Dyrotzer Kirche beherbergt ein weiteres Kleinod

S. Schulz / T. Lindl

Dyrotz/Wustermark (MZV) Eine neue Krippe schmückt seit einigen Tagen den Altarraum der evangelischen Kirche zu Dyrotz. Die ausdrucksvoll gestalteten Figuren sind das Werk von Rudolf Müller aus Wustermark.

Hat eine eindrucksvolle Krippe gefertigt: Rudolf Müller aus Wustermark.
© MZV/Lindl
 
Ein Rundgang durch die Dyrotzer Kirche offenbart es: Vieles hat sich dort zum Positiven entwickelt.
© Lindl

"Ich glaube, die kennen mich hier alle unter "Rudi'", meint der 73-jährige, der seit seiner Kindheit im Ort lebt. Als der gelernte Bau- und Möbeltischler 2004 nach 40 Jahren Tätigkeit in einer Wustermarker Tischlerei in Rente ging, begann er mit der Holzschnitzerei. Über 100 ganz unterschiedliche Figuren sind seitdem entstanden - von Tieren wie Eulen oder Papageien bis zu Jägern, Pilzsammlern und "Huckelweibern'. Die meisten verschenkt er. "Bei mir sind die Figuren im Holz drin - ich schneide nur das ab, was nicht dazu gehört." Auch einige der Kirchenfenster hat der Hobbykünstler angefertigt und die Holztreppe schon mal ausgebessert.

Die Idee zu den Krippenfiguren entstand, als auf dem Dyrotzer Friedhof die Linden beschnitten werden mussten. Weil er das Holz zu wertvoll zum Verbrennen fand, nahm Rudolf Müller einige Teile davon als Rohlinge mit nach Haus und ließ sich von seinen kreativen Ideen inspirieren. "Ich kann das nur von mir aus; wenn mir einer sagt, das soll's werden, dann weiß ich nicht, ob's das auch wird", erklärt er. Deswegen fertigt er auch keine Auftragsarbeiten. "Das würde nicht funktionieren." Neben seiner künstlerischen Seite hat Rudolf Müller auch Sinn für's Praktische. Alle Figuren der Weihnachtskrippe sind fest verschraubt mit dem Untergrund aus Sperrholz, und aus diesem Material ist auch das Podest für die Arbeit, das nach den Feiertagen gleichzeitig als Deckel zum Schutz gegen Staub und Beschädigung dient.

Zur Christvesper am Heiligen Abend soll das Kunstwerk eingeweiht werden - Rudolf Müller wird da sein, "obwohl ich eigentlich katholisch bin!"

Die Krippe hat ihren Platz in einer der kulturhistorisch wertvollsten Kirchen der Umgebung gefunden. Der aus dem 18. Jahrhundert stammende Barockbau wurde in alten Fremdenverkehrsbroschüren als "Perle des Havellandes" angepriesen. Nachdem die Kirche mehr als 25 Jahre baupolizeilich gesperrt war und beinahe abgerissen worden wäre, konnte sie 1997 wieder eröffnet werden, nachdem eine großzügige Spende eines ehemaligen Dyrotzers die aufwändige Restaurierung ermöglicht hatte.

Das Gebäude erhielt einen neuen Außenputz, eine Turmeindeckung, eine neue Lichtanlage. Dabei wurden alte Bauteile nach Möglichkeit erhalten - "die mechanische Kirchenuhr ist seit 160 Jahren drin und muss alle drei Tage aufgezogen werden", weiß Volker Zülz, langjähriges Gemeindekirchenratsmitglied. Die Dorfkirche wieder zu einem solchen Schmuckstück zu machen, erforderte viel Eigeninitiative und Zusammenhalt der Dyrotzer Gemeindemitglieder. Der Gemeindekirchenrat unter Vorsitz von Stefan Bertram hat dazu einen entscheidenden Beitrag geleistet.

Märkische Onlinezeitung vom 21. Dezember 2014

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