Neuer Glockenstuhl für Taucher Kirche

Jörg Kühl

Tauche (MOZ) Die Taucher Kirche verfügt über ein neues Geläut. Die Glocke stammt aus dem Kloster Maria Laach. Derzeit werden an dem Gotteshaus die letzten Sanierungsarbeiten durchgeführt. Die Glockenweihe findet noch vor Weihnachten im Rahmen eines Festgottesdienstes statt.

Prominente Herkunft: Pfarrer Kai-Uwe Folgner-Buchheister zeigt stolz den neuen Glockenstuhl, den die selbe Firma, die den Dachstuhl der Dresdner Frauenkirche gezimmert hat, angefertigt hat.
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Neu: Diese Bronzeglocke ersetzt das alte Eisen-Exemplar aus Kriegszeiten.
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Als vor wenigen Tagen die neue Glocke erstmals im Rahmen eines Testlaufes ertönte, werden sich die Ohrenzeugen über den ungewohnten Ton im Dorf gewundert haben. Der Klangkörper aus Bronze ersetzt die alte Glocke aus Eisenhartguss, die während des Zweiten Weltkriegs als Ersatz für eine konfiszierte Bronzeglocke in den Glockenstuhl eingehängt worden war. "Die Eisenglocke hatte ihren Zenit überschritten", sagt der Taucher Pfarrer Kai-Uwe Folgner-Buchheister.

Eigentlich sollte der alte Glockenstuhl nur saniert werden. Bei der Voruntersuchung stellte sich aber heraus, dass das Balkenwerk komplett erneuert werden muss. Der neue Glockenstuhl wurde von der erzgebirgischen Firma "Baugeschäft Müller" in Thalheim angefertigt. Die Firma hatte auch den Dachstuhl der Dresdner Frauenkirche gezimmert.

Der in die Sanierung des Glockenstuhls einbezogene Glockenbauer ließ seine Kontakte spielen und ermittelte, dass in der Glockengießerei des Klosterbetriebs Maria Laach eine Bronzeglocke vorrätig war, die von ihrem Auftraggeber aufgrund optischer Mängel nicht abgenommen worden war. Obwohl der Kaufpreis mehrmals gesenkt wurde, lag die Summe immer noch über dem Budget, das die Kirchengemeinde für den Ankauf der "Vorratsglocke" übrig hatte. Schließlich sprang Andreas Müller, Inhaber der erzgebirgischen Spezialfirma, in die Bresche und spendete die Glocke.

Im Zuge der Kirchensanierung wurde die Leichenhalle, die außen an den Chorraum angebaut war, abgerissen. "Ihr schlechter Zustand trat bei der Sanierung so deutlich zutage, dass es eine grundsätzliche Entscheidung geben musste", so der Gemeindepfarrer. Da dieser ohnehin an der Praxis der Aufbahrung in der Kirche festhält, entschied der Gemeindekirchenrat mit dem Segen der Denkmalbehörde für einen Abriss des maroden Anbaus.

Die Sanierung der Taucher Kirche begann im Mai dieses Jahres. Seitdem hat sich viel in und an dem Bauwerk getan. Zunächst wurde das von Schwamm befallene Dach komplett saniert: Die Beton-Dachsteine aus DDR-Zeiten wurden abgenommen, alte Sparren und Fetten erneuert. Im Anschluss wurde das Dach mit rot-buntem Kirchbiber neu eingedeckt.

Metallbaumeister Michael Neupetsch aus Herzberg, der aus Tauche stammt, rekonstruierte das Dachkreuz über dem Eingang, das in den 80-er Jahren im Zuge einer damaligen Sanierung entfernt worden war.

Die Sanierung der Taucher Dorfkirche soll noch vor Weihnachten abgeschlossen sein. In diesem Zusammenhang gebe es auch einen Festgottesdienst mit Glockenweihe, verspricht Folgner-Buchheister.

Während die Glocken im alten Stuhl von Hand geläutet wurden, wird der neue Glockenstuhl elektrisch betrieben. Künftig läuten die Glocken drei Mal am Tag: Um 7, um 12 und um 18 Uhr. Bei Beerdigungen wird es, mit Unterbrechungen, ein einstündiges Seelenläuten geben. Insgesamt wurden in der Taucher Kirche bisher rund 190 000 Euro im Rahmen der Sanierung verbaut.

Im Vorfeld der Gebäudearbeiten wurde der Altar saniert. Dabei machte der Maler und Restaurator Rostyslav Woronko im Herbst vorigen Jahres interessante Entdeckungen: Unter den grauen Lackschichten legte er Tafelgemälde aus dem 17. Jahrhundert. Nach der sorgfältigen Freilegung stellte sich heraus, dass die bemalten Holztafeln, die als Baumaterial für den Taucher Altar benutzt wurden, aus der Kirche Kossenblatt stammen. Denn als Bildmotive kamen auf der linken Seite des Altars Moses mit den Gesetzestafeln und auf der rechten Seite der Erbauer des Schlosses Kossenblatt, Generalfeldmarschall Hans Albrecht von Barfus, der sich hier als Heiliger stilisieren ließ, zum Vorschein.

Woronko setzte auch an anderen Stellen in der Kirche den Spachtel an und wurde fündig: In Teilen der hölzernen Emporenverkleidung entdeckte der Restaurator ein Tafelgemälde, das vermutlich Jesus und seine Jünger beim Abendmahl zeigt.

Märkische Onlinezeitung vom 07. Oktober 2014

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