Spendenaktion „Vergessene Kunstwerke“

Marode Engel warten auf Rettung

Passow (MOZ) Klein und unscheinbar neben Johannes und Petrus führte Apostel Paulus bisher ein Schattendasein. Ebenso wie diese beiden musste die hölzerne Altarfigur in der Passower Dorfkirche lange auf eine Wiedererweckung warten. Die Farben der aus dem Mittelalter stammenden Figuren waren verblasst oder deutlich nachgedunkelt, das Holz brüchig geworden. Im Herbst war es soweit: Restauratorin Katharina Hummitzsch löste die Figur aus dem Trio und übernahm die fachgerechte Aufarbeitung der Figur.

 

Es sind die letzten Teile einer längst verlorenen Orgel: Kleine Engelsfiguren der ehemaligen Scherer-Orgel in der Bernauer St. Marienkirche stehen im Zentrum der sechsten Spendenaktion „Vergessene Kunstwerke“, zu der der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg, das Landesamt für Denkmalpflege, die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EBKO) und die Stiftung Kirchliches Kulturerbe gestern in Potsdam aufgerufen haben.

Die aus dem Jahr 1573 stammende Orgel war 1864 zu Gunsten eines Neubaus abgerissen worden. Die bis heute erhaltenen 14 Engelsfiguren befanden sich damals am Gehäuse der Orgel, und konnten sich, während Choräle und Fugen gespielt wurden, dazu bewegen. „Während das Orgelwerk erklang, bewegte sich die ganze Orgel“, sagt Landeskonservator Thomas Drachenberg. „Die Engel vereinten die irdische Musik mit dem Gotteslob.“ Die Generalsuperintendentin des Sprengels Potsdam der EBKO, Heilgard Asmus, sprach davon, dass Kunstwerke in Kirchen gelebter Glaube seien. Seien sie zerstört, werde „der Gedanke an die Vergänglichkeit alles Irdischen sichtbarer – aber wir betreiben ja keine Ruinen-Melancholie.“

Mit wenig Geld sehr viel erreichen

Wie der Geschäftsführer des Förderkreises Alte Kirchen, Bernd Janowski, erklärte, habe sich die zunächst als Kampagne zur Rettung bedrohter Taufengel gestartete Aktion gut entwickelt. In den ersten drei Jahren seien rund 70 000 Euro für die Flügelwesen eingegangen. Noch heute gebe es Spenden für einzelne der Engel, ohne dass dafür gezielt Werbung gemacht werde. 2012 habe man dann rund 7 000 Euro für die Restaurierung des Altars in Laubst (Spree-Neiße) eingeworben. 2013 seien ebenfalls rund 7 000 Euro Spenden für die Ausstattung der Dorfkirche in Dedelow (Uckermark) eingegangen. „Die Resonanz auf diese Aktion war in den letzten Jahren sehr positiv“, sagte Brandenburgs Kultusministerin Sabine Kunst (parteilos). „Mit relativ wenig Geld kann man bei den Kunstwerken in den Kirchen sehr viel erreichen.“

Der Prignitzer vom 04. Dezember 2014

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