Restauratoren im Kirchengewölbe

Uwe Spranger

Strausberg (MOZ) Die Sanierungsarbeiten im Mittelschiff der Marienkirche liegen im Zeitplan. In etwa zwei Wochen wird das Gerüst umgebaut, damit die Restauratoren von der Decke weiter nach unten rücken können. Am 3. Oktober sollen Interessierte das bereits Geschaffte aus der Nähe betrachten können.

Mit Malstock und Pinsel: Restauratorin Anke Hirsch retuschiert die Ornamente an den Gewölbekappen der Evangelischen Pfarrkirche St. Marien in Strausberg. Zum 775-jährigen Stadtjubiläum im nächsten Jahr soll das Mittelschiff wieder in vollem Glanz erstrahlen
© MOZ Gerd Markert

Maria Knackmuß sitzt auf ihrem Hocker und füllt mit einer Spritze einen Kleber hinter die Farbschicht, die ein paar Millimeter vom Putz absteht. Ein paar Meter weiter drückt Philipp Schubert einen speziellen Mörtel in einen kleinen Spalt in der Decke. Die beiden Diplom-Restauratoren bringen derzeit im Auftrag der Gramann & Schwieger GbR aus Potsdam "Joch zwei bis sechs" der Decke im Mittelschiff der Strausberger Marienkirche in Ordnung.

"Wir füllen zuerst Risse und kitten Fehlstellen", erklären die Berliner, die beispielsweise auch am Kloster Chorin und im Dom von Brandenburg/Havel ihre Spuren hinterlassen haben. Die Blumenmotive bleiben weitgehend im Originalzustand aus den 1920er-Jahren erhalten. Sie würden nach Bedarf retuschiert und ausgebessert. Die Farbe auf den großen Flächen dazwischen wird hingegen komplett erneuert. Dort sei der Staub der Jahrzehnte so stark eingebunden, dass eine Reinigung nicht mehr ausreichen würde, erklärt Maria Knackmuß. Der neue, helle monochrome Anstrich bringe dann auch die floralen Schmuckelemente besser zur Geltung.

Nach Auskunft der Restauratorin ist die Arbeit in der Strausberger Kirche "relativ einfach". Eine Kollegin habe an einem Probeabschnitt eigens eine Technologie für dieses Gebäude entwickelt. Wenn "Unvorhergesehenes" auftauche, müsse man aber bisweilen schon tüfteln, so die 41-Jährige. "Man kann eben nicht bei jeder Gelegenheit das gleiche Mittel nehmen", sagt sie. Auf jeden Fall werde nach Möglichkeit "reversibles Material" benutzt, zum Beispiel Leimfarbe, die sich bei Bedarf wieder "abnehmen" lasse.

Repariert werden in dem Zuge übrigens auch Schäden an den "Rippen", den sichtbaren Ziegelreihen im Gewölbe. Philipp Schubert zeigt auf lockere Fugen und abgebrochene Steine. Die hätten im Ursprungszustand alle den gleichen Farbton, seien später behandelt worden, erklärt der 35-Jährige. Und der Bereich über der Orgel, in dem noch originale Farbgebungen aus dem 13. Jahrhundert erkennbar waren, der aber von Kirchenbesuchern nach Wiedereinbau des derzeit zur Sanierung in Sieversdorf befindlichen Instruments nicht einsehbar ist, ist inzwischen konserviert.

Für eine fachgerechte Restaurierung allein dieses Stücks wären laut Pfarrer Rüdiger Bernhardt rund 20 000 Euro nötig gewesen. Insgesamt stehen aber "nur" 100 000 Euro zur Verfügung. Ein Viertel hat die Kirchengemeinde zusammengetragen, für den Großteil waren Fördermittel bewilligt worden.

Der Pfarrer schaut regelmäßig nach dem Fortgang der Arbeiten, bringt bisweilen Interessierte mit. In dieser Woche hatte er zum Beispiel Kinder im Schlepptau. Zum Altstadtfest am 3. Oktober will Stephan Bock vom Projekt "Offene Kirche" Neugierigen ermöglichen, auf das Gerüst zu steigen, um sich das Werk der Restauratoren aus der Nähe anzusehen. Auch Turmbesteigungen wolle man anbieten, kündigte er an.

Bis Ende Oktober, so schätzten Maria Knackmuß und Philipp Schubert, würden sie noch zu tun haben. Zum Stadtjubiläum im kommenden Jahr soll die Kirche jedenfalls wieder in vollem Glanz erstrahlen.

Märkische Onlinezeitung vom 21. September 2014

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