Neue Orgel für Rüthnick

Rüthnick (MZV) Rüthnick erhält eine neue Orgel. Sie muss aber in Eigenregie zusammengebaut werden. Rüthnicks Organist Ralf-Peter Voigt übernimmt das selbst: "Für mich ist das am Anfang wie ein Zehntausend-Teile-Puzzle gewesen."

Ralf-Peter Voigt mit ner Pfeife.
© MZV/Schönberg

Etwas mehr als die Hälfte steht zusammengesetzt auf der Empore. Die charakteristischsten Teile des Instruments - die Pfeifen - liegen aber noch wohl sortiert in einem separatem Raum unter dem Dach der Rüthnicker Kirche. Ralf-Peter Voigt baut nicht allein - und natürlich nicht ohne Plan. Engagierte Hilfe hat er durch den ehemaligen Rheinsberger Kantor Hartmut Grosch, der sich selbst autodidaktisch intensiv mit Orgelbau befasst. Die Konstruktion ist klar, auch, weil das man das riesige Instrument ja selbst abgebaut hat.

Geholt worden war es aus Lüchow-Dannenberg. Die dortige katholische Kirchengemeinde hatte keinen Gebrauch mehr dafür, weil die Gemeinde sich immens verkleinert hatte. Dort reichte deshalb ein kleineres Instrument. Die Rüthnicker konnten die Orgel, die 1961 durch die Firma Krell gebaut worden war, unentgeltlich mitnehmen. Bedingungen waren nur, dass sie sich um Abbau und -transport selbst kümmerten und die kleine Seitenorgel nach oben in die Empore hievten.

Das gelang. Grosch und dessen Kinder sowie Voigt waren im Juli vorigen Jahres im Wendland, um die Orgel zu holen. Dort wurde für Voigt schon deutlich, welche Dimensionen solch ein Instrument eigentlich hat: Der Spieltisch beispielsweise lässt sich nicht auseinanderbauen und musste als ganzes Teil mit seinen 10 Zentnern Gewicht per Seilzug vorsichtig von der Empore gebracht werden. Andererseits sind da die Trakturen, hauchdünne Holststäbchen mit kleinen Schlitzen, die als Verbindungsstücke zwischen Tasten und Pfeifen dienen und sich zwar ausbauen lassen, aber extrem empfindlich in der Bearbeitung sind - was sich vor allem beim Einbau zeigen sollte.

Ostern begannen Voigt und seine Mitstreiter das Werk. Dabei ging es nicht nur darum, dass die Orgel einfach so zusammengebaut wird, wie sie auseinandergenommen wurde. Es musste auch viel geändert werden. Denn die Decke über der Empore in Lüchow-Dannenberg ist höher als in Rüthnick. Pfeifen dürfen natürlich nicht geköpft werden, sondern müssen immer eine bestimmte Länge haben. Also dachte man sich eine andere Konstruktion aus. So wurde der Prospekt, die klassische Orgelpfeifenansicht vorn, weiter nach unten zu den Tasten versetzt. Die ganz großen Pfeifen werden nicht wie vorher ins Instrument integriert, sondern außerhalb verteilt. "Wir werden also mehr in die Breite gehen und nicht in die Höhe", umschreibt es Voigt.

Aber solche Änderungen im Vergleich zum Ursprungszustand nimmt die Kirchengemeinde gern in Kauf. Rüthnick hatte mal eine Lütkemüller-Orgel auf der Empore. Sie war ebenso wie der Kanzelaltar nach dem Zweiten Weltkrieg verschwunden. Seitdem gibt es eine kleine Orgel im eigentlichen Kirchraum und eine Delhumeau-Orgel im beheizbaren Gemeinderaum im Ostteil des Gebäudes.

"Es war schon immer der Wunsch der Gemeinde, wieder auf der Empore eine Orgel zu haben", so Voigt. Eigentlich sollte es noch in diesem Jahr Wirklichkeit werden. Doch der Zusammenbau erwies sich doch als mit mehr Zeitaufwand verbunden als gedacht. Gerade die Arbeit mit den Kleinteilen, wie eben den empfindlichen Trakturen, hat es in sich. Sowohl Voigt als auch Grosch sind auch anderweitig eingebunden - Grosch durch sein Engagement für Indien, Voigt durch den Hausbau auf dem privaten Grundstück. "Wir werden in diesem Jahr aber die ersten Pfeifen schon einbauen können", schätzt der Rüthnicker ein. "Vielleicht können wir dann mit dem ersten Manual die Orgel schon bespielen", sagt er.

Unter Manual ist das zu verstehen, wohin die Hände greifen: das Tastenfeld. Zwei Manuale gibt es. Dazu acht Register, die um sechs weitere ergänzt werden sollen. Register sorgen für spezielle - kraftvolle, schnarrende oder schwebende - Klangräume, die die Orgel zu geben vermag. Voigt beherrscht sie als ehrenamtlicher Organist.

Aber alle Register ziehen, wie es der Volksmund so gerne dahersagt, würde er nie wollen. Auch nicht, wenn die neue Rüthnicker Orgel fertig gestellt ist. "Bei allen gezogenen Registern", so Voigt, "würde die Orgel so laut sein, dass alle fluchtartig den Raum verlassen würden." Dass kann auch ein Spieler nicht wollen. Der Gesang ist nun einmal die Hauptsache im Gottesdienst der Gemeinde. Doch begleitet von einer Orgel auf der Empore wie zu längst vergangenen Zeiten - das gibt auch dem Gesang eine neue Dimension.

Märkische Onlinezeitung vom 27. Oktober 2014

   Zur Artikelübersicht