In Dahmeland-Fläming kämpfen Fördervereine um Erhalt der Gemäuer

Sorgenkind Gotteshaus

Obwohl sich seit der Wende an den Kirchen in der Region Dahme-Spreewald und Teltow-Fläming viel getan hat, bröckelt es noch immer an den Gemäuern der Dorfkirchen. Viele sind vom Verfall bedroht. Besonders auf dem Land ist die Finanzierung schwierig. Dort reicht das Geld kaum für eine Grundinstandhaltung oder eine ausreichende Pflege.

Martina Saalfeld und Doris Hübl vom Heimatverein Beuthen engagieren sich für die Instandhaltung und Sanierung des 300 Jahre alten Sorgenkindes. Die Dorfkirche im Trebbiner Ortsteil Großbeuthen ist baufällig.
Quelle: Nadine Pensold
 
Vor wenigen Wochen war die evangelische Kirche in Dahme noch eine Baustelle. Nun ist die Innen- und Außensanierung abgeschlossen. Am zweiten Advent wird der Innenraum wieder eingeweiht.
Quelle: Martina Burghardt

Der Putz bröckelt, der Dachstuhl ist marode, die Orgel längst verstummt - es gibt noch so manche Baustelle in den Kirchen der Region Dahmeland-Fläming. Seit der Wende wurde der Großteil der insgesamt 151 evangelischen Gotteshäuser in den Kirchenkreisen Neukölln und Zossen-Fläming auf Vordermann gebracht.

"Wir können zufrieden sein, aber die Arbeit ist noch nicht zu Ende", sagt Tina Kapp, Baubeauftragte des Kirchenkreises Zossen-Fläming. Denn noch immer sind 23 Kirchen stark sanierungsbedürftig, bei acht Kirchen herrscht sogar akuter Handlungsbedarf.

Das Geld reicht nicht einmal für die Grundinstandhaltung

Ein Sanierungsfall: An der Jakobi-Kirche in Luckenwalde gibt es viel zu tun.
Quelle: MAZ
 
Der Kirchturm der Großbeuthener Dorfkirche ist stark sanierungsbedürftig. Dort ist kürzlich erst ein Teil des Ziffernblatts abgefallen.
Quelle: MAZ
 
Ein Beispiel für gelungene Sanierung: die St.-Moritz-Kirche in Mittenwalde.
Quelle: MAZ

Die Situation ist vor allem im ländlichen Bereich kritisch - dort herrscht ein Rückstau bei den Instandhaltungen. Denn im Speckgürtel zählen die Kirchengemeinden noch viel mehr Mitglieder als im Süden und auch um die Finanzausstattung ist es besser bestellt. "Der Kirchenkreis hat nur begrenzt Mittel zur Verfügung. Und das, was an Baumitteln zur Verfügung steht, reicht oft nicht einmal für die Grundinstandhaltung und eine ausreichende Pflege der Kirchen aus", sagt Tina Kapp.

Deshalb werden Sanierungen anhand eines Gebäudebedarfsplans ausgerichtet, der richtet sich nach kirchenpolitischen Schwerpunkten - etwa einem Pfarrsitz - und Gemeindegrößen. Aber auch Gebäude, die in der kirchenpolitischen Bedeutung weiter hinten stehen, versuche man zu berücksichtigen, sagt Tina Kapp. "Wir wollen auch da etwas bewegen." Allerdings ist es für diese Gebäude wesentlich schwieriger, eine ausreichende Finanzierung auf die Beine zu stellen.

Fördervereine kämpfen mit vielfältigen Ideen

Doch die Fördervereine vor Ort sind einfallsreich. Es werden Benefiz-Konzerte, Weihnachtsmärkte und Kuchenverkäufe organisiert, Spendenaufrufe verfasst und es wird um Förderer geworben, damit die Dorfkirchen erhalten werden können. "Allein kann man ein Sanierungsprojekt nicht stemmen, das funktioniert nur mit Zuschüssen und Fördermitteln", sagt Doris Hübl vom Heimatverein Beuthen. Der kämpft um die Erhaltung der Dorfkirche in Großbeuthen - einem Haus in Fachwerkbauweise und mit barockem Innenleben. 300 Jahre ist die Kirche in dem Trebbiner Ortsteil alt, die Zeit hat ihre Spuren im Gemäuer hinterlassen. Die Stützträger des Gebäudes sind angegriffen, ein Holzgerüst neben den Sitzbänken stabilisiert nun die Kirche. Auch der Turm ist stark sanierungsbedürftig, vor wenigen Wochen ist sogar ein Teil eines Ziffernblattes abgefallen.

