Die Glocken sind eingeschwebt

Jörg Kühl

Görzig (MOZ) Die Glocken der Görziger Dorfkirche wird am vierten Advent wieder läuten. Am Dienstag wurde eine der angestammten Glocken und einen neue auf den sanierten Glockenstuhl gehievt.

Alles Gute kommt von oben: Die größere der beiden Görziger Glocken ist 400 Kilo schwer. Sie stammt aus dem Jahr 1510. Die neue Glocke (die kleinere) ist schon oben. Sie in der offenen Schall-Luke des Kirchturms zu sehen.
© MOZ/Jörn Tornow

Erst nach zweistündiger Verspätung konnte mit der Hebung der beiden Glocken begonnen werden. Denn der ursprünglich für die Montage vorgesehene Lkw mit Bordkran konnte wegen des weichen Kirchhofs nicht zum Einsatz kommen. Ein Kranwagen, der von dem befestigten Weg neben der Kirche aus operieren konnte, musste aus Rüdersdorf anrücken. Doch was sind schon zwei Stunden Verzögerung angesichts der Lebensdauer kirchlicher Immobilien? Der Platzierung der beiden Glocken im Glockenstuhl war schließlich für Holger Bittner, Juniorchef der Neuenhagener Glockenbaufirma Bitter und sein Team eine Routineangelegenheit. Endgültig montiert und zum Klingen gebracht werden sie in den kommenden Tagen. "Wir halten uns ran, damit die Glocken zu Weihnachten läuten", gab Bittner die Parole aus. "Schon am vierten Advent sollen sie läuten", verbesserte Anne-Kathrin Hartmann, Sekretärin und Küsterin der evangelischen Kirchengemeinde Beeskow. "Sie ist das Zugpferd für die Restaurierung der Glocke und des Stuhls", lobt Knut Krüger, graue Eminenz in Sachen Bauangelegenheiten in der Kirchengemeinde Beeskow. Es sei der sehnlichste Wunsch ihres 2011 verstorbenen Vaters Siegfried Hartmann gewesen, dass in Görzig die Glocken zur Feierabendzeit regelmäßig läuten. Deshalb bat Anne-Kathrin Hartmann vor der Beerdigung ihres Vaters um Geldspenden für den Glockenstuhl. Erlöse aus einem Benefizkonzert, einem Gemeindefest und andere große und kleine Spenden machten es schließlich möglich, den wackeligen Glockenstuhl zu reparieren. Außerdem wurde die zu Kriegsende konfiszierte und durch ein gusseisernes Exemplar ausgetauschte Glocke durch eine neu gegossene Bronzeglocke ersetzt. Die größere der beiden Glocken aus dem Jahr 1510 mit Henkelschaden wurde repariert.

Bislang mussten die schweren Klangkörper per Hand bedient werden. Jahrzentelange Glöcknerdienste leisteten Helmut Friedrich und Siegfried Hartmann. Vor sechs Jahren übernahm Anne-Kathrin Hartmann und ihr Lebensgefährte Olaf Schauer den Job, was vor allem bei Beerdigungen eine schweißtreibende Angelegenheit war: "Die große Glocke drei mal sieben Minuten zu läuten, das wusste man, was man getan hat."

Am 21. Dezember findet um 13.30 Uhr ein Festgottesdienst statt, in dessen Rahmen die Glocken feierlich in Betrieb genommen werden. Um 14.30 Uhr werden die Landfrauen in Dorfgemeinschaftshaus eine Adventsfeier veranstalten. Um 16 Uhr gibt es in der Kirche ein Konzert mit der Sopranistin Anna Pehrs, Walther Thomas Heyn an der Gitarre und René Schulz an der Klarinette. Die Spendenerlöse dieses Konzertes sollen für das nächste Projekt der Görziger Gemeindeglieder verwendet werden: Die Restaurierung der Orgel, die seit 30 Jahren nicht mehr bespielbar ist. Auch an Heiligabend werden in Görzig die Glocken läuten: Um 18 Uhr beginnt der Gottesdienst mit der Pfarrerin in Ruhestand Marianne Tiedeke.

Märkische Onlinezeitung vom 17. Dezember 2014

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