Nitzahn läutet wieder Feierabende ein

Nitzahn (rez) Pfarrer Johannes Möcker hat einen ehrgeizigen Plan: Zum Gottesdienst am 1. Adventsollen die Nitzahner Kirchenglocken wieder läuten. Das berichtete er am Mittwoch seinem Gast aus dem Kulturministerium. Staatssekretär Martin Gorholt hatte soeben in der Kirche einen Fördermittelbescheid über 15.000 Euro überreicht. Das Geld will die Gemeinde dafür nutzen, die Joche für die Glocken zu erneuern und eine Funkuhr zu installieren. Die Elektronik wird an die Glocken gekoppelt. Auch neue Ziffernblätter soll es geben.

Pfarrer Johannes Möcker zeigt den Fördermittelbescheid über 15.000 Euro, den Kulturstaatssekretär Martin Gorholt am Mittwoch nach Nitzahn brachte.
© MOZ/Wernitz

Laut Möcker hängt es nun von den Zimmermännern ab, ob der Advents-Plan aufgeht. Von oben nach unten werde derzeit der Turm saniert. Viele Teile der Holzkonstruktion im Inneren müssen ausgetauscht werden, weil der Schwamm drin steckt. Schuld daran trägt das vormals undichte Dach, durch welches Wasser eindringen konnte. Das Dach ist bereits neu gedeckt, die Laterne auf dem Turm ist auch schon neu. Ebenso Kreuz und Wetterfahne mit der Jahreszahl 2014.

Laut Möcker hätte der Turm keinen Winter mehr überstanden. Sein Einsturz drohte. Um so fixer waren die Fördermittelgeber. Rund 50.000 Euro steuerte der Kirchenkreis Elbe-Fläming bei, zu dem der aus Nitzahn, Bahnitz, Jerchel, Knoblauch und Möthlitz bestehende Gemeindeverband besteht, der als Kirchspiel bezeichnet wird. 70.000 Euro gab die zuständige Evangelische Kirche in Mitteldeutschland. Zudem spendeten Gemeindemitglieder erhebliche Summen, wodurch der Eigenanteil von 38.000 Euro aufgebracht werden konnte.

"Die Notsicherung ist gelungen", so Möcker, "die Kirche ist dicht für die nächsten 100 Jahre." Nach Abschluss der Zimmerarbeiten kann es im Turm weiter gehen. Wenn auch die Installation erfolgte, ist das Geläut per Seilzug Geschichte. Dann können die Glocken per Knopfdruck und durch Programmierung betätigt werden.

Der Pfarrer kündigte an, dass es das traditionelle Feierabendgeläut an Wochentagen um 18.00 Uhr wieder geben wird. Das fünfminütige Schlagen der Glocken stammt aus der Zeit, als die Menschen auf den Feldern noch keine Armbanduhren besaßen. Felix Menzel, Bürgermeister der Gemeinde Milower Land, ergänzte, dass das Geläut auch noch in seiner Kindheit wichtig war: "Wenn die Kirchturmglocke läutet, kommst Du aber nach Hause!", soll es bei ihm immer geheißen haben. Menzel wuchs in Groß- und später in Kleinwudicke auf.

Die Glocken in Nitzahn sollen tagsüber stündlich läuten, die Häufigkeit richtet sich auch dort nach der Uhrzeit. Zur halben Stunde gibt es gewöhnlich einen Schlag. Wenngleich Johannes Möcker die Glocken schon in der Adventszeit hören will, weiß er doch, dass manches den erhofften Ablauf der Arbeiten stören kann. Wenn nicht am 1. Advent, dann eben zum neuen Jahr, sagte er mit einem Augenzwinkern. Aber definitiv sollen die Arbeiten noch 2014 beendet werden.

Märkische Onlinezeitung vom 22. Oktober 2014

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