Evangelisten erstrahlen glanzvoll

Kremmen (MZV) Der alte, in mehreren Schichten aufgetragene Firnis wird mit einem Lösemittel entfernt, schadhafte Stellen werden ausgebessert, grundiert, sowie retouchiert und zum Schluss wird eine neue Schutzschicht aufgetragen: Es ist eine schwierige und langwierige Arbeit, die Ute Gimajew in der evangelischen Nikolai-Kirche in Kremmen übernommen hat. Die Restauratorin aus Rheinsberg sorgt dafür, dass die Kanzel mit den Bildern der Evangelisten Johannes, Lucas, Matthäus, Marcus, Jesus Christus, sowie drei Texttafeln an der Treppe und Bilder von Petrus und Paulus an der Tür zur Kanzel wieder im alten Glanz erstrahlen - in Absprache mit der Denkmalschutzbehörde. Der Firnis und die über Jahrzehnte angesammelten Staub- und Schmutzpartikel haben insbesondere den Bildern die Tiefenschärfe genommen. Schon aus wenigen Metern Entfernung erscheinen sie wie schwarze Flächen. Auf den Texttafeln ist die Schrift nicht mehr gut lesbar.

Geduld und Gefühl gefordert: Ute Gimajew trägt Farbe auf eine schadhafte Stelle des Bildes von Evangelist Matthäus auf. Die Rheinsbergerin ist seit Ende August damit beschäftigt, die Kanzel der evangelischen Kirche von Kremmen zu restaurieren.
© Dirk Nierhaus

Seit Ende August arbeitet Ute Gimajew mehrere Tage pro Woche an der Kanzel aus dem Jahr 1694. "Zwei, drei Wochen habe ich bestimmt noch zu tun", sagte die 57-jährige Restauratorin. Pro Bild oder Texttafel veranschlagt sie "zwei bis drei Tage". Das Ergebnis ihrer Bemühungen kann sich sehen lassen: Wo Ute Gimajew mit ihren Werkzeugen und Pinseln am Werk war, erstrahlen die Farben wieder in satten Tönen und die Motive heben sich im Vordergrund deutlich vom dunklen Hintergrund ab.

Rund 6 000 Euro kostet die Restaurierung. "Das Geld stammt ausschließlich aus Spenden", sagt Kirchenmitarbeiter Matthias Dill. Den Anfang habe das Filmorchester Babelsberg gemacht, das die Gage für einen Auftritt in der Kremmener Kirche gespendet hat. "Damit hatten wir schon etwa die Hälfte der Kosten zusammen. Etliche private Spender sind dann aufgesprungen."

Zuvor waren bereits die Bilder von elf Aposteln und Jesus, die an der südlichen Empore angebracht sind, restauriert worden. Das hat fast zwei Jahre in Anspruch genommen. Der Kanzeldeckel und der Altar sollen auch noch aufgehübscht werden - wenn ausreichend Spendengelder zusammengekommen sind. Wer sich von den Restaurierungsarbeiten ein Bild machen möchte, kann dies täglich tun. Die Kirche ist jeweils von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

Märkische Onlinezeitung vom 14. Oktober 2014

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