Ein einmaliges Raumgefühl

Atterwascher Kirche ist wie keine andere eng mit Guben verbunden

ATTERWASCH Kirchen üben auf Menschen einen besonderen Reiz aus egal ob sie evangelischem oder katholischem Glaubens sind, oder ob sie konfessionslos sind. Jedes Gotteshaus birgt Geheimnisse und erzählt Geschichten. Die RUNDSCHAU stellt in einer Serie die Kirchen der Region Guben und darüber hinaus vor und erklärt die Besonderheiten der Kirchen. Heute: die Kirche in Atterwasch.

Pfarrer Mathias Berndt zeigt stolz auf die Kanzel in der Atterwascher Kirche.
 
Geschichtsträchtig: das Gotteshaus in Atterwasch.

Die Dorfkirche in Atterwasch ist die älteste in der evangelischen Kirchengemeinde Region Guben. Bereits im Jahr 1294 wurde in einem Brief des Markgrafen Dietrich die Atterwascher Kirche erwähnt. Vermutet wird, dass das Gotteshaus schon um 1220 erbaut wurde. Möglicherweise stammt der Ostgiebel mit seiner Dreier-Fenstergruppe noch aus dieser Zeit. Ursprünglich war die Kirche ein rechteckiger Feldsteinbau mit einer hölzernen Tonnendecke. Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde die Kirche mit der jetzigen glatten Holzbalkendecke wieder aufgebaut und 1685 geweiht. Von der alten Kirche waren nur die Grundmauern und der Ostgiebel mit dem Sakramentshäuschen und einer gotischen Wandmalerei erhalten.

Pfarrer Mathias Berndt lebt seit mehr als 40 Jahren neben "seiner" Kirche. "Sie ist mir vertraut vom Fußboden bis zur Turmspitze. Sie hat ein einmaliges Raumgefühl. Man fühlt sich schnell heimisch, kommt sich darin nicht verloren vor, weil sie eher klein ist", schwärmt er.

Berndt erinnert sich an den Besuch aus der Partnergemeinde Bonn im Jahr 1983. "Unsere Partner haben damals schon gesehen, dass das Dach unbedingt saniert werden muss. Das wussten wir auch. Aber bis dahin haben wir die losen Dachziegel einfach wieder ins Dach geschoben", erzählt er. Ein Jahr später hat die Partnergemeinde prompt Dachsteine geschickt. So konnte das Kirchendach neu gedeckt werden, mithilfe einer kirchlichen Baubrigade. Allerdings kam beim Abdecken des Daches das böse Erwachen: In den Dachbalken steckte der Schwamm. Doch woher das Holz für neue Balken holen? "Wir klauten also kurzerhand aus unserem eigenen Kirchenwald Holz. Denn das Fällen von Bäumen im eigenen Wald war auch da schon verboten", blickt er nachdenklich und kopfschüttelnd zurück.

Stolz ist der Pfarrer, dass es seit dem Ende des Dreißigjährigen Krieges ein lückenloses Kirchenarchiv in Atterwasch gibt. "Briefe und Urkunden liegen in vier Panzerschränken", erzählt Mathias Berndt.

Drei Glocken läuten in der Atterwascher Kirche. Die Große wurde bereits im Jahr 1465 gegossen, ihre Inschrift weist auf den Gubener Frieden hin. Nur mit Glück wurde sie 1917 nicht eingeschmolzen. "Sie wurde damals schon für sehr wertvoll gehalten", weiß Berndt. Die mittlere und die kleine Glocke stammen jeweils von den Glockengießern Schilling, Senior und junior. "Vater und Sohn hängen also bei uns im Kirchturm", sagt der Pfarrer lächelnd .

Die Atterwascher Kirche ist wie keine andere in der Region mit Guben verbunden. So stammt die Renaissance-Kanzel aus der alten Stadt- und Hauptkirche im heutigen Gubin. Die Kugel und die Wetterfahne schmückten einst das Klostertor des Jungfrauenklosters von Guben. "Die Atterwascher erbaten sich die Turmspitze beim Abriss des Klosters in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts", erklärt Mathias Berndt. Eine Grüneberg-Orgel hat das Gotteshaus in Atterwasch erst seit 1905. Die Empore ist geschmückt mit Wappenschildern und Bibelversen in bauern-barocker Malerei. In Kerkwitz wird übrigens seit 1874 das Missionsfest gefeiert. Der damalige Pfarrer Karl Ferdinand Robert Förster hatte die Idee dazu, dass sich auch die Atterwascher an der Mission beteiligen, Menschen in anderen Ländern zu helfen. Heute ist die Atterwascher Kirche die einzige im Sprengel des Kirchenkreises Cottbus, die noch zum Missionsfest einlädt.

Jana Pozar / zar1

Lausitzer Rundschau vom 13. Dezember 2014

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