Dahmer Kirche nach Sanierung in neuem Glanz wiedereröffnet

Große Freude im Gotteshaus St. Marien

DAHME/MARK Carsten Rostalsky ist die Freude anzusehen gewesen. Er ist Pfarrer der evangelischen Gemeinde in Dahme. Ein so volles Gotteshaus wie die Kirche St. Marien am gestrigen Adventssonntag hatte er lange nicht gesehen:

Die Berliner Pröbstin Friedrike von Kirchbach bei der Predigt auf der frisch renovierten Kanzel.
Foto: Dietrich von Schell/dvl1

Nach dreijähriger Sanierungszeit waren 400 Menschen zum Festgottesdienst erschienen. Die Bänke waren voll besetzt. Der Geruch nach frischer Farbe lag in der Luft. Das Staunen der Besucher war greifbar.

Zunächst vollzog der Gemeindekirchenrat Dahme die Wiederindienstnahme von St. Marien, schmückte feierlich den Altar, entzündete die hohen Kerzen. Die Berliner Pröpstin Friederike von Kirchbach zog anschließend Parallelen zur Adventsgeschichte. Sie war eigens aus Berlin gekommen. Im Gepäck hatte sie eine lebendige Predigt. Sie gab der Gemeinde auf den Weg: "Dass Jesus hier, in St. Marien, Ankunft feiern kann, wird ihn freuen."

Aber auch die anderen freuten sich, allen voran Pfarrer Rostalsky. "Es ist eine wunderschön sanierte Kirche, der Stolz der Dahmenser", sagte er. Sie war 2011 auf unbestimmte Dauer geschlossen worden. Bei einer Voruntersuchung für die Dachsanierung stellte sich heraus, dass das Gebälk in den 1970er Jahren mit dem hochgiftigen Holzschutzmittel Hytolox behandelt worden war (die RUNDSCHAU berichtete mehrfach darüber). Das Mittel steht im Verdacht, krebserregend zu sein. Die Kirche musste umgehend geschlossen werden. Es begann eine lange Durststrecke.

Am gestrigen Sonntag war Rostalsky damit wieder versöhnt. Auch Besucher Fritz Braune aus Dahme war voller Freude. "Es ist ja heute nicht mehr alltäglich, dass so viele Leute an einem Strang ziehen, um eine Kirche wieder herzustellen." Der Zustand des Gebäudes habe sich wesentlich verbessert.

Einziger Wermutstropfen: Es gibt keine Heizung mehr. Die beheizten Bänke im Südraum, die für Wintergottesdienste optimal waren, mussten entsorgt werden. "Eine neue Heizmöglichkeit war bei dem Bauvolumen von 2,5 Millionen Euro nicht förderfähig."

Der feierlichen Stimmung tat die Kälte keinen Abbruch. Ohnehin lag der Gedanke ans sonnige Australien über allen Zeremonien. Das ist Christian Gottlob Teichelmann zu verdanken, der im 19. Jahrhundert im australischen Adelaide einen Aborigine-Dialekt rettete und dafür heute noch von den Ureinwohnern verehrt wird.

Bei den Bauarbeiten sind neben der Kanzel zwei Fenster mit Bleiglasornamenten freigelegt worden. Sie zeigten offiziell Porträts des Heiligen Petrus und Paulus, tatsächlich waren es die Gesichter der beiden letzten deutschen Kaiser.

Nun hat man zwei neue Bleiglasfenster anfertigen lassen mit dem Konterfei von verdienten Dahmensern: dem Luther-Freund Georg Buchholzer und eben dem bereits erwähnten Teichelmann.

Höhepunkt war denn sicher auch der Auftritt von Lutz Grabolla, einem der Zimmerleute, die bei der Kirchensanierung mitgeholfen hatten. Er spielte Didgeridoo und brachte mit dem Blasinstrument der Aborigines das Gotteshaus zum Schwingen.

Dietrich von Schell/dvl1

Lausitzer Rundschau vom 08. Dezember 2014

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