Marganer feiern ihr Kirchenjubiläum

Vor 100 Jahren wurde das Jugendstil-Gotteshaus in Brieske-Ost eingeweiht

BRIESKE Am dritten Adventssonntag wird zu einem ganz besonderen Gottesdienst in die Briesker Martin-Luther-Kirche eingeladen. Denn in diesen Tagen jährt sich die Einweihung des Gotteshauses zum 100. Mal. Größter Geburtstagswunsch: Geld für die weitere Sanierung.

Pfarrer Manfred Schwarz geht mit Rosemarie Grieger (l.) und Regina Domann vom Briesker Gemeindekirchenrat nochmal den Ablauf des Festgottesdienstes durch.
Foto: T. Richter-Zippack/trt1

Ein Rätsel konnten die Briesker bislang noch nicht lösen. Nämlich warum ausgerechnet an einem Freitag ihre Kirche eingeweiht wurde. Denn der 18. Dezember 1914 fiel genau auf diesen Wochentag.

"Eigentlich finden solche Feiern am Sonntag statt", sagt Pfarrer Manfred Schwarz. Nicht so in Brieske-Ost, das damals offiziell Grube Marga hieß. Um die Mittagszeit hatten sich die geladenen Gäste, darunter Aktionäre der Ilse Bergbau AG, Stifter und Sponsoren, getroffen, um den feierlichen Akt zu vollziehen. Anschließend ging es zum Mittagessen schräg herüber in die "Kaiserkrone" zum Mittagessen. So ist es in der kleinen Ausstellung nachzulesen, die zum 100. Geburtstag des Gotteshauses besichtigt werden kann.

Ungewöhnliches Bauwerk

Auf zwei Tafeln wird die Historie des Bauwerks dargestellt. Doch der ungewöhnliche Einweihungstermin ist nicht die einzige Kuriosität der Marga-Kirche. So befindet sich der Kirchturm nördlich des Schiffes.

"Zu 99 Prozent sind die Kirchenschiffe aber nach Osten ausgerichtet, zur aufgehenden Sonne, die die Auferstehung symbolisiert", erklärt Pfarrer Schwarz. Allerdings, so vermutet er, passe das Gotteshaus in seiner Konstellation wesentlich besser zum Marktplatzensemble als Mittelpunkt der Gartenstadt.

Ebenso ungewöhnlich präsentiert sich das Altarbild. Auf diesem schaut Jesus kurzerhand mal in Brieske vorbei. Links neben ihm steht ein Bauer, der die Landwirtschaft verkörpert, rechts ein Bergmann. Und im Hintergrund streben die Kippen himmelwärts.

"Klar, dass hier Jugendstil-Elemente zu finden sind", weiß Regina Domann vom örtlichen Gemeindekirchenrat.

Kirche wacht über Marga

Jetzt wacht die Kirche also seit bereits 100 Jahren über die Siedlung. Das Werk und die Bergleute sind indes längst verschwunden, lediglich die Kippen und ein paar Relikte im Ort erinnern noch an die Bergbauzeit.

Für die Arbeiter der Braunkohlenindustrie war das Gotteshaus erbaut worden. Bis zur Senftenberger Peter-und-Paul-Kirche schien der Weg zu weit, die dortigen Kirchenleute waren mit den in kurzer Zeit zugezogenen Menschenmassen schlicht überfordert. Daher wurde die neue Kirche in der damals noch einzigen freien Lücke am Markt der frischgebackenen Gartenstadt Marga errichtet. Der Aufbau dauerte übrigens nur anderthalb Jahre.

Fanden in der Anfangszeit rund 450 Menschen auf den Bänken Platz, kommen heute pro Gottesdienst nur noch 15 bis 20. Insgesamt zählt die Kirchgemeinde laut Rosemarie Grieger, Vorsitzende des Gemeindekirchenrates, gut 300 Glieder in den drei Orten Brieske-Ost, Brieske-Dorf und Niemtsch. Nachwuchshoffnung sei die neue Christenlehre-Gruppe mit rund zehn Kindern.

Feier zum 100. Jubiläum

Die 100. Wiederkehr der Einweihung der Kirche, die seit dem Jahr 1958 den Namen Martin Luther trägt, wird an keinem Freitag, sondern am dritten Adventssonntag gefeiert. Um 14 Uhr beginnt der Festgottesdienst, die Predigt hält Generalsuperintendent Martin Herche.

Zudem hat der Briesker Jens Domann eine rund 20-seitige Festbroschüre verfasst. Die Briesker bitten um reichlich Spenden. Schließlich solle die baulich gesperrte Empore erneuert werden. Darüber hinaus warte der wurmstichige Turmaufgang auf seine Erneuerung. Nicht zuletzt benötige die Turmuhr eine Reparatur.

"Mich rufen die Briesker jedes Mal an, wenn die Uhr stehen geblieben ist", berichtet Regina Domann. Außerdem wünscht sich Rosemarie Grieger die Sanierung der Kirchen- beziehungsweise Friedhofsmauer. Diese biete keinen schönen Anblick mehr.

Allerdings, so sagen die beiden Frauen, sei zumindest ein Teil der Projekte "genug Arbeit für unsere Kinder und Enkel".

Torsten Richer-Zippack/trt1

Lausitzer Rundschau vom 11. Dezember 2014

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