom Sturm umgeblasen worden sein bis dann die neue und viel größere Kirche endlich am 18. Januar 1906 eingeweiht werden konnte. "Ein drittes Mal wollten wir einen Einsturz unseres Kirchturmes nicht riskieren", sagt die Vorsitzende.

Der Altar und die Kanzel stammen noch von der alten Kirche, die bis zum Neubau in Eichholz gestanden hat, und dann verfallen ist. Teile des Altars waren zu DDR-Zeiten abgebaut worden, jahrelang verschwunden und sollten restauriert werden was nie passiert ist. Die Teile sind erst nach der Wende wieder zurückgekehrt. Auch der große Leuchter lag seit den 70er Jahren kaputt im Turm und hängt jetzt wieder, verweisen die Eichholzer auf die Kostbarkeiten in ihrer Kirche. Von 194 Einwohnern gehören immerhin 80 zur Kirchengemeinde.

72 Stunden muss das Gas, ein Sulfuryldiflourid, wie der Fachmann es nennt, in der Kirche verbleiben, wo es an verschiedenen Stellen unter Druck eingeblasen wird. "Das Gas durchdringt alles, die Wirkung ist todsicher", versichert Franz Böttger. Der Vorteil dieses Gases sei auch, dass die Kirche nach der Aktion sofort wieder betreten werden kann. Am Montag kommen die Schädlingsbekämpfer, enthüllen die Kirche wieder und öffnen die Tür. Dann sind auch jene Möbelstücke holzwurmfrei, mit denen die Kirche bei der Begasung vollgestellt war. "Nach unserem Aufruf in der Lausitzer Rundschau hatten sich viele Bürger gemeldet und ihre befallenen Möbel gebracht", sagt Silke Löwe. Eine Spende soll helfen, die Kirchenkasse bei der teuren Aktion wenigstens etwas zu entlasten.

Dieter Babbe

Lausitzer Rundschau vom 20. September 2014

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