Marode Fenster der Niebeler Dorfkirche müssen saniert werden

Auftakt für Spendenaktion mit einem Benefizkonzert

Wenig Geld, aber viel tun. Die Dorfkirche in Niebel ist in die Jahre gekommen. Bei einem Benefizkonzert wurde jetzt Geld gesammelt, um das alte Gotteshaus zu sanieren. Gemeinsam musizierten der Jüterboger Organist Johannes Werner und der Kirchenchor Treuenbrietzen.

Schön schlicht: Die Niebeler Kirche gehört zu den ansehnlichen Gotteshäusern im Fläming. Es muss noch manches saniert werden.
Quelle: U. Klemens

Niebel. Viel zu tun gibt es an der Dorfkirche zu Niebel. „Doch das Geld ist wie immer knapp – aber es ist doch ein sehr schönes Gotteshaus“, sagt Eva-Marie Kurths-Wunderlich aus Niebel. Der kleine Treuenbrietzener Ortsteil mit seinem groß geratenen Gotteshaus hat es ihr angetan. So sehr, dass die Theologin auch nach ihrer Amtszeit als Pfarrerin blieb. Noch heute als Rentnerin ist die Wahl-Niebelerin im Gemeindekirchenrat sehr aktiv. Immerhin wurde im Januar 2010 in der Dorfkirche für sie der Abschiedsgottesdienst als Klinikseelsorgerin im Johanniter-Krankenhaus Treuenbrietzen gefeiert.

Das Wohl des 1895 gebauten und ein Jahr später unter großer Anteilnahme eingeweihten Gotteshauses liegt auch anderen sehr am Herzen. Das zeigte die große Teilnahme an einem Benefizkonzert, zu dem die Kirchgemeinde kürzlich eingeladen hatte. Gemeinsam beglückten der Jüterboger Organist Johannes Werner und der Kirchenchor Treuenbrietzen unter der Leitung des Pfarrers im Ruhestand Jürgen Lüdensdorf die etwa 50 Zuhörer mit Volksliedern zur Sommerzeit. „Es war wunderbar“, schwärmte am Ende nicht nur Eva Kurths-Wunderlich. Sie sang selbst im Chor mit und staunte vor allem über die Klanggewalt der Orgel sowie die Stimmgewalt der Zuhörer. An der Kaffeetafel, zu der die Gemeinde nach dem Konzert eingeladen hatte, wurde die Virtuosität des Organisten gerühmt, der seinerseits die Vorzüge der 119 Jahre alten „Königin der Instrumente“ pries. Mehr als 300 Euro klimperten und raschelten am Ende des Tages im Spendenkörbchen.

Orgel erklingt schon ohne schiefe Töne

Bereits saniert worden ist die Orgel in der Niebeler Kirche. Für die rund 30000 Euro teuren Arbeiten, die im Jahr 2008 gelaufen sind, brachten Einwohner gemeinsam rund 1000 Euro als Spende auf.
Das Instrument war einst von Orgelbauer Friedrich Wilhelm Lobbes, dem Nachfolger von Wilhelm Baer in Niemegk, geschaffen und 1896 in der neuen Kirche montiert worden.
Das mechanische Instrument verfügte damals über nur ein Manual. Schon 20 Jahre später wurde die Schleifladenorgel von der Potsdamer Orgelbaufirma Alexander Schuke auf eine Pneumatik umgebaut. Sie erhielt – offenbar dem Modetrend der Zeit folgend – dann zwei Manuale.
In den 1960er-Jahren folgten kleinere Reparaturen an der Orgel, die seit 2008 wieder ohne schiefe Töne klingt.

Welchen der anstehenden Aufgaben das Geld zukommen sollte, überlegten der für Niebel zuständige Treuenbrietzener Pfarrer und die Gemeinde lange gemeinsam. „Am dringendsten ist wohl die Reparatur der bleiverglasten Fenster“, sagt Gunter Seidel. „Denn wenn richtig Wind ist, drückt der die schmucken Scheiben nach innen“, erzählt der Geistliche. Er weiß, dass die bisher gesammelten 300 Euro dafür natürlich bei weitem nicht ausreichen werden. „Aber es ist nun ein Anfangspunkt gesetzt.“ Insgesamt sechs dieser, im wahrsten Sinne „gebeutelten“ Fenster warten nun auf ihre Erneuerung.

Sind diese Arbeiten erledigt, wartet der Seitengang als nächste Aufgabe auf Handwerker. Jahrelang hat heruntertropfendes Regenwasser ganze Arbeit geleistet und die hölzerne Tür morsch werden lassen. Der Weg dorthin durch den Pfarrgarten ist längst zugewachsen wie ein Dornröschenpfad. Zusammen mit der Renovierung der Tür soll dann endlich auch für einen ordentliche Spritzwasserschutz gesorgt werden.

Die angedachte Elektrifizierung der dritten Glocke im Glockenstuhl klingt dagegen eher wie Zukunftsmusik, denn Geld ist auch dafür keines da. Erst vor wenigen Jahren hat die Gemeinde 30000 Euro in die Sanierung der zusammen mit der Kirche erbauten, romantischen Orgel gesteckt. Das Ergebnis ist nicht nur sicht-, sondern auch hörbar.

„Gegen ein weiteres Benefizkonzert hätten wir natürlich nichts einzuwenden“, sagt Pfarrer Gunter Seidel gegenüber der MAZ. Und auch vom Organisten, vom Chor und von den Kaffee kochenden und Kuchen backenden Dorffrauen gab es bereits zustimmende Signale für die erneute kulturelle Hilfsaktion zugunsten der schmucken, aber sanierungsbedürftigen Niebeler Dorfkirche.

Von Uwe Klemens

Märkische Allgemeine vom 01. Oktober 2014

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