Der schiefe Kirchturm hat sich stabilisiert

Geierswalder Wahrzeichen neigt sich nicht mehr / Auch ein Riss im Kirchenschiff arbeitet nicht weiter

GEIERSWALDE Er gilt als eines der Wahrzeichen des Lausitzer Seenlandes. Der schiefe Kirchturm von Geierswalde weckt bei vielen Touristen Neugier. Doch seit einem Vierteljahrhundert neigt sich das Bauwerk nicht weiter nach Westen.

Der schiefe Kirchturm von Geierswalde aus südlicher Richtung gesehen.
Foto: T. Richter-Zippack/trt1

Wer über die Hauptstraße aus Richtung Tätzschwitz nach Geierswalde einfährt, dürfte beim ersten Blick auf den markanten Kirchturm stutzen. Der Turm steht schief. Das Bauwerk neigt sich gen Westen. Wie viele Grad es genau sind, vermag im Dorf wohl niemand mit Bestimmtheit zu sagen. Doch im Gegensatz zum schiefen Turm in Pisa neigt sich das Geierswalder Pendant nicht mehr. Das versichert zumindest Günther Groba vom örtlichen Gemeindekirchenrat. "Vor rund 25 Jahren erhielt das Bauwerk einen Stahlanker, um ein weiteres Abkippen zu verhindern."

Woher die Schieflage stammt, gehe auf mehrere Ursachen zurück. Zum einen möglicherweise bereits während der Bauzeit. Der Turm wurde wesentlich später errichtet als die Kirche selbst. Zum anderen wegen des Bergbaus. Nur ein paar Hundert Meter nördlich des Gotteshauses arbeitete sich bis Anfang der 1970er-Jahre der Tagebau Koschen entlang. Durch die in dessen Vorfeld ausgelösten Grundwasserabsenkungen könnte das rund 30 Meter hohe Bauwerk Schaden genommen haben.

In jüngster Zeit ist nach Angaben von Dieter Woßlick vom Gemeindekirchenrat allerdings ein Riss aufgetreten. Allerdings zeige sich dieser nicht im Turm, sondern direkt im Kreuzgewölbe des Schiffes. Daraufhin sei an dieser Stelle eine Gipsmarke angebracht worden. "Dort haben wir keine weiteren Schäden festgestellt", fasst Woßlick die ersten Ergebnisse zusammen.

Indes gebe es hin und wieder Touristen, die sich nach dem schiefen Turm erkunden. Allerdings könne das Bauwerk nur selten bestiegen werden. Ursache sei allerdings nicht die schiefe Lage, sondern die altersschwache und schmale Treppe. Darüber hinaus bleibe die Sicht durch die Fensteröffnungen recht beschränkt.

trt1

Lausitzer Rundschau vom 26. November 2014

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