700.000 Euro-Sanierung in Großbeuthen

Mittlerweile gibt es einen Untersuchungsbericht zum Bauzustand der Großbeuthener Kirche. "Das war ein niederschmetterndes Ergebnis", sagt Martina Saalfeld vom Heimatverein. Nun steht eine Summe von 700.000 Euro für die Sanierung im Raum. Doch die evangelische Gemeinde zählt nur etwa 30 Mitglieder im Ort, das sind nicht viele, um ein solches Projekt zu stemmen. Etwas Gutes scheint die Sache aber zu haben: Je schlimmer es um die Kirche steht, desto mehr Unterstützung erfährt die Rettung des Gotteshauses. "Viele haben erkannt, dass die Kirche zum Ort gehört", sagt Doris Hübl.

Hintergrund

Engagement muss sichtbar sein

Die Halber Kirche ist im Stil des Historismus gebaut und an den englischen Landhausstil angelehnt. An der 100 Jahre alten Holzdecke kann man frühere Wasserschäden erkennen.
Quelle: MAZ
 
Eckhart Köther kümmert sich als Vorsitzender des Fördervereins Dankeskirche Halbe um die Bewahrung der Dorfkirche. Zu ihren Besonderheiten gehört ein seltener Kanzelaltar.
Quelle: MAZt

"Die Kirche ist zum Glück wieder zu einem Treffpunkt geworden", sagt auch Eckhart Köther. Er ist Vorsitzender des Fördervereins Dankeskirche Halbe. Auch dieses Gotteshaus gehört zu den Sorgenkindern in der Region Dahmeland-Fläming. Im Kirchturm hat sich der Schwamm eingenistet, der Putz bröckelt und es entstehen Wasserschäden. Auch ein Zwischenboden müsste erneuert werden.

Allein für diese Baustelle werden 160.000 Euro gebraucht. "Es gibt einen Finanzierungsplan. Und danach sieht es so aus, das wird das hinkriegen", sagt Eckhart Köther. Dazu sollen der Erlös aus dem Verkauf einer Kirchenliegenschaft, Fördermittel des Denkmalschutzes und Spenden beitragen.

Dass der Turm bald eine Schönheitskur bekommt, hat für den Vereinsvorsitzenden dabei nicht nur eine bauliche Bedeutung. "Es wäre für den Ort erkennbar, dass sich hier etwas bewegt. Die Bevölkerung muss sehen, dass ihr Engagement für die Kirche etwas bewirkt hat."

Kirche als Ort der Identifikation

Nach gelungener Sanierung dürfe das Engagement aber nicht enden, sagt Tina Kapp vom Evangelischen Kirchenkreis Zossen-Fläming. Zudem seien auch nicht immer große Investitionen notwendig, um die Kirchen zu erhalten. Oft genüge es schon, Fenster zu streichen, um sie vor dem Vermodern zu schützen und Dachrinnen zu warten. "Es werden auch immer Menschen vor Ort gesucht, die in ihren Kirchen nach dem rechten schauen", sagt die Baubeauftragte Tina Kapp und weist darauf hin, dass diese Leute das Lüften übernehmen könnten oder nachsehen, ob eine Dachrinne verstopft ist. Tina Kapp beobachtet in den Dörfern zunehmendes Engagement für den Erhalt der Kirchen. "Für viele sind sie ein Identifikationspunkt."

Kein Fördertopf für Denkmalschutz in Teltow-Fläming

Damit die Kirchen in der Region auch künftig weiter saniert und instand gehalten werden können, wünscht sich Tina Kapp mehr Unterstützung. Zwar könnten manche Projekte allein durch Kirchenmittel finanziert werden, auch der Staatskirchenvertrag sei eine große Hilfe, im Gegensatz zum Landkreis Dahme-Spreewald gebe es aber in Teltow-Fläming keinen eigenen Fördertopf für den Denkmalschutz. Auch auf Landesebene fehle noch ein eigenes Förderprogramm für den Denkmalschutz, kritisiert die Baubeauftragte.

Von Nadine Pensold

Märkische Allgemeine vom 02. Dezember 2014

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