Kirchenhimmel wieder sicher

Dietmar Rietz

Gartz (MOZ) Seit Wochen ist der Altarraum der Gartzer Kirche eine Baustelle. Dieser Tage vollenden Baudenkmalpfleger aus Prenzlau ihre Arbeit am Deckengewölbe. Sie machen den Kirchenhimmel wieder sicher.

Wieder am gewohnten Platz: Maurer Stephan Hintze hat das sagenbehaftete Scheffelmaß nach der Sanierung wieder an das Deckengewölbe der St. Stephanskirche in Gartz gehängt. Sein luftiger Arbeitsplatz befindet sich etwa 20 Meter über dem Boden.
© Dietmar Rietz

"Wird denn die Kirche zu Heiligabend wieder offen sein?" - Diese Frage beschäftigt die Gartzer. Pfarrer Hilmar Warnkross hat sie in den letzten Monaten immer wieder gehört. "Ja, sie wird", kann er jetzt antworten. "Die Arbeiten am Deckengewölbe werden dieser Tage abgeschlossen."

Das Deckengewölbe der Gartzer St. Stephanskirche hatte sich gesenkt und Risse bekommen. Verantwortlich dafür war ein ungewöhnliches Bauteil, das dort wie ein Fremdkörper am Kirchenhimmel prangt und die Statik stört. Maurer Stephan Hintze arbeitet in schätzungsweise 20 Metern Höhe angestrengt auf einem Gerüst, um das sogenannte Scheffelmaß wieder an seinen Platz zu bringen.

Nur das grüne Kreuz und zwei rote Kreise auf weißem Grund würden dem Betrachter von unten aus dem Altarraum erahnen lassen, dass da oben am Kirchengewölbe ein sagenhaftes Relikt seit unbekannter Zeit an die Sünden eines Gartzer Bauern erinnert. Überliefert ist, das dieser einst sein Scheffelmaß, mit dem früher Getreide abgemessen wurde für den Handel und die Ablieferung des Kirchenzehnt, manipuliert und so Kunden und Kirche betrogen haben soll. Für die Kirche war das Maß damit voll. Als Strafe und Buße wurde dem Bauern auferlegt, auf eigene Kosten ein Scheffelmaß am Kirchenhimmel zur Mahnung aufzuhängen, das rechte Maß zu nehmen.

In einer aufwändigen Konstruktion aus Flacheisen und Mauerwerk ist es vor langer Zeit in das Gewölbe eingefügt und an einem Deckenbalken verschraubt worden.

"Weil es dort aus statischer Sicht völlig deplatziert ist, wurde es oberhalb zusätzlich an einen Deckenbalken gehängt", erklärt Pfarrer Hilmar Warnkross beim Baustellenbesuch in Schwindel erregender Höhe das entstandene Problem. "Die Konstruktion riss ab und geriet aus den Fugen, weil der biegsame Deckenbalken die starre Konstruktion auf Dauer nicht sichern konnte. Das Scheffelmaß wurde rausgedrückt, das Gewölbe bekam Risse."

Der erfahrene Bauhandwerker Stephan Hintze und sein Kollege Andreas Kuschel haben so etwas noch nie in ihrem Berufsleben gesehen. Ihre Firma Baudenkmalpflege Prenzlau und der Prenzlauer Statiker Prof. Dirk Werner haben den Auftrag zu dieser anspruchsvollen Sanierungsaufgabe übernommen und eine Lösung gefunden, die den Kirchenhimmel samt Scheffelmaß rettet.

Andreas Kuschel arbeitet mit Atemschutzmaske auf dem Dachboden daran, die Risse im Gewölbe fachgerecht zu schließen. Unten befestigt Stephan Hintze den Maßbehälter wieder an seinem Ursprungsplatz. Ihre Konstruktion macht den Kirchenhimmel sicher, selbst wenn der Deckenbalken leicht schwingt.

Der Landkreis, der Kirchenkreis und Spenden aus der Gemeinde haben die Finanzierung der Sanierung ermöglicht. "Neben vielen Einzelspendern sind wir insbesondere den Frauen unseres Handarbeitskreises, die seit Jahren für den Erhalt unserer Kirche in Gartz arbeiten, zu ganz besonderem Dank verpflichtet", erinnert Pfarrer Warnkross an das Engagement für das Gartzer Wahrzeichen. "Wenn auch so viel Engagement im Verborgenen geschieht, ist doch auch hier in Gartz zu sehen, dass die St. Stephanskirche den Menschen sehr am Herzen liegt. Wenn am Heiligen Abend die Kirche wieder mit hunderten Besuchern gefüllt ist, können wir uns gemeinsam an unserem Werk freuen."

Märkische Onlinezeitung vom 16. November 2014

   Zur Artikelübersicht